Bayern gegen BVB im DFB-Pokalfinale Guardiola oder Tuchel: Eine Frage des Geschmacks

Schätzen sich: Pep Guardiola und Thomas Tuchel. Foto: sampics/Augenklick

Es ist das Duell zweier Seelenverwandter in Berlin: Im Pokalfinale trifft Pep Guardiola mit dem FC Bayern auf die Dortmunder von Thomas Tuchel. Mithilfe von Salz und Pfeffer debattierten sie bereits über Taktik.

 

München - Kann man sich diesen Pep Guardiola eigentlich in Berlin vorstellen? In der Hauptstadt? In der Stadt, in der seit 31 Jahren das Pokalfinale ausgetragen wird? Natürlich nicht als Hertha-Trainer. Als Mensch. Politisch engagiert wie der Katalane ist, würde er vielleicht nach Kreuzberg passen oder ein Prenzlauer Pep sein. Ansonsten eher nach Mitte, Kultur und Cafés für Señor Guardiola.

Doch Berlin ist ihm zu groß, daher liebt er München, es sei „klein und perfekt“. Aufgewachsen in Barcelona lehnt er Madrid ab und zieht im Sommer lieber nach Manchester statt in die Weltstadt London. Die Menschen in München seien „so freundlich“ gewesen. Klar, weil sie einen wie Guardiola in Ruhe gelassen haben, wenn er mal durch die Stadt radelte oder er im „Schumann’s“ am Odeonsplatz oder dem Ableger „Tagesbar“ in den „Fünf Höfen“ war. Dorthin kam er an freien Vormittagen, rund zwei Mal die Woche, mit seiner Frau Cristina zum Frühstück, die Kinder waren in der Schule. Als Ehemann Pep.

Was lief beim Geheimtreffen zwischen Guardiola und Tuchel wirklich?

In der In-Bar „Schumann’s“ war er Guardiola, der Trainer. Nach Champions-League-Spielen kam er manchmal spätnachts noch auf einen Absacker. Mit einer Ausnahme: Dem Date mit Thomas Tuchel, seinem Gegenüber im Pokalfinale am Samstag (20 Uhr, ARD und Sky live), wenn die Bayern gegen Borussia Dortmund um das Double spielen. Mit Tuchel traf sich Guardiola dort vor der nun zu Ende gehenden Saison, in der Zeit, als der ehemalige Mainzer Trainer ein Jahr Pause einlegte – eine von so vielen Parallelen. „Thomas und ich verstehen uns. Wir denken Fußball ähnlich, wir haben die gleiche Leidenschaft für das Spiel“, sagt Guardiola und Tuchel schwärmte, jedes Treffen sei „eine echte Inspiration“.

Mit Salz- und Pfefferstreuern, erst zwei, dann mehr, immer mehr, bis hin zur Mannschaftsstärke, spielten die beiden Taktik-Nerds sämtlichen Konstellationen und Aufstellungen durch. Kellner und Gäste tuschelten, ließen die beiden aber in Ruhe peppen und tucheln. Auf die Frage nach dem Inhalt des Gesprächs mit Tuchel antwortet er ausweichend: „Das Schumann’s ist eines der besten Restaurants in München, wir haben damals sehr schön gegessen.“

Am Samstag wollen sie das Pokalfinale auf ihre Weise würzen. Eine Prise Kagawa hier, ein paar Körner Vidal dort. Alles eine Frage des Geschmacks. Es ist das dritte Duell Guardiola gegen den BVB-Tuchel, in der Liga gab es letzten Herbst ein abnormales, weil zu deutliches 5:1. Im Frühjahr taktierte man sich hochklassigst zu einem aufregenden 0:0. Die Würze im Spiel hielt sich die Waage.

„Exzellenter“ Fußballlehrer trifft Lehrmeister

Vor dem Duell in Berlin lobten sich die Trainerbrüder im Geiste als ginge es darum, einem notleidenden Kollegen eine neue Anstellung herbeizureden. Tuchel sei ein „exzellenter“ Fußballlehrer, meinte der 45-Jährige auf „dfb.de“ über den drei Jahre Jüngeren. Und weiter: „Thomas lebt Fußball. Er hat diese Leidenschaft, diesen Willen, alles wissen zu wollen, immer besser zu werden. Er macht sich 24 Stunden am Tag Gedanken um seine Mannschaft, den Gegner, den Fußball generell. Das schätze ich an ihm.“ Somit sprach der Bayern-Trainer auch über sich selbst.

Tuchel wiederum verriet, er habe beim Betrachten der Spiele von Guardiolas Mannschaften „noch mal neu gelernt, was dieses Spiel alles für uns bereithält. Das strukturierte Positionsspiel, der Passrhythmus, die Ballannahme und -mitnahme und das absolut mutigste und fleißigste Verteidigen von Topstars, das ich bis dahin gesehen hatte.“ Wie sich diese Seelenverwandten gegenseitig loben und preisen, so sprachen sie auch über die Mannschaften. Den der Liga entrückten Meister FC Bayern, zum vierten Mal hintereinander, und dem BVB als besten, besten Vizemeister aller Zeiten. Was der Borussia noch zum FC Bayern fehle, war Tuchel nach dem 0:0 im März gefragt worden, seine Antwort lautete: „Alles – oder besser: von allem ein bisschen.“ Tuchel referierte, er wolle mit seinem BVB versuchen, „die Grenzen zu verschieben“. Vielleicht schon in diesem Pokalfinale. Womöglich in der Post-Guardiola-Zeit. Wenn Tuchel Carlo Ancelotti austricksen will – und sich vermutlich größere Chancen ausrechnet.

Letzter Gedanke: Kann man sich eigentlich Thomas Tuchel in München vorstellen? Ja, schon eher als Jürgen Klopp. Als Fortsetzung der Ära Guardiola.

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