Bayern-Kapitän im Interview Gavel: "Bin ein bisschen besessen"

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Gavel ist der neue Boss. "Ob ich so perfekt für diese Rolle bin, da war ich selber ein bisschen am Zweifeln", sagt er – und verrät: "Es ist schwierig für mich, meine Kinder beim Spielen gewinnen zu lassen"

München - Anton Gavel wechselte 2014 zu den Basketballern des FC Bayern, zu dieser Saison übernimmt der Nationalspieler das Kapitänsamt beim FCBB.

AZ: Herr Gavel, Sie sind zum neuen Kapitän des FC Bayern Basketball ernannt worden. Was bedeutet Ihnen das?
ANTON GAVEL: Mit Ausnahme der slowakischen Nationalmannschaft war ich noch nie Kapitän. Mit Bryce (Taylor; d. Red.) und Casey Jacobsen hatte ich zwei hervorragende Kapitäne. Da habe ich mir viel abgeschaut. Natürlich ist es eine große Ehre, Kapitän des FC Bayern Basketball zu sein. Aber ob ich so perfekt für diese Rolle bin, da war ich selber ein bisschen am Zweifeln. Ich werde versuchen, sie so gut wie möglich auszufüllen. Ich möchte kein Kapitän sein, der nur davon spricht, aber es auf dem Feld nicht bringen kann. Da würde ich mich ein bisschen schämen.

Ihr Coach Sasa Djordjevic lobte Sie in der Vergangenheit häufig als Vorbild für Ihre Mitspieler, als jemanden, der vorangeht und die anderen mitreißt.
Ich muss nicht Kapitän sein, um das zu tun. Das habe ich schon immer gemacht. So war ich immer und werde das auch weiter sein. Da brauche ich keine Kapitänsbinde dazu.

Mit Taylor und Maxi Kleber, der in die NBA zu den Dallas Mavericks gewechselt ist, haben zwei Identifikationsfiguren den Verein verlassen. Gehört es nun auch zu Ihren Aufgaben, diese Lücke wieder zu füllen?
Gerade mit Bryce ist die Identifikationsfigur und auch noch unser Kapitän gegangen. Wenn man so eine Möglichkeit wie Maxi bekommt, sich einen Traum zu erfüllen, muss er das machen. Wir haben uns alle unglaublich für ihn gefreut, auch wenn wir wissen, was wir an ihm verloren haben. Nihad Djedovic und ich sind die beiden dienstältesten Spieler im Team, wollen vorangehen, aber letztlich müssen die Leute entscheiden, mit wem sie sich identifizieren.

Hat Sie Taylors Wechsel ausgerechnet nach Bamberg überrascht?
Bryce hat eine Meisterschaft geholt und ist hier zu einem der besten Spieler in der Liga gereift. Wahrscheinlich wollte er eine neue Herausforderung. Ich habe mich in der Sommerpause in Los Angeles mit ihm getroffen. Ich wünsche ihm das Beste und eine hervorragende Saison. Mit der Einschränkung, dass er mit Bamberg am Ende hinter uns bleibt.

Sie waren im Sommer in L.A., also haben Sie den Basketball ja doch mal aus der Hand gelegt?
Nach der Saison habe ich ein paar Tage nichts gemacht, dann war ich schon wieder regelmäßig in der Halle. Das gehört für mich einfach dazu. Ende Juli habe ich noch mal eine kleine Pause gemacht und meinen ehemaligen Mitspieler Casey Jacobsen zusammen mit meiner Familie in den USA besucht.

Sie gelten also nicht umsonst als basketball- und trainings-besessen.
Ich würde nicht sagen besessen. Obwohl, vielleicht bin ich doch ein bisschen besessen (lacht). Früher war es auf jeden Fall extremer. Wenn man älter wird, die Spritzigkeit vielleicht ein bisschen fehlt oder man ein paar Wehwehchen hat, muss man eben ein bisschen nachlegen.

Sind Sie privat genauso ehrgeizig?
Leider ja. Es ist schon schwierig für mich, meine Kinder beim Spielen gewinnen zu lassen. Beim Mensch ärgere dich nicht, Monopoly oder Uno stecke ich dann schon mal zurück – aber eigentlich ungern. (lacht)

Haben Sie – bei Ihrem Ehrgeiz – das erneute Halbfinalaus gegen Bamberg schon verarbeitet?
Wir sind jetzt drei Jahre hintereinander immer an Bamberg gescheitert. Verarbeitet haben wir das schon, aber es bleibt natürlich trotzdem irgendwie da. In den letzten beiden Jahren haben wir jeweils 0:3 verloren. 2015 war mehr drin, 2016 und 2017 eher nicht. Wir wollen versuchen, in dieser Saison neu anzugreifen.

Mit einem stärkeren Team als im vergangenen Jahr?
Es ist noch viel zu früh, um abzuschätzen, wie stark wir sein werden. Mit Maxi und Bryce sind zwei Stammkräfte gegangen, die schwer zu ersetzen sind. Trotzdem konnten wir den Kern der Mannschaft zusammenhalten. Und wir haben gute Leute verpflichtet, auch für unsere viel zitierte "Problemzone", die Position des Point Guards, zwei Spieler geholt. Das war schon schlau. Stefan (Jovic; d. Red.) ist der Wunschspieler von unserem Coach und eine absolute Macht auf der Eins. Ich bin froh, dass er da ist, genauso bei Braydon (Hobbs; d. Red.).

Am Samstag (20.30 Uhr) starten Sie in Gießen in die Saison. Nach der EM ist das Team aber erst seit einer Woche vollständig.
Das ist natürlich nicht die beste Situation. Aber bei anderen Teams, wie zum Beispiel Bamberg, ist das auch so, damit muss man klarkommen. Gerade deshalb wird der Saisonstart sehr wichtig. Wir müssen gleich unsere Siege einfahren und dürfen vor allem auswärts nichts liegenlassen.

Wie sehen denn Ihre persönlichen sportlichen Zukunftspläne aus. Ihr Vertrag läuft ja am Ende der Saison aus und Sie werden jetzt 33.
Ich denke noch nicht an die Zukunft und konzentriere mich voll auf die kommende Saison. Das Wichtigste für mich ist, einen Titel zu holen. Das ist uns bis jetzt nicht gelungen. Ich werde alles dafür geben, dass es dieses Jahr klappt.

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