Bayern Thomas Fuchsberger ist tot: „Er war Blackys ganzer Stolz“

Thomas Fuchsberfer mit seinem vater Blacky Foto: dpa

MÜNCHEN - Thomas Fuchsberger konnte als Künstler nie aus dem Schatten seines Vaters treten. Doch für Blacky und seine Frau Gundel war der einzige Sohn der Lebensinhalt. Wie erträgt er den schweren Schlag?

 

So oft hat Blacky Fuchsberger um seinen Sohn gebangt, so lange in der schlimmsten Zeit seiner Krankheit die Hand gehalten, gehofft und gebetet, dass der kranke Tommy es schafft. „Leid bringt einen entweder auseinander – oder noch enger zusammen. Bei uns war zum Glück letzteres der Fall“, hat Blacky Fuchsberger einmal im AZ-Interview über sich und Tommy gesagt. Jetzt hat er seinen Sohn verloren – ganz plötzlich, ohne Vorwarnung. „Wir stehen vor einem Rätsel“, sagt der fassungslose Vater.

Ohne seine Frau ist er nach Kulmbach gefahren, er übernahm es, den Sohn zu identifizieren. Freunde machen sich große Sorgen um den 83-Jährigen. Seit längerem geht es ihm gesundheitlich nicht gut, er wird ständig ärztlich überwacht. Jetzt dieser schwere Schlag. „Tommy war der Lebensinhalt und der ganze Stolz seiner Eltern“, sagt Margit Bönisch, Chefin der Komödie im Bayerischen Hof, in dem Blacky so viel gespielt hat. Schauspieler Christian Wolff, seit vielen Jahren ein enger Freund der Familie, sagt: „Für Gundel, Blacky und Cornelia ist die Welt zusammengebrochen.“

Die Familie war sehr eng miteinander verbunden. Thomas, geboren 1957, war das einzige Kind von Joachim und Gundula Fuchsberger – und von klein auf der Sonnenschein der Familie. Und er war Zeit seines Lebens „Der Sohn von...“. Auch in seinem letzten Interview, wegen dem er nach Kulmbach gekommen war, wurde er – natürlich – nach dem berühmten Vater befragt. Und da erzählte er wieder vom Fluch und Segen, der Sohn einer deutschen Show-Legende zu sein. „Ich wollte immer dicht dran sein und etwas tun. Deshalb habe ich jahrelang neben der Kamera gestanden und für meinen Vater die Schilder hochgehalten“, erzählte der 53-Jährige wenige Stunden vor seinem Tod.

1972 verschaffte ihm Blacky die Möglichkeit, bei den Olympischen Spielen zu fotografieren, später ging er viel mit dem Vater auf Reisen und arbeitete mit ihm an Dokumentationen. Sein Spitzname war „4711“ – und das war nicht nur nett gemeint. Angelehnt war das an den Werbeslogan des Parfums: „Was es auch sei: 47:11 ist immer dabei“. Der Name Fuchsberger öffnete Türen, doch das weckte auch große Erwartungen und Neid, hatte es doch für viele den Ruch der Günstlingswirtschaft.

So legte sich Tommy als Musiker mehrere Pseudonyme zu, um sich frei zu machen vom berühmten Förderer. Doch der ganz große Durchbruch ist Fuchsberger junior nie gelungen. Ein Top-Ten-Hit, ein paar bekanntere Filmkompositionen. Er blieb für viele das ewige Multitalent – und darunter hat der 53-Jährige gelitten. Bei seinem letzten Interview in Kulmbach sagt er: „Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass mir mit einer Melodie eines Tages doch noch einen Evergreen gelingen wird.“

Auseinander gebracht hat die Familie das nicht. Nach einer gescheiterten Ehe waren seine Eltern für Tommy auch als Erwachsener immer Dreh- und Angelpunkt seines Lebens. Zu seinen beiden Kindern aus erster Ehe hatte er viele Jahre gar keinen Kontakt. Auch Blacky litt darunter, seine Enkelkinder nicht zu kennen, versuchte immer wieder, eine Brücke zu bauen.

Als Blacky im Jahr 2000 mehrere schwere Bypass-Operationen hatte und einen Herzschrittmacher bekam, war der Sohn immer da und gab seiner Mutter Gundel Halt. „Als es mir dreckig ging, war mein Sohn immer da“, sagt Blacky später. Doch auch zu Tommys Leben gehörte die Krankheit. Seit der 19 war, litt er an schwerer Diabetes. Das bedeutete schon als Teenager Disziplin und genaue Kontrolle. Dann kam 2003 eine lebensbedrohliche Darmerkrankung dazu. Zig Operationen musste er durchstehen. Eine schwere Zeit für die ganze Familie.

Für die Eltern war es fast unerträglich, ihren Sohn so leiden zu sehen. „Er hat einen so schweren Leidensweg hinter sich. Ich habe sehr großen Respekt, wie Tommy sein Schicksal meistert“, sagte Blacky Fuchsberger. Darauf war Tommy stolz. Er war kein Jammerer, er wollte stark wirken, sich keine Schwächen eingestehen.

Aus seiner Diabetes macht er eine Aufgabe, mehrere Kochbücher für Diabetiker hat er geschrieben, ein neues sollte bald erscheinen. Er tourte mit seinem Wissen über die Krankheit, machte anderen damit Mut. An sich hat er dabei nicht immer gedacht. Seine Krankheit hat an ihm gezehrt. Auf dem diesjährigen Oktoberfest wirkte er niedergeschlagen und ausgepowert. Womöglich hat er sich zuletzt übernommen.

Zurück bleiben Blacky und Gundel, die jetzt den schwersten Schicksalsschlag in ihren 56 Jahren Ehe erleben. „Wir trauern mit euch“, sagt der enge Freund Christian Wolff. „Wir werden den liebenswerten, begabten, blenden aussehenden ,Jungen’, den wir schon als Baby kannten, niemals vergessen.“

Tina Angerer

 

0 Kommentare