Bayern-SPD-Wahl Christian Ude: "Warum ich Kohnen nicht gewählt habe"

Clemens Hagen.
Damals noch Seite an Seite: SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen und Christian Ude, der damalige Spitzenkandidat, 2013 vor dem Schmied-von-Kochel-Denkmal in Kochel am See. Foto: dpa

Der Münchner Alt-OB verrät in der AZ, dass er bei der Mitgliederbefragung der Bayern-SPD für Konkurrent Florian von Brunn gestimmt hat. Außerdem gibt es heftige Kritik am Führungsstil der Generalsekretärin.

München - Es rumort gewaltig in der Bayern-SPD: Noch läuft die Mitgliederbefragung, die nach dem Verzicht des langjährigen Parteivorsitzenden Florian Pronold auf eine weitere Amtszeit Auskunft über dessen Nachfolge geben soll, da formiert sich prominenter Widerstand gegen die Favoritin auf den Landesvorsitz, die bisherige Generalsekretärin Natascha Kohnen.

Christian Ude, Münchens Oberbürgermeister von 1993 bis 2014 und SPD-Spitzenkandidat bei der letzten Landtagswahl, sagte zur AZ: "Meine Frau und ich haben für Florian von Brunn gestimmt. Es war eine sehr klare Entscheidung." Der Münchner von Brunn ist Landtagsabgeordneter und einer von fünf Gegenkandidaten von Natascha Kohnen bei der Mitgliederbefragung – nach Einschätzung von Experten derjenige mit den größten Chancen neben Kohnen.

Bei der Sonntagsfrage kommt die SPD nur auf mickrige 14 Prozent

Warum Alt-OB Ude nicht auf der Seite von Kohnen steht, die bereits seit 2009 Generalsekretärin ist, erklärt er so: "Natascha Kohnen ist ohne Frage eine sehr sympathische Frau. Für eine unterstützenswerte Kandidatur spricht aber nicht, wenn man über andere schlecht redet. Als Generalsekretärin konnte sie lange tun, was sie wollte. Sie steht nicht unbedingt dafür, dass alles anders wird." Hingegen sagt Ude über Kohnens aussichtsreichsten Gegenkandidaten: "Bei Florian von Brunn haben mich seine Arbeit im Umweltschutz, in sozialen Fragen und im Kampf gegen Rechts überzeugt. Er ist ein Politiker, der mit offenem Visier kämpft, dabei aber stets auch menschlich auftritt. Er tut, was er sagt."

Dass sich innerhalb der Bayern-SPD einiges ändern muss, verdeutlicht ein Blick auf den aktuellen Wahltrend: Bei der Sonntagfrage des Bayerischen Rundfunks ("Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Landtagswahl wäre?") kamen die Sozialdemokraten im Januar 2017 gerade einmal auf mickrige 14 Prozent – über sechs Prozent weniger als das ebenfalls nicht gerade glänzende Ergebnis, das Ude 2013 einfuhr (20,6 Prozent).

In der Partei macht sich verständlicherweise eine gewisse Dringlichkeit bemerkbar, zumal die Bundes-SPD gerade gewaltig vom Martin-Schulz-Effekt beflügelt wird. Ein Umfrage-Boom, von dem auch die Genossen im Freistaat profitieren möchten.

Es wird wohl auf eine Stichwahl hinauslaufen

Dass dies mit der bisherigen Generalsekretärin gelingen kann, bezweifeln viele in der Partei. Denn auch an Kohnens Führungsstil gibt es Kritik. Nach AZ-Informationen soll die Inhaberin eines Münchner Redaktionsbüros ihrem Hauptkonkurrenten Florian von Brunn bereits vor der Verzichtserklärung des noch amtierenden Bayern-SPD-Chefs Pronold in einem Telefongespräch den Posten des Generalsekretärs angeboten haben – für den Fall, dass sie selbst Parteivorsitzende werden sollte, versteht sich. Aus dem Umfeld von Brunn heißt es dazu, dass er den Vorgang offiziell weder bestätigen noch dementieren wolle, da in dem Telefonat mit Kohnen Stillschweigen vereinbart worden sei.

Für Christian Ude ist klar: "Natascha Kohnen wird bei der Mitgliederbefragung trotzdem die Nase vorn haben, dann kommt es zu einer Stichwahl, dann muss man sehen." Sein Fazit über die lange Amtszeit der noch amtierenden Bayern-SPD-Spitze: "Es gab sie lange als Team. Ich hätte mir oft gewünscht, dass es kraftvoller gewesen wäre."

 

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