Bayern Toter Bauer aus Landshut: Briefe an Papa

Stehen wieder vor Gericht: Matthias E., Witwe Hermine R. (M.) mit ihren Töchtern Manuela (li.) und Andrea Foto: dapd

LANDSHUT - Angeblich hat eine Familie den Vater zerstückelt und an Hunde verfüttert. Das Ganze stellt sich als grandioser (Justiz-)Irrtum heraus. Im neuen Verfahren klingt vieles seltsam anders

 

Im Fall des verschwundenen Bauern, der zwischenzeitlich als zerstückelt und von Hunden gefressen galt, gibt es ganz neue Einblicke. Der Tyrann, der seine Familie terrorisiert und brutal misshandelt haben soll, ehe er verschwunden war, wurde von seinen beiden Töchtern offenbar schmerzlich vermisst.

Im ersten Prozess vor dem Ingolstädter Landgericht hieß es noch, der Bauer aus dem oberbayerischen Neuburg habe sich immer wieder sexuell an seinen zwei Mädchen vergriffen. Als der 52-Jährige 2001 verschwand, waren sie 15 und 16 Jahre alt.

Im neu aufgerollten Prozess vor dem Landgericht Landshut stellt sich nun heraus, dass die Töchter ihren Papa in den letzten neun Jahren wohl sehr vermissten – trotz der Missbrauchsvorwürfe.

Die ältere Tochter hat nach seinem Verschwinden etliche Briefe an ihren „Papa“ geschrieben. Die jüngere Tochter hat sich ihrem Tagebuch anvertraut: Sie machte sich Sorgen um ihn, wollte wissen, wo er ist – und schrieb immer wieder, wie lieb sie ihn doch hat. Nach Angaben der Verteidigung wurden diese Schreiben im ersten Prozess nicht als Beweismittel verwendet.

Der Fall wird neu aufgerollt, nachdem im letzten Jahr die Leiche des 2001 verschwundenen Bauern aufgetaucht ist – unzerstückelt. Das Auto mitsamt seinen sterblichen Überresten wurde im März 200 nahe der Donau-Staustufe beim oberbayerischen Bergheim geborgen.

Die Witwe, die Töchter und der Freund der älteren Tochter waren vor fünf Jahren verurteilt worden – weil sie den Bauern erschlagen, zerhackt und an Hunde verfüttert haben sollten. Die Vier hatten das vermeintliche sogar Verbrechen gestanden. Alles Lüge, wie sich herausstellte.

Die Rechtsanwälte werfen der Polizei schwere Versäumnisse und Pfuschereien bei ihren Ermittlungen vor. Bei der Bergung des Autos mitsamt der Leiche des Bauern seien die gleichen Beamten beteiligt gewesen, die schon vorher bei den Ermittlungen gegen die Angehörigen und somit am Zustandekommen der falschen Geständnisse beteiligt waren.

Bei der Bergungsaktion des völlig verschlammten Autos war zudem das Skelett des 52-Jährigen zerbrochen. Die Verteidiger bemängeln, dass auch ansonsten schlampig gearbeitet worden sei. So hätten die beauftragten Kripomänner an dem Auto selbst „in vielfacher Weise herumgefuhrwerkt“, statt ihre Kollegen von der Spurensicherung zu rufen. Schließlich seien bei der Bergung sogar Knochen des Toten verschwunden.

Für den zweiten Prozess sind noch rund 30 weitere Verhandlungstage bis Februar 2011 eingeplant.syp

 

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