Bayern Hakenkreuzfahne auf dem Grab: Neonazi wieder vor Gericht

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MÜNCHEN - Der mehrfach vorbestrafte Neonazi Thomas Wulff steht am Donnerstag wieder vor Gericht. Der 47-Jährige war zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er bei einer Beerdigung eine Hakenkreuzfahne auf den Sarg legte. Wulff legte Berufung ein, jetzt wird der Fall neu verhandelt.

 

Thomas Wulffmuss sich an diesem Donnerstag erneut wegen einerrechtsextremistischen Straftat vor Gericht verantworten. Der47-Jährige hatte bei der Beerdigung eines früheren Neonazi-Funktionärs eine Hakenkreuzfahne ins Grab gelegt. Deswegen war er vorknapp einem Jahr vom Passauer Amtsgericht zu einer Geldstrafeverurteilt worden. Gegen dieses Urteil legten Wulff und dieStaatsanwaltschaft Berufung ein. Daher muss der Fall nun vor demLandgericht Passau neu verhandelt werden.

Wulff ist Mitglied im NPD-Bundesvorstand. Die Berufungsverhandlungwar mehrfach verschoben worden, weil Wulffs Verteidiger, der frühereNPD-Bundesvize Jürgen Rieger, im Herbst kurz vor dem Prozess starb.Rieger hatte im ersten Verfahren Freispruch verlangt, weil dieverbotene Flagge nicht öffentlich gezeigt worden sei. DieAnklagebehörde hatte hingegen eine sechsmonatige Haftstrafe ohneBewährung für Wulff gefordert.

Wulff hatte die Hakenkreuzfahne dem letzten Vorsitzenden der 1995verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei, Friedhelm Busse,ins Grab gelegt. Zu der Beerdigung waren im Juli 2008 etwa 80Rechtsextremisten aus ganz Deutschland nach Passau gekommen. Wulffhatte vor dem Amtsgericht erklärt, dass ihm bei der Trauerfeier zwei„Kameraden“ eine Reichskriegsfahne mit dem Hakenkreuz sowie eineFahne des Deutschen Reiches gegeben hätten, damit er die beidenFlaggen auf dem Sarg drapiert. Erst als die Fahnen im Grab lagen,habe er bemerkt, dass auf der einen ein Hakenkreuz aufgedruckt ist.Die Staatsanwaltschaft hatte nach zwei Tagen das Grab öffnen und diebeiden Fahnen als Beweismittel entfernen lassen, nachdem einJournalist die Aktion am Grab beobachtet und ein Foto gemacht hatte.

Im Umfeld der Beisetzung kam es damals zu heftigenAuseinandersetzungen zwischen einigen Neonazis und der Polizei. DieKrawalle gelten als möglicher Auslöser des nach wie vor ungeklärtenMordanschlags auf den damaligen Passauer Polizeichef Alois Mannichlim Dezember 2008. Bei dem Messerangriff auf Mannichl könnte es sichum einen Racheakt eines Rechtsextremisten handeln.

dpa

 

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