Bayern-Präsident begeistert Uli Hoeneß: "Da wächst etwas zusammen"

Schon so gut wie sicher im Viertelfinale der Champions League: Die Bayern feiern das 5:1 gegen den FC Arsenal. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Nach dem rauschhaften 5:1 gegen den FC Arsenal sind die Bosse voll des Lobes, die Spieler von ihrer Leistung überrascht. Und der Plan von Trainer Carlo Ancelotti scheint aufzugehen. "Ein Abend zum Genießen", sagt Uli Hoeneß.

 

München - Die Wahrscheinlichkeitsrechnung, basierend auf allen Europacup-Ergebnissen der Historie, besagt nach Bayerns 5:1 gegen den FC Arsenal im Achtelfinal-Hinspiel: Sie sind zu 99 Prozent weiter. Damit kann man leben. Und planen. Im April steigt das Viertelfinale.

Vielleicht haben sich die Bayern bis dahin entschlüsselt. Wer sind wir? Und wie gut sind wir eigentlich? Denn während das furiose 5:1 aus Sicht der Londoner ein "Albtraum" war, so der aschfahle Gäste-Trainer Arsène Wenger, wurde die Partie für die Münchner zum wundersamen Aha-Erlebnis.

Bis auf den Sekundenschlaf nach dem Elfmeter von Alexis Sánchez, der seine eigene Nachschusschance versenkte, herrschten die Bayern, sie erdrückten ihren Gegner mit Wucht und Dominanz. Vor allem der zehnminütige Rausch samt der drei Treffer, mit denen man ab der 54. Minute von 1:1 auf 4:1 stellte, erinnerte an die vergangene Saison.

Ein Flashback, ganz im Stile von Pep Guardiola. Mit einem überragenden Lenker Thiago auf der Zehnerposition, der gegen Arsenal doppelt traf. Noch was Neues: Thiago kann Torschütze. Und so überraschten die Bayern am Mittwoch sich selbst, feierten ihre Treffer mit Adrenalin-geschwängerter Erleichterung.

Als hätten sie es selbst nach erfolgreichen, aber doch zähen fünf Partien mit vier Siegen im Jahr 2017 nicht geglaubt. 2:1, 2:1, 1:1, 1:0 und am letzten Samstag ein spätes wie glückliches 2:0 in der Nachspielzeit bei Abstiegskandidat Ingolstadt. Italienische Ergebnisse, verantwortet von einem italienischen Trainer.

Carlo Ancelotti, ein Pragmatiker, aber eben sehr erfolgreicher Pragmatiker, hatte betont, Fußball sei "nicht nur Ästhetik. Fußball ist Ergebnis, Taktik, Leidenschaft, Haltung". Gegen Arsenal explodierte sein Team. Für Uli Hoeneß ist Ancelotti ein "fantastischer Trainer", der es schaffe, "aus einzelnen Spielern eine Mannschaft zu machen".

Auf der Vip-Tribüne busselte der Präsident seine Frau Susi vor Glück ab, und weil er "noch ein Glas getrunken hatte", musste sie den Wagen nach Hause Richtung Tegernsee steuern. Die Erleichterung im Bayern-Lager war tags darauf spürbar. Geht ja doch! Die Spieler zeigten sich beinahe verwundert: Huch - sind wir aber gut!

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Angesprochen auf den beträchtlichen Leistungsunterschied zu den vorherigen Wochen sagte Arjen Robben, der Schütze des Zuckertreffers zur 1:0-Führung: "Ich bin auch überrascht, dass es so gut war." Überrascht? Diese Steigerung hätte der Routinier nicht für möglich gehalten. "Wir haben eine Riesen-Mentalität und einen großen Charakter."

Kapitän Philipp Lahm sprach: "Die Mannschaft weiß auch, wann es drauf ankommt.“ Da muss Ancelotti nur noch für das Feintuning sorgen. Auch Thiago sah "eine Leistung, die man so nicht erwarten konnte".

Ancelotti erhöhte die Intensität

Aber warum nicht? Weil die Mannschaft den vorsichtigeren Stil von Ancelotti im Vergleich zu Vorgänger Guardiola (schon zu sehr) verinnerlicht hatte? Anfang der Saison freuten sich die Profis über die neu gewonnenen Freiheiten, weil es Ancelotti als guter Onkel der Truppe im Training auch mal etwas ruhiger angehen ließ.

Ständig unter Strom zu trainieren und zu spielen wie zu Pep-Zeiten, hatte das Team geistig müde gemacht. Sie konnten plötzlich etwas loslassen, durchschnaufen, verloren jedoch den Zug und die rechte Spannung. Was auch die Bosse bemerkten. Ab dem Trainingslager in Doha erhöhte Ancelotti die Intensität, sein Coaching mit Blick auf die wichtigen Monate Februar, März, April scheint aufzugehen.

Auch am Donnerstag war Hoeneß immer noch "begeistert". Sein Fazit: "Ein Abend zum Genießen. Ich war schon in Ingolstadt in der Kabine und hatte das Gefühl, dass da was zusammenwächst. Unsere Mannschaft kann begeisternden Fußball spielen, wenn es darauf ankommt."

Darum geht's doch - va bene, würde Carlo sagen.

 

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