Drama in Dachauer Straße Mordprozess um tödlichen Brand: Witwe (36) sagt aus

2. November 2016: Einsatzkräfte der Feuerwehr vor der Brandwohnung in der Dachauerstraße. Foto: Tobias Hase/dpa

Drei Menschen sterben, als es im November 2016 in einem Münchner Mietshaus brennt. Das Feuer soll ein 43-Jähriger gelegt haben, er ist wegen Mordes angeklagt. Die Witwe und Mutter der beiden gestorbenen Mädchen sagt am Dienstag als Zeugin aus.

München  - Am Abend hatte sie noch mit ihrem Mann gesprochen. Er habe sich nach ihrem kranken Vater erkundigt, erzählt die 36 Jahre alte Frau vor Gericht. Auch mit ihren beiden Töchtern habe sie via Internet geredet. Am nächsten Morgen waren alle drei tot - ihr 37-jähriger Mann und die 9 und 16 Jahre alten Mädchen. Dann kann die Frau die Tränen nicht halten, sie bittet um eine Pause und die Sitzung wird unterbrochen. Sie will aufstehen und an die frische Luft gehen - doch ihre Beine geben nach.

Es geht am Dienstag vor dem Landgericht München I um einen Brand in einem großen Mietshaus in München im November 2016. Ein 43-Jähriger ist angeklagt, das Feuer gelegt zu haben, das die Familie der 36-Jährigen das Leben gekostet hat. Die Anklage lautet auf Mord in drei tateinheitlichen Fällen. Die Frau selbst hatte sich zu dem Tatpunkt bei ihren Angehörigen in Bulgarien aufgehalten, war schwanger. Auch jetzt lebt sie wieder in Bulgarien. Um als Zeugin auszusagen, ist sie zurück nach Deutschland gekommen.

Wegen Nachbarschaftsstreit Matratze angezündet?

Am frühen Morgen des 2. November 2016 hatte es in der Dachauer Straße nahe dem Münchner Hauptbahnhof gebrannt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 43-Jährigen mit libyscher und tunesischer Staatsangehörigkeit vor, aus Ärger über seine Nachbarn und die Unordnung im Haus spontan eine Matratze angezündet und das Feuer gelegt zu haben.

Beim Prozessauftakt vergangene Woche hatte der Angeklagte zu den Vorwürfen geschwiegen. Er bestreite die Tat, sagte sein Verteidiger. Der 43-Jährige studierte Zoologe lebte nach eigenen Angaben seit 2005 in München, war nach der Scheidung von seiner Frau in die Landeshauptstadt gezogen. Er habe im Haus nie Probleme gehabt, sagte der Angeklagte vor Gericht.

Am zweiten Prozesstag sagen zunächst mehrere Polizisten als Zeugen aus. Ein Brandfahnder etwa schildert die Situation im Haus im Haus in der Brandnacht und am nächsten Morgen. Im Zwischengeschoss zwischen dem zweiten und dritten Obergeschoss habe sich ein Lattenrost befunden. Es habe aber keine konkreten Hinweise darauf gegeben, ob die Matratze fahrlässig oder vorsätzlich in Brand gesetzt wurde. Im Treppenhaus sei der Putz an den Wänden durch die Hitze abgeplatzt. Im fünften Stock, wo die Familie aus Bulgarien wohnte, hätten die drei Leichen gelegen.

Nach der Verhaftung blieb er gefasst

Der Verdacht hatte damals bald auf Brandstiftung gelautet. Ein Kriminalbeamter schildert am Dienstag, dass der 43-Jährige nach seiner Verhaftung im März 2017 einen gefassten Eindruck gemacht habe und gesprächsbereit gewesen sei. "Er sagte, er sei ein gläubiger Mensch, ein Moslem, und würde regelmäßig beten", sagte der Zeuge. Die Verhaftung habe der 43-Jährige als "Prüfung vor Gott" bezeichnet.

Handfeste Beweise gebe es aber nicht - es werde wohl ein reiner Indizienprozess, sagte Verteidiger Walter Lechner im Vorfeld. Am kommenden Donnerstag soll der Prozess fortgesetzt werden.

 

2 Kommentare

Kommentieren

  1. null