Bayern-Star peilt Rückkehr an Ende der Leidenszeit: Schweinsteiger vor Comeback

Bastian Schweinsteiger beim individuellen Training am Mittwoch. Die Bilder. Foto: dpa/AZ

WM-Held Bastian Schweinsteiger steht nach monatelanger Pause vor seiner Rückkehr beim FC Bayern. Trainer Pep Guardiola bremst, im nächsten Heimspiel könnte es aber schon soweit sein.

 

München - Mit blutverschmiertem Gesicht und von Krämpfen geplagt lag er am Boden. Etliche Fouls und schließlich einen Schlag ins Gesicht hatte er zuvor einstecken müssen. Doch Bastian Schweinsteiger stand immer wieder auf, kämpfte weiter für sein großes Ziel und wurde so bei der WM in Brasilien zum Finalhelden.

Es ist die vorerst letzte Erinnerung, die die deutschen Fans an Schweinsteiger haben. Denn seit dem großen Triumph im WM-Endspiel gegen Argentinien am 13. Juli hat der 30-Jährige kein Pflichtspiel mehr bestritten - nicht für die Nationalmannschaft und nicht für den FC Bayern.

Schweinsteigers Veilchen am rechten Auge ist längst zu einer kleinen Helden-Narbe verheilt. Seitdem bremsen ihn aber hartnäckige Probleme an der Patellasehne des linken Knies aus. Die lange Leidenszeit von Bastian Schweinsteiger neigt sich nun endlich dem Ende entgegen. Auf den Trainingsplatz ist er bereits zurückgekehrt. Von Tag zu Tag werde es besser, berichteten Bayerns Physiotherapeuten und Fitnesstrainer dem Münchner Chefcoach Pep Guardiola von den individuellen Einheiten des Mittelfeldakteurs.

Schweinsteigers Comeback auf dem Spielfeld könnte noch im November erfolgen - etwa in der Liga gegen 1899 Hoffenheim (22.11). Ein Indiz dafür: Für das Heimspiel soll Schweinsteiger selbst für ihn ungewöhnlich viele VIP-Karten für Freunde und Familie bestellt haben.

"Schritt für Schritt, kein Druck auf Basti", bremste Guardiola vor dem Champions-League-Duell am Mittwochabend gegen den AS Rom (bei Redaktionsschluss noch nicht beendet) in der Causa Schweinsteiger. "Man muss ruhigbleiben, weil er drei, vier Monate verletzt war." Auf dem Trainingsplatz an der Säbener Straße arbeitet Schweinsteiger, der bislang nur zehn Minuten in der Münchner Sommervorbereitung bei einer 1:2-Niederlage gegen ein Allstar-Team der US-Liga mitkickte, vehement an der Rückkehr.

"Er ist ein wichtiger Spieler für diesen Verein", erklärte Guardiola. Mit solch einer langen Zwangspause hatten weder der Spanier noch Joachim Löw gerechnet. "Die Verletzung ist nicht solcher Natur, dass er monatelang ausfallen wird", bekundete der Bundestrainer noch Anfang September. Umso mehr darf sich Löw jetzt freuen, dass die im DFB-Team bei den jüngsten deutschen Länderspiel-Enttäuschungen schmerzlich vermisste Führungsfigur Schweinsteiger endlich seinem Comeback näher gekommen ist.

"Wenn Khedira, Schweinsteiger, Özil und Reus zurückkommen, sind wir in der Breite besser besetzt und können auf verschiedene Situationen besser reagieren", drückte der Bundestrainer schon einmal die Vorfreude auf lange verletzte Leistungsträger wie Schweinsteiger aus. Die letzten Länderspiele des Jahres im November gegen Gibraltar (14.11.) und Spanien (18.11.) kommen für Schweinsteiger aber noch zu früh. Er wird frühstens Ende März bei einem Test wohl gegen Australien (25.3.) oder dem folgenden EM-Qualifikationsspiel in Georgien (29.3.) wieder für das DFB-Team aktiv sein.

Doch das ist alles noch weit weg. Erst einmal muss der 108-malige Nationalspieler beim den Bayern wieder Fuß fassen. "Möglicherweise", so Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, könne Schweinsteiger ab der kommenden Woche "wieder ins Mannschaftstraining einsteigen". Bei seinem Spezialprogramm konnte er die Belastung zuletzt immer weiter steigern.

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Der erste Schritt sei, dass es ihm besser gehe, betonte Guardiola. "Und der zweite Schritt ist, die erste Trainingseinheit bei uns zu machen." Aber man müsse Schweinsteiger die Zeit geben, um konditionell in die richtige Verfassung zu kommen. "Danach muss ich meine Entscheidung treffen", sagte der spanische Starcoach. Und bei allen Fortschritten: Bis zur hundertprozentigen Leistungsfähigkeit Schweinsteigers wird es noch Wochen dauern.

Immerhin wird Schweinsteiger am Montag erstmals nach seiner Ernennung zum "legitimen Nachfolger von Philipp Lahm" (Löw) als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft in der Öffentlichkeit auftreten. Angeführt von ihm werden die deutschen WM-Könige durch Bundespräsident Joachim Gauck mit dem Silbernen Lorbeerblatt im Schloss Bellevue ausgezeichnet.

Wenige Stunden später wird in der Hauptstadt der 90-minütige Weltmeister-Film "Die Mannschaft" präsentiert - mit einem blutenden Finalhelden in der Hauptrolle. Schweinsteigers WM-Veilchen muss also noch einmal herhalten, bevor er sich hoffentlich bald wieder auf dem Platz in Erinnerung bringen kann.

 

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