Bayern gewinnt Audi-Cup Guardiola: Es gibt wichtigeres als Meisterschaften

Die Entscheidung: Mario Mandzukic köpft den Ball zum 2:1 ins Tor, Bayern gewinnt den Audi Cup. Jerome Boateng wäre auch noch zur Stelle gewesen. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Der FC Bayern gewinnt den Audi-Cup durch ein 2:1 gegen Manchester City. Guardiola scheint seine erste Elf gefunden zu haben – und überrascht mit der Aussage, dass es um anderes geht als Meisterschaften.

 

München - War sie das schon, die Startelf für die kommende Saison? Hat Pep Guardiola gestern Abend die Mannschaft von Beginn an gebracht, die seinen Vorstellungen am meisten entspricht, die seine Premieren-Saison als Bayern-Trainer prägen soll? Das Triple-Verteidigungs-Team?

Beim 2:1 im Finale des Audi-Cup gegen Manchester City (Treffer durch Müller und Mandzukic) startete Bastian Schweinsteiger auf der Sechser-Position, halbrechts vor ihm Neuzugang Thiago als Achter, daneben Toni Kroos. Dante und Martínez bildeten die Innenverteidigung, bei Flanken in den Strafraum stimmten Abstimmung und Zuordnung noch nicht. Auf den Flügeln Ribéry (links) und Robben (rechts), vorne rannte Müller sich als alleinige Spitze die Hacken wund. Einzig seine Rolle könnte zur Disposition stehen, wenn Mario Götze demnächst wieder fit ist. Nach einer knappen Stunde begannen die Wechselspiele.

Heißt: Von der Triplesieger-Startelf sind erstmal Boateng und Mandzukic raus, auch wenn der in beiden Spielen traf.

Der Ball lief gut und zügig, doch gänzlich zielstrebig war’s nicht. City ging durch Negredo in Führung (61.), Müller glich per Foulelfmeter aus (66.), der eingewechselte Mandzukic traf zum 2:1. Immerhin. So holte Bayern schon Titelchen Nummer drei in der Vorbereitung – allerdings ohne den prestigeträchtigsten, den Supercup. Die Vitrinen füllen sich trotzdem. Dabei hat Guardiola schon am Mittwoch einen ganz zentralen Satz seiner Denke verraten: „Es sind nicht die Titel, die einem Trainer zu Prestige verhelfen.“ Wie jetzt? Bei den Triple-Bayern?

Es ist eine gewisse Verunsicherung zu spüren. Egal, welchen Spieler man in den Tagen des Audi-Cup nach dem neuen Spielsystem fragte, alle spielten sie auf Zeit: Es dauere halt noch ein wenig, bis man verstanden habe und umsetzen könne, was der neue Coach sich so vorstellt. Kapitän Lahm: „Wir sind mitten in der Entwicklung.“ Claudio Pizarro (34) gab zu: „Ich hatte noch nie einen Trainer, der so viel verändert hat.“ Arjen Robben meinte vielsagend: „Man muss den Fußball ja nicht schwieriger machen als er ist.“ Bastian Schweinsteiger sagte, er wisse „nicht so genau“, welche Rolle der Trainer für ihn vorgesehen habe. Gegen City agierte er wieder als Sechser. Recht souverän.

Auf die Frage, ob er das 4-1-4-1-System für Bayern entwickelt habe, sagte Guardiola am Mittwoch: „Systeme sind wie Nummern im Telefonbuch. Sie sind nicht das Wichtigste. Ich bin überrascht, wie sehr die Spieler bereit sind zu lernen und wie viel sie schon umgesetzt haben von dem, was ich will. Das ist mein größtes Glück: dass die von mir lernen wollen.“

So weit, so gut. Doch dann folgte dieser Satz von den ach so unwichtigen Titeln, über den in der Chefetage so manche Stirn gerunzelt werden dürfte. Guardiola legte sogar nach: „Titel sind schön, aber am Ende geht es nur darum, dass die Spieler irgendwann zu dir sagen: ,Trainer, du hast mich echt nach vorne gebracht. Ich habe viel gelernt.' Das ist das größte Glück eines Trainers.“

Das mag aus Guardiolas Sicht ein erstrebenswertes Ziel sein, doch dürfte es sich bis zu ihm herumgesprochen haben, dass man beim Rekordmeister Wert legt auf den ein oder anderen Titel, dass fast so etwas wie ein Titelzwang herrscht. Doch der Alles-Gewinner sagt: „Egal, wie es ausgeht: Ich werde dem FC Bayern immer dankbar sein, dass sie es mir ermöglicht haben, es zumindest zu versuchen.“

Baut da einer vor für den möglichen, aber mäßig wahrscheinlichen Fall des Nicht-Erfolgs? Gestern sagte er in Hinblick auf die neue Saison immerhin: „Ich bin optimistisch. Na klar!“ Na dann.

 

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