Bayern Kohlenmonoxid-Vergiftung: Tödliches Grillfest

Zwei Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens schieben am Samstag in Freising einen Sarg in ihr Fahrzeug Foto: dpaFac

FREISING - Eine Familie aus Freising holt einen Behälter mit glühender Kohle in die Wohnung. Am Neujahrsmorgen wachen der Vater (43) und die Tochter (10) nicht mehr auf

 

Sie hatten schön Silvester gefeiert. Ein Familienfest – ihr letztes. Vater, Mutter und drei Kinder im Alter von 14, zehn und zwei Jahren: Nie mehr werden sie beisammen sitzen können, gemeinsam essen, trinken, lachen.

Sie hatten auf dem Balkon ihrer Wohnung in Freising gegrillt. Tür auf, Tür zu – sicher war es danach kühl in der Wohnung. Vielleicht entstand deshalb die fatale Idee, den Grill samt glühenden Kohlen als Wärmequelle mit nach drinnen zu nehmen. Eine Idee, die schon so oft Menschen das Leben gekostet hat. Doch das wussten die Eltern offenbar nicht.

Irgendwann gingen sie alle schlafen. Erst am späten Vormittag des Neujahrstages bemerkte die 36-jährige Mutter, das etwas nicht stimmte. Ihr Ehemann, ein 43 Jahre alter Lagerist, wachte einfach nicht mehr auf. Und auch ihre zehnjährige Tochter fand sie leblos vor. Die Frau begann zu schreien. Nachbarn hörten ihre verzweifelten Rufe und eilten herbei. Gegen 11.40 Uhr ging der Notruf bei der Rettungsleitstelle Erding ein – doch für das Kind und seinen Vater kam jede Hilfe zu spät. Sie konnten nicht mehr wiederbelebt werden.

Eine Obduktion ergab: Sie starben an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung. Die glühenden Kohlen hatten die Luft in der Wohnung mit dem geruchlosen, hochgiftigen Gas angereichert. Bis eine tödliche Konzentration erreicht war.

Die Mutter und die beiden anderen Kinder kamen in Krankenhäuser, sie befanden sich aber nicht in Lebensgefahr. „Menschen reagieren auf Kohlenmonoxid sehr unterschiedlich“, erklärt ein Polizeisprecher. Deshalb hätten die Frau, ihre 14-jährige Tochter und der zweijährige Sohn auch überlebt. Sie können eventuell schon heute wieder nach Hause – auch wenn dort nichts mehr sein wird wie vor dem Unglück.

Im Jahr 2008 hatte der gleiche Fehler zwei Menschen das Leben gekostet: Damals dachten sich SWR-Moderatorin Miriam Christmann (41) und ihr Lebensgefährte Timo Richter nichts dabei, ihren Grill von der Terrasse ins Haus zu holen. Die beiden erstickten im Schlaf am Kohlenmonoxid (CO).

Wie wirkt das gefährliche Gas? Es lagert sich an den roten Blutfarbstoff an. Damit kann das Hämoglobin keinen Sauerstoff mehr transportieren. Als Folge kommt es bei hohen CO-Konzentrationen zu einem Sauerstoffmangel. Erste Beschwerden: Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Bei steigender Konzentration kommt es zur Bewusstlosigkeit und später zum Tod.J. Lenders

 

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