Bayern gegen Dortmund 1A-Nummer zwei: Bewährungszeit für Ulreich

"Ich freue mich auf solche Spiele", sagt Bayern-Keeper Sven Ulreich (rechts, hier gegen Pierre-Emerick Aubameyang) vor dem Pokal-Halbfinale gegen Dortmund. Foto: imago

Für Ersatzkeeper Sven Ulreich ist das Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund sein bisher wichtigster Auftritt für den FC Bayern. Doch er sagt: "Ich kann Neuer nicht zu 100 Prozent ersetzen. Keiner kann das."

 

München - Sein größtes Spiel bisher? Das Pokalfinale 2013. Damals konnte der Schwabe Sven Ulreich, gebürtig aus Schondorf, 26 Kilometer östlich von Stuttgart, mit seinem VfB nicht verhindern, dass die Heynckes-Bayern den DFB-Pokal holten.

Die Münchner machten durch den Doppelpack des Schwaben Mario Gomez zum 3:2 das Triple perfekt. Und so konnte Ulreich, heute 28, erst nach seinem Wechsel für 3,5 Millionen Euro Ablöse zum FC Bayern im Sommer 2015 Titel in seine Vita aufnehmen. Das Double 2016, den Supercup zu Beginn dieser Saison – als der Mann hinter Manuel Neuer.

Stets dabei und fleißig im Training, loyal und zuverlässig. Eine 1A-Nummer zwei. Was soll man auch sein, wenn der aktuelle Welttorhüter, Weltmeister und Nationalmannschafts-Kapitän im Kader ist? Was soll man fordern? Neuer fehlt bis Saisonende wegen seines Fußbruches aus dem Viertelfinal-Rückspiel bei Real Madrid (2:4 n.V.). Zeit zur Bewährung.

Und die Pokal-Partie am Mittwoch gegen Borussia Dortmund (ab 20:45 Uhr im AZ-Liveticker) in der Allianz Arena ist die größte Prüfung bislang für Ulreich, der bisher in acht Pflichtspielen zum Einsatz kam und dabei neun Gegentreffer kassierte. Das Erreichen des Finals steht auf dem Spiel – auch für ihn. Für seinen ersten "richtigen" Titel.

Tendenz: Ulreich geht

Vor seinem wichtigsten Einsatz in 22 Monaten FC Bayern gibt sich Ulreich bescheiden: "Ich freue mich jetzt auf solche Spiele, konzentriere mich darauf. Dafür trainiere ich tagtäglich. Aber ich bin die Nummer zwei, vertrete Manu so gut es geht und versuche mein Bestes. Ich kann Manu nicht zu 100 Prozent ersetzen. Das kann keiner, weil er der weltbeste Torhüter ist."

Solch eine Nummer zwei kann man sich nur wünschen. Der Spanier Pepe Reina (34), die letzte Nummer zwei der Bayern hinter Neuer, war nach einer Saison in München aufgrund mangelnder Perspektive im Juli 2015 wieder zurück zum SSC Neapel gewechselt, ist jetzt dort Stammkraft.

Das will Ulreich auch, am besten in der Bundesliga. "Als Fußballer möchte man natürlich gerne spielen", sagt der ehemalige U21-Nationaltorhüter (drei Einsätze) und fügt hinzu: "Was am Ende der Saison passiert, weiß ich noch nicht. Ich habe noch ein Jahr Vertrag."

Tendenz: Ulreich geht. Die Bayern brauchen einen neuen Ulreich. Gegen Dortmund brauchen sie ihn. "Wir wollen nach Berlin und den Pott holen", sagt er. Das Spiel werde jedoch "deutlich enger" als beim 4:1 vor zweieinhalb Wochen in der Liga, als Ulreich ebenfalls im Tor stand.

"Wir wissen, was Sven für eine Qualität hat"

Womöglich kommt es sogar zum Elfmeterschießen. Im Duell mit Schützen vom Punkt hat der 28-Jährige jedoch keine überragende Quote. Laut transfermarkt.de hat Ulreich im Profibereich seit der Saison 2009/2010 nur zwei von 26 Elfmetern gehalten – beide im VfB-Trikot. Kategorie: ausbaufähig. Als Bayern-Torhüter hatte er fünf Mal das Nachsehen: im November 2016 in der Champions League bei FK Rostow (2:3) und letzten Samstag beim 2:2 gegen Mainz.

Und überhaupt: Ulreich hat während seiner Profi-Karriere noch nie, in keinem Pflichtspiel, ein Elfmeterschießen erlebt. Dortmund wäre seine Premiere. Eine Frage der Nerven? Zum Vergleich: Dortmunds Roman Bürki (26) und seine Elfer-Quote seit 2011/2012: sechs von 22 gehalten. Im BVB-Trikot: einer von sechs.

Dennoch vertrauen die Bayern Ulreich. "Er hat uns in den letzten Partien oft im Spiel gehalten. Wir wissen, was Sven für eine Qualität hat", meinte Kapitän Philipp Lahm. "Wir sind zufrieden mit Sven, haben viel Vertrauen in ihn", sagte Carlo Ancelotti, "er hat es gut gemacht zuletzt. Wir hoffen jedoch, dass wir gegen den BVB bereits nach 90 Minuten gewinnen können."

Was vom Trainer jedoch nicht als Spitze gegen Ulreich gemeint war.

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