Bayern Missbrauch verjährt:Ermittlungen gegen Priester eingestellt

Symbolbild: Die Staatsanwaltschaft Würzburg klagt einen Priester wegen schwerer Untreue an Foto: dpa

WÜRZBURG - Die Staatsanwaltschaft Würzburg hat ihre Ermittlungen gegen einen katholischen Priester wegen sexuellenMissbrauchs von Kindern eingestellt. Die ihm zur Last gelegten neun Übergriffe auf vier Kinder in den 60er und 70er Jahren seien verjährt.

 

Die Staatsanwaltschaft Würzburg hat ihreErmittlungen gegen einen katholischen Priester wegen sexuellenMissbrauchs von Kindern eingestellt. Die ihm zur Last gelegten neunÜbergriffe auf vier Kinder in den 60er und 70er Jahren in einemBonner Internat des Ordens der Franziskaner-Minoriten seien verjährt,sagte Oberstaatsanwalt Burkhard Pöpperl am Donnerstag und bestätigteeinen entsprechenden Bericht der „Main-Post“.

Bei anderen angeblichen Vorfällen – tätliche Beleidigungen undNötigungen in den 80er und 90er Jahren in Würzburg – sei ebenfallsdie Verjährungsfrist überschritten oder sie seien wegen einesfehlenden Tatnachweises nicht verfolgbar, erläuterte Pöpperl.

Der 76-Jährige hatte sich zu den meisten Vorwürfen nicht geäußert,einige hatte er abgestritten. Der Priester lebt in einem WürzburgerFranziskanerkloster und war bis Februar unter anderem in derJugendarbeit des Bistums tätig. Bischof Friedhelm Hofmann hatte denMann aber nach Bekanntwerden der Vorwürfe beurlaubt.

Ende der 70er Jahre war der Franziskaner-Minorit von Bonn nachWürzburg gekommen und hatte dort seither mit Kindern und Jugendlichengearbeitet – unter anderem als Diözesankaplan der KatholischenStudierenden Jugend und als Geistlicher Begleiter des OrtsverbandsWürzburg der Deutschen Jugendkraft.

Wie Pöpperl sagte, gab es auch Vorwürfe, der Mann habe 1999 und inder Zeit zwischen 2003 und 2007 zwei erwachsene Frauen in Würzburgund Nürnberg sexuell genötigt. So soll er von den Betroffenen Küsseeingefordert und seine Hand auf deren Knie gelegt haben. Pöpperlbezeichnete die Vorfälle als Grenzüberschreitungen, die gerade voneinem Priester unangemessen seien. Sexuelle Nötigung sei dies abernicht gewesen.

Unklar ist bislang, was nun mit dem Pater geschehen wird. Fürkirchenrechtliche Sanktionen ist der Orden der Franziskaner-Minoritenzuständig. Fest steht schon, dass der Pater nicht mehr in dieJugendarbeit zurückkehren wird.

„Die Frage der Verjährung stellt sich im moralischen Bereichanders als im juristischen“, sagte Bistumssprecher BernhardSchweßinger. Eine entscheidende Rolle bei der Bewertung der Vorwürfespielten die Aussagen der Betroffenen gegenüber der Diözese Würzburgund den Franziskaner-Minoriten.

dpa

 

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