Bayern gegen Dortmund Taktik-Analyse zum Champions-League-Finale

Jupp Heynckes und Jürgen Klopp Foto: dpa

Enorm offensive Außenverteidiger, schnelle Spielverlagerung, die individuelle Klasse der einzelnen Spieler: Aus taktischer Sicht verspricht das Finale in London eine Begegnung auf allerhöchstem Niveau zu werden.

München - Enorm offensive Außenverteidiger, schnelle Spielverlagerung: Ausgerechnet zwei der wichtigsten taktischen Elemente von Bayern München bereiteten der Weltklasse-Defensive von Borussia Dortmund in der Vergangenheit die größten Schwierigkeiten. Doch allein daraus zu schließen, dass die Schwarz-Gelben in Wembley taktisch unterlegen sein werden, wäre falsch.

 

Dortmunds Trainer Jürgen Klopp besitzt einen nicht zu unterschätzenden Wissensvorteil. Nach Toni Kroos' Verletzung stand bei den Bayern in allen wichtigen Begegnungen dasselbe Personal auf dem Platz, vom 4-2-3-1-System wichen sie nahezu nie ab.

Sein Pendant Jupp Heynckes dürfte hingegen ziemlich im Dunkeln tappen, da Dortmund in zwei der bisherigen drei Saisonspiele gegen den Rekordmeister von seiner 4-2-3-1-Formation abrückte und ein 4-5-1 wählte, um defensiv im Mittelfeld kompakter und variabler zu agieren. Unabhängig davon werden die Bayern auf jene mannschafts- und gruppentaktischen Elemente bauen, die sie in allen Wettbewerben derart dominant auftreten ließen: Aggressives, hohes (Gegen-)Pressing des gesamten Teams, variabler Spielaufbau mit schnellen Seitenverlagerungen, enorme Fluidität in der Offensive durch häufige Rochaden und Rotationen sowie konsequentes Aufrücken der Außenverteidiger.

Gegen den BVB ist es jedoch in dieser Spielzeit bislang keiner Mannschaft gelungen, sich durchgängig spielerisch bis in den Strafraum zu kombinieren. Möglicherweise wird Heynckes daher mehr als üblich auf Flanken setzen. Klopp muss das Meisterstück fertigbringen, seine Mannschaft bestmöglich auf den Gegner einzustellen, ohne die eigene Stärke einzubüßen.

Defensiv benötigt er eine Lösung, eine Besonderheit des Münchner Spielaufbaus zu verteidigen – das meist seitliche „Abkippen“ Bastian Schweinsteigers zwischen dem linken Innen- und Außenverteidiger mit anschließendem Diagonalpass. Da Dortmunds Defensivspiel vom extremen Verschieben auf die Ball-Seite lebt und in der Folge bei Verlagerungen Probleme bekommt, ist eine Verfolgung Schweinsteigers wahrscheinlich – jedoch riskant, da andere Räume geöffnet werden könnten.

Folgende Schlüsselfragen werden ebenso entscheidend für den Spielausgang sein: Wie werden die Dortmunder auf die ständigen Bewegungen in Bayerns Offensivreihe und die häufig aufrückenden Außenverteidiger reagieren? Wie geht der BVB im Aufbauspiel mit dem enormem Münchner Druck um – und wie gestaltet der BVB sein Prunkstück, das (Gegen-)Pressing?

Da die Bayern über pressingresistente Spieler verfügen, ist anzunehmen, dass Dortmund nur in vielversprechenden Situationen hoch pressen wird. Im Offensivspiel der Borussen hängt vieles davon ab, welches System gewählt wird. Im 4-5-1 gibt es im Vergleich zum 4-2-3-1 weniger Fixpunkte für ihr schnelles, vertikales (Umschalt-)Spiel in die Spitze. Unabhängig davon gilt: Gepaart mit der individuellen Klasse der einzelnen Spieler wird es auf die Intelligenz und Abstimmung der Offensiv-Bewegungen ankommen – dann wird sich zeigen, ob Dortmund die bislang so unerschütterliche Bayern-Defensive ins Wanken bringen kann.

 

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