Bayern-Star blickt auf 2012 zurück Thomas Müller: "Das Erreichte zählt nicht"

Thomas Müller vom FC Bayern München spricht darüber, dass Champions-League-Endspiele für ihn mittlerweile normal sind - und dass Verletzungen im Team von Vorteil sein können.

München - Der Titel "Mein verrücktes Fußball-Jahr" trifft die letzten zwölf Monate von Thomas Müller ziemlich genau. Sein Gesicht ziert die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "11 Freunde", darunter steht eben jener Titel. Im Interview spricht er über sein Erfolg in der Champions League, Verletzungen und darüber, wie er richtig abschalten kann.

Der Mittelfeldspieler des FC Bayern bei "11 Freunde" über...

...über das Fußball-Geschäft: "Fußballprofi zu werden, ist das Wunschziel von vielen Kindern. Es gibt auch wundervolle Seiten, aber zugleich ist das ein extrem hartes Geschäft. Richtig ungestört ist man nie. Vor allem die Phase nach der letzten Saison hat mir nochmal aufgezeigt, wie unerbittlich das alles ist. Es dreht sich immer weiter, und solange du spielst, zählt das Erreichte im Grunde nicht. Zwei Wochen, nachdem wir das Triple gewonnen hatten, hat das schon keinen mehr interessiert. Als Zuschauer oder Fan konnte ich in meinen jugendlichen Jahren mitfiebern. Jetzt stecke ich in einem Kreislauf, der ein bisschen die Romantik rausnimmt."

...das Abschalten neben dem Fußballplatz: "Ich versuche nebenbei noch ein bisschen Golf zu spielen, das holt einen wieder schön auf den Boden der Tatsachen zurück und macht sehr demütig. Da ist man einfach mal vier bis fünf Stunden vollkommen raus, nur mit sich und dem kleinen Ball in der Natur unter freiem Himmel beschäftigt. Das tut gut."

...Veränderungen durch Erfolge: "Ich spüre die bei mir nicht unbedingt. Vielleicht kommt es hinterher, wenn man in eine Fernsehsendung eingeladen wird und im Insert steht 'Thomas Müller, Triple-Sieger 2013' oder sowas. Aber im Tagesgeschäft kannst du dir selbst für ein Triple, das erst ein halbes Jahr her ist, nichts kaufen."

...die Selbstverständlichkeit, im Finale zu stehen: "Ich bin noch in dem ganzen Ding drin. Ich bin jetzt 24 Jahre alt, und wenn es nach Plan läuft, werde ich noch öfter in einem Champions-League-Finale spielen. Das hört sich vielleicht blöd an, aber ich war in den vier Jahren Profidasein schon dreimal in so einem Endspiel, für mich ist das normal. Aber genau das ist auch wieder der Wermutstropfen: Es ist schwerer, das als Besonderes zu empfinden, auch wenn ich weiß, dass es das ist."

...das Verletzungspech beim FC Bayern: "Es gibt einige Säulen in der Mannschaft, die auf keinen Fall wegzudenken sind, wie Philipp Lahm, Manuel Neuer oder Bastian Schweinsteiger. Verletzungssorgen fallen bei uns aber nicht auf, weil einfach so eine große Zahl an guten Spielern da ist. So blöd es klingt: Es ist eher förderlich, wenn ein paar Spieler verletzt sind, damit keine Unruhe reinkommt." 

...die Vorbeugung von Verletzungen: "Grundsätzlich muss es einem klar sein, dass es Situationen im Spiel gibt, bei denen es scheppern kann. Dann muss man richtig einschätzen, ob es das Risiko wert ist, dahin zu gehen oder nicht. Andererseits muss man sich schon nach seinem Beruf und seinem Körper richten. Man kann nicht dazwischen eben mal um die Häuser ziehen, sich Unmengen an Alkohol reinschütten und die Sau rauslassen. Der Körper zahlt einem das irgendwann zurück, indem man verletzt ist. Ich lebe jetzt auch nicht übertrieben gesund, lebe kein Öko- oder Dinkel-Vollkorn-Leben, sondern ganz normal. Aber man muss wissen, was der Körper braucht."

 

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