Bayern Sex-Pfarrer von Garching: Von Ratzinger nach Bayern geholt

Pfarrer Peter H. - Ausschnitt aus einem Foto auf der Internetseite www.pfarrverband-garching-alz.de. Der dazugehörige Bericht beschreibt das Kirchenjubiläum im Jahr 2009. Foto: az

MÜNCHEN - Ein katholischer Pfarrer wird trotz Verurteilung wegen Missbrauchs in der Seelsorge in Garching/Alz eingesetzt. Sein Nachfolger macht das zum Thema seiner Sonntagspredigt – und vernebelt Tatsachen

 

"Der Gottesdienst ist nicht der Ort, um einen Menschen zu kreuzigen“, stellt Pfarrer Günter Eckl in seiner Predigt fest. Deswegen will er den Gläubigen in der vollbesetzten Herz-Jesu-Kirche in Garching an der Alz die Erklärung des Erzbistums München und Freising nicht vorlesen. Darin geht es es um ihren früheren Pfarrer. Peter H. (62) leitete 21 Jahre die katholische Gemeinde, obwohl er vorher wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt worden war.

Vor zwei Jahren wurde der Priester versetzt, als Tourismuspfarrer in einen anderen Ort in Oberbayern. Warum er gehen musste, konnte sich die Gemeinde Garching im Landkreis Altötting nicht erklären. Es gab Tränen zum Abschied von ihrem „Priester zum Anfassen“ – ein Titel, der im Nachhinein übel klingt.

„Ein auf Wunsch des neuen Erzbischofs Reinhard Marx erstelltes forensisches Gutachten rechtfertigte aus Sicht des Ordinariats nicht den Verbleib von H. in der Pfarrseelsorge“, heißt es auf der Homepage des Erzbistums. Peter H. war 1980 auf Bitten des Erzbistums Essen in München aufgenommen worden. Er sollte eine Therapie machen. Warum, das war auch dem früheren Erzbischof Joseph Ratzinger, heute Papst Benedikt XVI., bekannt. Peter H. soll sich an Buben vergriffen haben. Laut einer eidesstattlichen Erklärung eines damals Elfjährigen hatte Peter H. die Kinder zum Oralsex gezwungen. Während der Therapie sollte er in einem Pfarrhaus untergebracht werden.

Diesen Beschluss fasste Ratzinger mit. Was er nicht wusste: Generalvikar Gerhard Gruber setzte den Kinderschänder als Seelsorger in einer Münchner Pfarrei ein. Von 1982 bis Anfang 1985 war der heute 62-jährige Priester in Grafing. Bis die Polizei kam. Das Amtsgericht Ebersberg verurteilte ihn zu 18 Monaten Gefängnis. Die Bewährungszeit sei auf fünf Jahre festgesetzt worden, teilte das Ordinariat am Samstag mit, die Geldstrafe betrug 4000 Euro. Die Auflage: eine Psychotherapie. Ein Jahr lang arbeitete Peter H. im Altersheim, bis er wieder in der Pfarrseelsorge in Garching eingesetzt wurde.

Der heutige Pfarrer Günter Eckl erwähnte seinen Vorgänger am Sonntag nicht mit dem Namen, sprach nur davon, dass auch seine Gemeinde keine Ausnahme in Sachen Missbrauch ist. „Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet“, rief er seinen Schäflein in der Herz-Jesu-Kirche zu. „Ich bitte den lieben Gott, mich anzunehmen mit meinen Schwächen und meiner Schuld.“ Zum Gedenken an alle Opfer von Missbrauch und Gewalt, bei denen sich Eckl im Namen der katholischen Kirche entschuldigte, gab es in der weihrauch-vernebelten Herz-Jesu-Kirche einen Moment der Stille – nur die große Glocke läutete.

An die große Glocke wurde die Schuld des früheren Pfarrers nicht gehängt. Die meisten Gläubigen gestern begriffen gar nicht, dass es in der Predigt um Peter H. ging. Und sie wollten es nach der Messe auch nicht recht glauben. „Jeder macht mal einen Fehler“, kommentierte ein junger Kirchgänger die Nachricht. Gerüchte habe es schon gegeben, erinnert sich ein 73-jähriger Garchinger, der jeden Sonntag in den Gottesdienst geht. „Aber das ist schon über zehn Jahre her. Dazu habe H. damals sogar gepredigt. „Und da hat er gesagt, dass da nix dran ist.“ Wenn’s der Pfarrer so sagt, wird es schon stimmen.

Barbara Brießmann

 

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