Bayern-Star motzt Müller schmeckt's nicht

Der Bayern-Star, zuletzt nicht treffsicher, motzt: Ihm sind die Medien nicht euphorisch genug.

 

DANZIG Er hatte wieder einmal richtig gute Laune. Allerdings trug der lachende Thomas Müller in diesem Moment auch nicht die übliche DFB-Kluft, sondern eine rote Schürze – und er traf auch. Der Offensivmann streute gestern beim Showtermin mit DFB-Koch Holger Stromberg Käse in einen Topf. Ansonsten ging beim Bayern-Star zuletzt manches daneben. Drei Spiele gespielt, keinen Treffer selbst erzielt, lediglich eine Vorlage zum 1:0 von Podolski gegen Dänemark.

Und das erlösende Tor zur Entscheidung des dritten Gruppenspiels, das 2:1 von Lars Bender, wurde ihm auch geklaut. Der Rechtsverteidiger stieß in seinen Raum, sah die Lücke auf der rechten Seite und traf. „Eigentlich hat er mein Tor gemacht”, witzelte der Bayern-Profi, „das habe ich ihm schon gesagt.”

Ein Spaß, und dennoch hat sich Frust aufgestaut beim WM-Torschützenkönig von 2010 – und das, obwohl er nach der Vorrunde in Südafrika auch erst einen Treffer (aus dem 4:0 gegen Australien) auf seinem Konto hatte. Dieser Unmut richtete sich gestern gegen die Medien. Auf die Frage, was sich trotz der drei knappen Siege mit Blick auf die K.o.-Phase verbessern könnte, antwortete er gereizt: „Ich bin bisher mit dem Verlauf des Turniers und unseren Leistungen sehr zufrieden und finde es sehr schade, dass auf die Euphorie-Bremse gedrückt wird, dass Fehler gesucht werden.” Müller weiter: „Ich hoffe, dass es mehr Euphorie gibt. Wenn ich Bilder vom Public Viewing in Deutschland sehe, ist da viel Begeisterung. In den Medien ist das noch nicht so. Es kommt einem derzeit so vor, als wenn wir uns selbst dann schämen müssten, wenn wir den EM-Titel gewinnen sollten.” Und Müller schmeckt’s nicht.

Die Spieler haben im Danziger Mannschaftshotel Dwor Oliwski deutsche TV-Sender, bekommen Zeitungen und haben W-LAN. Müllers Appell lautete: „Ich hoffe, dass wir als Deutsche da was aufbauen.” Was ihn stört: Das Team wird an den berauschenden Spielen der WM 2010 gemessen, dabei betrachtet man teamintern eine EM als viel schwieriger. Und Müller selbst? Fähig zur Selbstkritik war er: „Ich weiß, dass ich die eine Chance gegen Dänemark machen muss, das erwarte ich von mir. Grundsätzlich ist für mich am wichtigsten, dass ich mit mir im Reinen bin.” ps

 

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