Bayern-Keeper mit Glanzleistung gegen Gladbach Manuel Neuer: Mr. Perfect!

Eine Klasse für sich: Bayerns Weltmeister Manuel Neuer. Kleine Bilder oben: Links: Jean-Marie Pfaff. Rechts: Sepp Maier. Unten links: Petar Radenkovic und Toni Schumacher. In der Mitte: Oli Kahn. Foto: Rauchensteiner/firo//Augenklick // dpa

Ist Keeper Manuel Neuer, der gegen Gladbach wieder ein paar Unhaltbare parierte, der Beste aller Zeiten? Die AZ zeigt, dass er die ideale Mischung aus Kahn, Pfaff, Maier, Schumacher und Radenkovic ist.

 

München - Manuel Neuer war gut drauf. Wie das eben so ist, wenn man am Ende des Tages weiß, was man getan hat. Der Bayern-Torhüter rettete seiner Mannschaft wenigstens den einen Punkt beim 0:0 im Topspiel bei Borussia Mönchengladbach. „Manu hat gut aufgepasst für uns“, sagte Thomas Müller.

Der letzte Bundesliga-Gegentreffer des 28-Jährigen? Im August (!), beim 1:1 auf Schalke. Sieben Ligaspiele zu Null ergeben insgesamt 658 Minuten ohne Ärgernis. Das bedeutet im ewigen Zu-Null-Ranking der Bundesliga schon Platz fünf. Seinen eigenen Bestwert (771 Minuten in der Debüt-Saison bei Bayern 2011/12) könnte Neuer im übernächsten Spiel bei Eintracht Frankfurt (zwischendrin geht’s am Samstag gegen Borussia Dortmund) überbieten. Zu Rang zwei (Oliver Kahn mit 802 Minuten in der Saison 2002/03) ist es auch nicht mehr weit. Der Ex-Bayern-Torhüter schwärmte nach dem 0:0 in Gladbach bei „Sky“: „Einige Bälle hat er mit einer blitzschnellen Bewegung pariert. Das macht seine Weltklasse aus, dass er so ein Spiel auch einmal entscheiden kann. Das war spitze.“

Auf die Frage, ob der Neuer anno 2014 besser sei als Kahn selbst, antwortete der TV-Experte: „In seinem Alter war ich keineswegs so gut. Ich bin erst mit 30 einigermaßen gut geworden, einigermaßen komplett. Neuer ist schon viel, viel früher besser.“ Seine Schlussfolgerung: „Er ist völlig zu Recht der weltbeste Torwart.“

Neuer, Bayerns Mr. Perfect. Im Januar war er zum Welttorhüter ernannt worden, diese Auszeichnung dürfte ihm nach dem WM-Titel auch Anfang 2015 sicher sein. Geht da sogar mehr? Ukraines Sturm-Legende Andrij Schewtschenko meinte beim englischen Sender „BT Sport“: „Ich würde Neuer den Ballon d’Or (für den Weltfußballer, d. Red.) in diesem Jahr geben. Er war großartig.“ Wenn bei der Fifa-Wahl nicht doch wieder Reals Cristiano Ronaldo gewinnt.

Anti-Tor-Rekordhalter der Liga ist Timo Hildebrand, aktuell Ersatztorhüter in Frankfurt, mit 885 Minuten (2002/03 - 03/04). Fehlen also 227 Minütchen. Am 22. November könnte es gegen Hoffenheim, konkret in Minute 47, soweit sein. Neuer ist wohl der kompletteste Torhüter der deutschen Fußballgeschichte, wenn auch nicht der erfolgreichste.

Was er von fünf Großen seiner Zunft hat, zeigt eine AZ-Übersicht:

Das Können von Kahn: Ihr Weg war ähnlich. Aus der Jugend eines anderen Klubs (Karlsruhe/Schalke) unter Vorbehalten und Anfeindungen zu Bayern. Neuer toppt die Reflexe und die Strafraumbeherrschung von Kahn, arbeitet an seiner Souveränität und Ausstrahlung – allein damit konnte Kahn die Gegner einschüchtern.

Den Ehrgeiz von Schumacher: Der Vize-Weltmeister von 1982 und 1986 arbeitete verbissen an sich, wollte immer mehr. Im Training gab das Kölner Idol keine Ruhe. Neuer freut sich, dass er mit Tom Starke und Neueinkauf Pepe Reina, obwohl beide aktuell verletzt, stark gefordert wird. Konkurrenz belebt die Leistung.

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Die Lockerheit von Pfaff: Der Belgier (1982-88 bei Bayern) verband den Spaß mit der Ernsthaftigkeit des Jobs. Auch Neuer ist immer lockerer geworden, hat hin und wieder einen Flachs drauf. Pfaff lobte kürzlich, ganz im Ernst: „Er kann das Spiel lesen. Der beste Torwart zeigt sich erst, wenn die Mannschaft nicht so gut spielt und er dann das Spiel gewinnt. Das unterscheidet einen guten von einem Weltklasse-Torwart.“

Die Risikobereitschaft von Radenkovic: Die Ausflüge der Löwen-Legende der 60er Jahre waren Kult – und stilprägend. „Es hat mich sehr gefreut zu sehen, dass endlich in Deutschland ein moderner Torwart da ist“, lobte „Radi“ kürzlich in der AZ und sagte über die Spielweise der Weltmeister von Brasilien: „Da steht die Abwehr fast an der Mittellinie. Und Neuer fängt dann die Bälle in die Tiefe ab.“

Den Titelhunger von Maier: Was der Sepp Neuer noch voraus hat: Die Bayern-Ikone wurde Europameister (1972) und gewann den Henkelpott ab 1974 sogar drei Mal. Kann ja noch werden.

 

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