Bayern Hollywood in der Oberpfalz: Der Further Drache erwacht

Der neue Drache spuckt während einer Probe des Volksschauspiels "Der Drachenstich". Statt das Ungeheuer bekamen die Bürger einen Porno zu sehen. Foto: dpa

FURTH IM WALD - Er faucht und brüllt, aus den Nüstern schlagen Flammen, am Schluss stirbt er. Der neue Further Roboter-Drache wird an diesem Samstag erstmals kämpfen. Doch bei der ersten Hauptprobe des Drachenstich- Festspiels lief nicht alles glatt, es bleibt noch einiges zu tun.

 

Das älteste Volksschauspiel Deutschlandsist im dritten Jahrtausend angekommen. Der neue Star desmittelalterlichen Fantasy-Spektakels „Der Drachenstich“ in Furth imWald (Landkreis Cham) wird am Samstag (31. Juli) seine Feuertaufehaben und erstmals vor Publikum zum Kampf Drache gegen Ritter in dieArena steigen. Schon die Hauptprobe wurde von einigen hundertSchaulustigen verfolgt. Der Test zeigte: Der 2,3 Millionen Euro teureRoboter ist noch etwas bockig, bis zur Premiere bleibt noch viel zutun.

Neun Jahre lang wurde bei einem Oberpfälzer Elektronikunternehmenunter höchster Geheimhaltung geplant und gebaut. Anfang Julipräsentierten die Schöpfer des Unternehmens aus Zandt dann denHigh-Tech-Drachen, der die kommenden Jahrzehnte die Menschen in Angstund Schrecken versetzen soll. Das grüne Monster ist 16 Meter lang, 5Meter hoch, 10 Tonnen schwer und kann ganz herrlich die Augenverdrehen. Es faucht und brüllt, speit Feuer und Rauch und nach zweiStunden stirbt es – begleitet von einer Blut-Fontäne. Hollywoodkönnte es nicht besser!

Der alte Drache war seit 1974 im Dienst und zum Schluss nachmehreren hundert Toden spürbar altersschwach. Immer wieder musste dasUngeheuer, ein umgebauter Gabelstapler, notoperiert werden, um dienächste Festspiel-Saison zu überstehen. Die vier Bediener des altenDrachens saßen in dem Ungeheuer, beim Nachfolger arbeiten sie vonaußen mit komplizierten Funk-Fernsteuerungen.

„Wir sind jetzt direkt unter dem Publikum, vorher waren wir etwasabgeschottet“, sagt Drachenexperte Thomas Rossmann. Der 34-Jährigeist für das Schreiten, das Gehen, die Rumpfbewegungen und teils auchdie Schwanzbewegungen des Ungeheuers zuständig. Seine Kollegensteuern beispielsweise die Geräuscheffekte oder die Mimik desHauptdarstellers. Mit den bisherigen Tests ist Rossmann zufrieden,auch wenn es noch manche Probleme gibt: „Das muss erst alles zurGewohnheit werden, jeder Tag bringt etwas Neues.“

Der neue Drache hat auch einen Namen: „Tradinno“, eineWortschöpfung aus Tradition und Innovation. Denn das sagenumwobeneSchauspiel um das Töten des bösen Drachens wird in Furth schon seitetwa einem halben Jahrtausend gegeben. Es ist eine Mischung aushistorisch belegten Fakten um den böhmischen Kirchen-Reformer Jan Husam Anfang des 15. Jahrhunderts und die Legende um den 1000 Jahre vorden Toren Furths lebenden Drachen. Dem Publikum wird einactiongeladenes Spiel mit wilden Reiterszenen, Schwertkämpfen undnatürlich einem Flammen spuckenden Untier geboten.

Bisher war der Drache nur beim Finale dabei. Für den neuen wurdedas Stück geändert, damit das Publikum das Fabelwesen schon nachwenigen Minuten zu sehen bekommt. Doch bei der ersten Probe amDienstagabend mag der Drache manchmal nicht so, wie er soll. DasMonstrum bleibt minutenlang stehen, die Systeme haben sich einfachabgeschaltet. Der Regisseur nimmt es mit Humor: „Der neue Kollege istnoch etwas schüchtern, er hat noch nie so viele Leute auf einmalgesehen.“

Längst ist der Drache der wichtigste Botschafter der 9000 Seelengroßen Stadt an der Grenze zu Tschechien. Jedes Jahr kommen tausendeBesucher zu den Festwochen im Sommer, heuer sind bis 15. Augustinsgesamt elf Aufführungen geplant.

Zum Finale des Schauspiels muss der Drache sterben. Er kommtletztmals durch das Stadttor, stellt bedrohlich seine Flügel mitSpannweite von zwölf Metern auf und schlägt erstmal eine ganze Armeein die Flucht. Dann reitet der Recke Udo, gespielt von SebastianDietl, an und schleudert seine Lanze zielsicher der Bestie ins Maul.Nach einem minutenlangen Todeskampf besteigt Udo den Drachen undrammt ihm das Schwert in den Kopf – Furth ist von allen bösen Mächtenbefreit. Dietl ist ganz begeistert von seinem elektronischenMitspieler. „Es ist ein schönes Gefühl“, sagt der 24 Jahre alteDrachentöter. „Es ist sehr aufregend, wenn man den neuen Drachensticht.“

dpa

 

0 Kommentare