Bayern Mord unter Bestattern: Wo ist die Leiche?

Michael S. (l.) und Friedrich P. vor Gericht Foto: dpa

NÜRNBERG - Fritz P. (54) und Michael S. (54) sollen ihren Kollegen Erwin W. (†43) bestialisch ermordet und eingeäschert haben. Zu Prozessbeginn gesteht der eine Angeklagte, der andere leugnet das Ganze ab.

 

Ein spektakulärer Mordprozess: Zwei Bestatter sollen ihren Kollegen Erwin W. (†43) derart perfekt in seinem ehemals eigenen Institut in Erlangen-Büchenbach umgebracht haben, dass kein Stäubchen seiner Leiche gefunden wurde.

Fritz P. (54), einer der beiden Angeklagten vor dem Nürnberger Schwurgericht, gestand gestern die Bluttat. Doch Michael S. (54), der ihn dazu angestiftet haben soll, gab über seine Verteidigerin Madeleine Adler bekannt: „Der Mann lebt, er ist von Zeugen in den USA, Kanada oder Kroatien gesehen worden.“ Fritz P. belaste ihn zu Unrecht aus Rache und Wut, „weil er nichts mehr zu verlieren hat“.

Die Vorgeschichte: Der geschiedene Bestatter Erwin W. (†43), Vater von zwei Kindern, hatte 2005 seinen Betrieb in Erlangen-Büchenbach an Michael S. für 72000 Euro verkauft, weil er sich die Welt ansehen wollte. Da er aber das Geld nicht erhielt, kam es am Ostersamstag, 7. April 2007, um 14 Uhr zum Treffen mit Michael S. Der befürchtete, dass W zur Polizei geht. Als deshalb, wie vereinbart, Michael S. im lautstarken Gespräch kurz nickte, schlich sich Komplize Fritz P. von hinten mit einem Kantholz an Erwin W. heran und spaltete ihm mit einem Schlag den Schädel, dass das Gehirn herausspritzte, wie es der Angeklagte schilderte.

Leiche wurde verbrannt

Die Leiche habe man Tage später unter dem Namen eines verstorbenen Erlanger Rentners (†68) im Krematorium von Fürstenzell bei Passau verbrennen lassen. Die des Rentners ging in Baden- Württemberg in Flammen auf. Die Asche des Ex-Bestatters kippte Fritz P. dann in die Regnitz. „Der Erwin schwimmt jetzt bestimmt schon in der Nordsee“, soll Michael S. mal geäußert haben.

Es wäre das perfekte Verbrechen gewesen, hätte er nicht beide Krematoriums-Quittungen (je 1400 Euro) zwecks Steuerminderung aufgehoben. Ein Jahr später fand sie die Kripo bei einer Durchsuchungsaktion. Und wunderte sich: Ein Mann, der zweimal verbrannt wurde ..?

Da liefen gegen der Erlanger Michael S. bereits Ermittlungen wegen Betrügereien. Als sein Mitarbeiter Fritz P. vernommen wurde, plauderte dieser den Mord aus, stellte die Tötung sogar in einem Polizei-Video nach.

Warum hatte er bei dem Verbrechen mitgemacht?

Ich war in den Klauen von Mike“, sagte er gestern. Fritz P., der in Aschbach bei Geiselwind ein lukratives Bestattungsinstitut seiner Familie betrieb („Das gab’s seit über 100 Jahren“), hatte sich bei finanziellen Transaktionen in Millionenhöhe verhoben. Mit Michael S. wollte er ein privates Krematorium bauen – am Schluss war er pleite und finanziell von dem Erlanger völlig abhängig.

"Mein Leben war ein Haufen Scheiße"

„Mein Leben war ein Haufen Scheiße“, sagte Fritz P. gestern und bot der Familie des Getöteten seine Entschuldigung an.

Der zehntägige Prozess geht am Donnerstag weiter.

C. Schamel

 

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