Bayern-Kapitän im Interview Bryce Taylor: "Schröder verliert ein bisschen seine Demut"

Bryce Taylor, der Kapitän der Basketballer des FC Bayern. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Bryce Taylor, Kapitän der Bayern-Basketballer, über die vergangene Saison, seinen Urlaub und was ihn an NBA-Star Schröder stört.

AZ: Herr Taylor, Montag Fan-Fest, Mittwoch interne Abschlussfeier, wie waren die letzten Tage seit der Niederlage gegen Bamberg?

BRYCE TAYLOR: Es war natürlich nicht so eine Feierstimmung wie letztes Jahr, aber immer noch schön. Das Teamessen mit der Geschäftsstelle war nett, wir konnten mal zusammensitzen und reden, das klappt sonst nicht so oft.

Wann fliegen Sie zurück?

Ich war am Freitag zunächst in Berlin zur Beerdigung von Jans (Jagla, d. Red.) Vater. Ich habe ihn ein paar Mal getroffen und er war wirklich nett zu mir, außerdem saß Jan in der Kabine dieses Jahr neben mir, wir haben eine richtig gute Beziehung aufgebaut. Ich wollte seinem Vater die letzte Ehre erweisen. Am Wochenende geht‘s weiter nach Belgrad zum 20. Geburtstag der Agentur, die mich berät. Nächsten Mittwoch fliege ich nach Amerika.

Und dann gehen die Yoga-Stunden los?

Ich gebe dem Körper jetzt erst zwei Wochen Ruhe, dazu rät unser Physiotherapeut. Dann fange ich mit Yoga an. Yassin (Teamkollege Idbihi, d. Red.) hat mir das empfohlen, ihm hat das wirklich geholfen. In den letzten beiden Sommerpausen war ich verletzt, deswegen probiere ich mal etwas anderes aus, um gesund zu bleiben.

Und sonst verbringen Sie Zeit mit der Familie?

Ich habe eine Riesen-Familie, nie ist genug Zeit, alle zu sehen. Ich versuche mir aber Zeit für jeden zu nehmen. Mein Bruder hat mich dieses Jahr besucht, aber meine Schwestern, Eltern und Großeltern konnte ich während des Jahres nicht sehen. Wir stehen uns alle sehr nahe. Ich bin immer das ganze Jahr weg, seit ich 17 bin. Wenn ich heimkomme, freuen sich alle, dass die Familie wieder zusammenkommt.

Haben Sie Heimweh?

Normalerweise nicht, ich liebe Deutschland. Der Lifestyle hier ist super und München ist überhaupt eine der schönsten Städte zum Leben. Manchmal vermisse ich bestimmte Restaurants oder Gerichte, aber inzwischen habe ich kein Heimweh mehr, ich vermisse nur meine Familie.

Helfen die Freunde hier?

Ja, ich habe viele nette Leute kennengelernt, immer durch meine Teamkollegen, besonders durch Steff (Steffen Hamann, d. Red.). Er war lange hier und ist sehr aufgeschlossen. Lucca, Heiko (Staiger und Schaffartzik, d. Red.) und ich sind ein Freundeskreis, dadurch konnte ich coole Leute kennenlernen.

Hamann ist 2014 gegangen, Staiger verlässt den Verein wohl im Sommer. Auch Schaffartziks Vertrag läuft aus. Das könnte also hart für Sie werden...

Wenn sie gehen würden, werde ich sie vermissen. Das sind meine Kumpels, sind wie meine Familie. Aber wir werden immer in Kontakt bleiben, wir schreiben uns. Ich habe hier Beziehungen fürs ganze Leben aufgebaut.

Trainer Svetislav und Geschäftsführer Marko Pesic werden den neuen Kader zusammenstellen. Fragen die da auch den Kapitän?

Bisher nicht, aber apropos, der Trainer hat mich heute Morgen angerufen, wir werden noch sprechen. Sie respektieren meine Meinung, vielleicht fragen sie mich nach einigen Spielern, was ich von ihrem Talent und ihrer Einstellung halte.

Im September spielen einige Ihrer Teamkollegen bei der EM in Berlin mit. Dirk Nowitzki wird spielen, Dennis Schröder auch. Halten Sie zu Deutschland?

Klar, da kenne ich die meisten Spieler gut, einige sind meine Freunde, da bin ich für sie. Aber die Geschichte mit Dennis Schröder und der Eintrittskarte in den Playoffs hat mich geärgert. Er verliert ein bisschen seine Demut. Als junger Kerl muss man bescheiden sein. Du kannst nicht denken, dass dir alle etwas schuldig sind, nur weil du NBA spielst. Keiner schuldet dir etwas. Ich sage nicht, dass er ein schlechter Kerl ist, aber er hätte die Situation anders angehen können.

Er war der deutsche Shootingstar. Ist ihm das vielleicht zu Kopf gestiegen?

Er hat Riesen-Potenzial, wird ein sehr guter NBA-Spieler sein. Aber es ist immer noch nur Basketball. Er soll auf den Boden kommen. Doch er ist jung, in fünf Jahren hätte er sich wohl nicht so benommen.

Beim letzten Spiel war er wieder dabei und Bamberg hat den Titel geholt. Nach dem Spiel haben Sie geweint. Ist die bittere Niederlage zusätzliche Motivation?

Definitiv. Wir werden nächstes Jahr sowas von motiviert sein. Du siehst deine Gegner feiern und willst dieses Gefühl auch haben. Nicht nur das Feiern, es ist Bestätigung für die ganze Arbeit, dann zahlt sie sich aus. Wer immer bei Bayern spielen wird, wird supermotiviert sein, den Titel zurückzuholen.

Durch die Niederlage müssen Sie um den Euroleague-Platz zittern. Wie wichtig ist der?

Wirklich wichtig. Für uns Spieler ist das der Wettbewerb auf höchstem Level, und das ist immer eine großartige Möglichkeit, sich mit den besten Spielern und Trainern zu messen. Aber auch für den Klub ist es ziemlich wichtig, um als FC Bayern Basketball sichtbar zu sein. Ich hoffe auf die Wildcard.

Zum Schluss: Wie steht es um Ihr Deutsch?

Bis zu den Playoffs habe ich zwei Deutsch-Stunden pro Woche genommen und mich verbessert. Die Basics kann ich, aber ich spreche nicht so gerne, da bin ich ein bisschen schüchtern. Ich bin stolz auf meine Ausdrucksweise in meiner Muttersprache, meine Mutter hat mir beigebracht, dass dies wichtig ist. Es ist mir ein bisschen peinlich, dass ich nicht auf dem Level Deutsch sprechen kann. Eine einfach Unterhaltung kann ich führen und wenn ich ein paar Drinks hatte, geht’s leichter (lacht).

Dann führen wir nächstes Jahr ein Interview bei einem gepflegten Bier auf Deutsch.

Warum eigentlich nicht (lacht).

Bryce Taylor, Kapitän der Bayern-Basketballer, über die vergangene Saison, seinen Urlaub und was ihn an NBA-Star Schröder stört.

 

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