Bayern-Spieler widmen Hoeneß den Titel Die Schale für Hoeneß: Mia san Uli!

Es war einmal: Hoeneß hält mit Rummenigge und Meisterschale. Foto: sampics/Augenklick

Den Titel widmen die Bayern ihrem Ex-Präsidenten – der einen großen Anteil am Erfolg hat. „Bayern ohne Hoeneß, das geht nicht“, sagt Ribéry. Denn er und die anderen Profis haben dem Ex-Boss viel zu verdanken

 

München - Die Liste ist ellenlang. Zweimal Champions-League-Sieger, einmal Weltpokal, einmal Klub-WM, einmal Uefa-Cup, 18-mal Deutscher Meister, elfmal Pokalsieger, zehnmal Supercup-/Ligapokalsieger. All diese Titel hat der FC Bayern in der Ära Uli Hoeneß gewonnen, die nun so aprupt endete – fürs erste jedenfalls.

De facto ist der FC Bayern seit dem Hoeneß-Rücktritt nach der Verurteilung wegen Steuerhinterziehung präsidentenlos, am 2. Mai steht Karl Hopfner zur Wahl als Hoeneß-Nachfolger oder -Platzhalter, je nachdem wie sich die Dinge entwickeln. Die Meisterschaft, werden die Bayern aber ihrem Vereinsidol, ihrem Patron widmen. „Für uns wird er immer unser Präsident bleiben“, sagt beispielsweise Franck Ribéry, der sich nach wie vor weigert, Hoeneß nicht mehr als Teil des Vereins anzusehen: „Bayern ohne Uli Hoeneß, das geht nicht.“

Am Samstag in Mainz kann es schon so weit sein, die 24. Meisterschaft fix gemacht werden. „Er hat ein Lebenswerk aufgebaut, dieses Lebenswerk gilt es zu pflegen, zu bearbeiten“, sagt Sportvorstand Matthias Sammer über Hoeneß: „In seinem Interesse ist es, dass wir so weitermarschieren.“ Also Titel holen, für ihn. Parole: Mia san Uli!

„Wir versuchen unseren Job zu machen, dass ist auch das, was der Uli Hoeneß will“, sagt Bastian Schweinsteiger, einer seiner liebsten Zöglinge. Die AZ zeigt, was die Bayern-Stars mit Hoeneß verbindet, was sie gemeinsam erlebt haben. Kurz: wieso sie für ihn spielen.

Ribéry: Uli wie zweiter Papa

Als Klinsmann (Foto unten) 2009 einen jungen Stürmer zu Hoffenheim gehen lassen wollte, legte Amateur-Coach Gerland ein Veto ein – und Hoeneß verhinderte den Wechsel. Thomas Müller blieb und avancierte ein Jahr später zum deutschen Shootingstar. Hoeneß nannte ihn 2010 bereits „ein Phänomen“ und „Glücksfall“ für Bayern, befand: „Schweinsteiger war in dem Alter nicht so weit. Bei Müller gibt es keine Anzeichen, dass man mal erzieherisch eingreifen muss.“ Müller dankte es mit Einsatzwillen und Kaltschnäuzigkeit. Und sagt nun: „Für jeden, der länger mit Hoeneß zu tun hatte, ist es auch keine einfache Zeit.“

Müller: Ein „Glücksfall“

 Zu Zeiten Louis van Gaals steuerte Franck Ribéry oft den Tegernsee an, heulte sich beim Präsidenten über den despotischen Trainer aus – ein besonderes Verhältnis entwickelte sich. Hoeneß half Ribéry auch mit väterlichem Beistand, die Sex-Affäre zu überstehen, setzte sich für ihn als Weltfußballer ein („Wenn er es nicht wird, ist das eine Riesensauerei!“). „Er hat mir geholfen, als es mir nicht gut ging, ist eine sehr wichtige Person in meinem Leben“, sagt Ribéry: „Hätte ich nicht schon einen Vater, würde ich mir Uli Hoeneß als Papa wünschen.“

Robben: Held dank Hoeneß

Nicht wenige Bayern-Fans hätten Arjen Robben (Foto oben) 2012 nach der Triple-Vize-Saison zum Teufel gejagt – wegen der verschossenen Elfmeter. Nicht so Hoeneß: „Er ist einer der besten Profis, die wir je im Verein hatten – und deswegen wird er immer bei uns bleiben“, sagte der, als Anti-Robben-Stimmung aufkam. Der dankte es ihm ein Jahr später – mit dem Siegtor von Wembley. Robben, der Hoeneß jetzt ausdrücklich weiter „Präsident und nicht Ex-Präsident“ nennt, meint: „Er ist und bleibt für immer der Mr. FC Bayern. Er ist einer von uns, er gehört zu uns.“

