Bayern Passionsspiele: Jessas! Jesus hat Geldnot

Illustration Foto: Christian Czech

Noch 46 Tage bis zur Premiere: Passions-Countdown in Oberammergau: Weil die Amis schwächeln, gibt’s wieder Karten – und die Bürger kämpfen für ihr Pleite-Bad.

 

OBERAMMERGAU Noch 46 Tage bis zur Premiere der Passionsspiele am 15. Mai in Oberammergau – jetzt gibt’s die ersten Fotos von Jesus und Judas im vollen Ornat. Aber auch die Finanzprobleme des Ortes werden immer sichtbarer. Die Bürger der verschuldeten Gemeinde haben am Sonntag bei einem Bürgerentscheid gegen die Schließung des Schwimmbads gestimmt. Zu allem Überfluss schwächeln die Amerikaner, zehntausende Arrangements sind nicht verkauft. Ab 1. April gibt’s wieder Einzelkarten – die eigentlich schon mal vergriffen waren.

Wie gewohnt soll die Passion das Dorf sanieren. 23 Millionen Schulden hat der 5000-Seelen-Ort, der in den goldenen 70er und 80er Jahren viel Geld in touristische Infrastruktur gesteckt hat. Die Folge: 1,1 Millionen Euro Defizit macht allein das veraltete Schwimmbad „Wellenberg“ im Jahr. Die Gemeinde wollte es schließen, die Bürger haben mit 71,5 Prozent beim Bürgerentscheid dagegen gestimmt. Der zuständige Werkleiter Alfons Gerl sagt: „Das ist typisch für den Nicht-Veränderungs-Willen hier.“ Jetzt muss an anderer Stelle gespart werden. Trifft es das riesige Gemeindezentrum Ammergauer Haus? Den Kolbenlift? Das Museum?

Die Passion war einst eine Gelddruckmaschine, jetzt kann sie es nicht mehr richten: Für Christian Stückls Gesamtbudget von über 32 Millionen hat der Freistaat eine Bürgschaft von 10 Millionen zur Verfügung gestellt, 28 Millionen Erlös erhofft sich die Gemeinde. Die Tickets kosten zwischen 49,50 und 165 Euro, die Arrangements sind deutlich teurer. In der mittleren Preisklasse zahlt eine Person für Show, Verpflegung und eine Übernachtung 325 Euro. Natürlich ohne Anreise.

Bis zu 50 Prozent der 500000 Besucher waren bislang Amerikaner, viele buchten Arrangements: „Wir haben eine Rückgabequote von sieben bis acht Prozent“, sagt Verkaufsleiter Werner Herrlinger. Über 25000 von 319000 Arrangements konnten nicht verkauft werden, die Karten gehen in den Einzelverkauf. Doch „völlig ausgeschlossen“, so Herrlinger, ist eine Senkung der Karten-Preise. Sonst könnten zwei Pilger im Passionstheater nebeneinander sitzen und feststellen: Der eine zahlt für die Kreuzigung voll, der andere hat sie zum Last-Minute-Tarif gekriegt.

Derzeit laufen im Passionstheater die Fotosessions für den Bildband – den gibt’s als Souvenir. Kostenpunkt: 29,90 Euro.Katharina Rieger

 

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