Alaba: Liebling des Präsidenten

Wie gern Hoeneß den Österreicher (Foto unten) hat, kam 2012 auf der Jahreshauptversammlung durch, als er erzählte, wie er Alaba auf einen nächtlichen Ausflug mit Ribéry angesprochen hatte. Hoeneß schilderte das Gespräch detailliert und schmunzelte breit, als er Alabas Antwort preisgab: „Da muss der Franck mit einem anderen Schwarzen unterwegs gewesen sein.“ Frech! Aber eben so, dass man nicht böse sein kann. Hoeneß damals zufrieden: „So stelle ich mir den FC Bayern vor. Ich hoffe, dass es so bleibt.“

Kroos: Von Uli protegiert

 „Den Freistoß werden wir zwei auch noch schaffen, oder?“ So wies Hoeneß 2007 Journalisten zurecht, die das 3:2-Siegtor des damals erst 17-Jährigen (oben im Bild) in Belgrad abfeiern wollten. Hoeneß hatte früh ein wachsames Auge auf das Megatalent, setzte Scholl als Aufpasser ein. Zuckerbrot und Peitsche: Mal versprach er ihm die Nummer 10, dann holte er ihn wieder vom Himmel runter. Als Kroos 2009 unter Klinsmann zu stagnieren drohte, nickte Hoeneß ein Leihgeschäft mit Leverkusen ab – ohne Kaufoption. Kroos ging als Junge und kam 2011 als Mann zurück.

Martínez: Millionen-Risiko

Beim spanischen Defensivspezialisten sprang Hoeneß 2012 extra für Martínez-Fürsprecher Heynckes über sein knauseriges Präsidenten-Ich, überzeugte den Aufsichtsrat und legte schließlich für einen damals relativ unbekannten Spieler 40 Millionen Euro auf den Tisch – bis heute Bayerns Rekordsumme. Das Risiko lohnte sich: Mit Javi Martínez holte Bayern die Titel, die man zuvor nicht gewinnen konnte.

Neuer: Es gibt koan Besseren

Schon die erste Begegnung: eine witzige Anekdote. Neuer besuchte 2009 mit seiner Freundin Kathrin das Ostiner Waldfest in Gmund, Hoeneß („Meine Frau wollte ein Hendl essen“) saß zufällig zwei Tische weiter, man smalltalkte. Zwei Jahre später gab Neuer seinen Wechsel zu Bayern bekannt, was beim Pokal-Halbfinale gegen Schalke Fanproteste („Koan Neuer“, Foto oben) nach sich zog. Hoeneß entschuldigte sich in der Kabine bei Neuer, empörte sich: „Das ist nicht mein FC Bayern! Neuer hat uns überhaupt nichts getan, außer der beste Torwart der Welt zu sein.“

Lahm: Die Kopf-Beziehung

Wann immer Philipp Lahm (Foto oben), meist ein besonnener Redner, öffentlich kritisierte, bekam er von Hoeneß einen auf den Deckel – so wie 2010, als der Kapitän sein berüchtigtes Interview gab, der Führung darin Richtungslosigkeit vorwarf und 50<TH>000 Euro Strafe zahlen musste. Herzlich war ihr Verhältnis nie, mehr Kopf- als Herzsache, aber stets von Respekt geprägt. Intern schätzte Hoeneß Lahms Meinung wie keine zweite. Und auf die Frage, wer in 20 Jahren Bayern leite, nannte Hoeneß Lahm immer zuerst.

Schweinsteiger: Balance dank Uli

 Das tiefgründigste Verhältnis hat Hoeneß zu Schweinsteiger, der ihm im Mai 2013, als er schon am Pranger stand, den Champions-League-Pokal in die Hand drückte (siehe unten). Motto: hier, deins! Legendär Hoeneß’ Satz 2007: „Dem Schweini haben zu viele Leute Puderzucker in den Hintern geblasen, den klopfe ich nun wieder raus.“ Hoeneß sorgte immer dafür, dass der Vize-Kapitän die Balance hielt, stand ihm auch oftmals als Berater zur Seite. Prügelte die Welt auf den Spieler ein, stellte sich Hoeneß schützend vor ihn. Kurzum: Der Präsident hatte viel Anteil daran, dass Schweinsteiger stets bei Bayern blieb. Dass der sein Tor gegen Arsenal zuletzt öffentlich Hoeneß widmete, sagt alles.

 

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