Bayern Fels zermalmt Haus: Waren die Behörden schuld?

Die Suche nach den Verschütteten in Stein an der Traun Foto: dpa

STEIN AN DER TRAUN - Fünf Tage nach der Tragödie von Stein an der Traun wird klar: Die Nagelfluh-Wand über dem zerstörten Haus war nicht gesichert, weil die Behörden die Natur schützen wollten.

 

Ihr Zuhause war ein Postkartenmotiv. Jedes Jahr fotografierten tausende Touristen das Haus von Familie B. in Stein an der Traun. Die spektakuläre Felswand, an deren Fuß sich das schöne Haus schmiegte – „für die Leute war das was Besonderes“, sagt Rita Kimmeringer, die Nachbarin der Familie B.

Doch dann löste sich am Montagabend der hunderte Tonnen schwere Fels aus der Wand und zerstörte alles. Vater Peter B. (†45) und seine Tochter Sophie (†18) waren sofort tot. Mutter Uschi (40) und Sohn Leon (16) überlebten schwer verletzt. Ihr Haus liegt in Trümmern.

Bis Montagabend sah kaum jemand die Gefahr hinter der idyllischen Fassade. Oder besser: Kaum einer wollte sie sehen. Denn Pläne, die Nagelfluhwand gegen Felsstürze zu sichern, gab es schon lange. „Vor einigen Jahren hat das Denkmalschutzamt ein Fangnetz abgelehnt“, sagt Traunreuts Bürgermeister Franz Parzinger. Die hübsche Felswand sollte wohl nicht durch ein monströses Netz aus Stahlseilen verschandelt werden.

Haben die Behörden die Gefahr unterschätzt?

Auch die Schlossbrauerei Stein wollte schon lange ihr Gebäude direkt neben dem Haus der Familie B. gegen Felsstürze absichern. Doch auch in diesem Fall lehnten die Behörden ab. Wegen „Schutz der Bergdohlen und Fledermäuse“, sagte Brauerei-Chef Helmut A. Mühleisen dem „Trostberger Tagblatt“.

Andreas Zahn von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz Südbayern meint jedoch, dieser Schutz wäre keine Bedrohung für die Tierwelt gewesen. „Ein grobmaschiges Netz ist keine Gefahr“, so der Experte. Er vermutet, dass eher „optische Gründe“ gegen das Netz sprachen.

Haben die Behörden die Gefahr unterschätzt? Ging ihnen der Schutz von Feldermäusen über den von Menschen? Hätte ein Stahlnetz den tödlichen Felsbrocken überhaupt stoppen können? Ein Geologe soll im Auftrag der Staatanwaltschaft Traunstein in einem Gutachten auch diese Fragen klären.

Die Überlebenden Uschi B. und Sohn Leon erholen sich gesundheitlich – doch sie stehen vor dem Nichts. Ihre Familie ist ausgelöscht. Auf ihrem zertrümmerten Haus liegt noch ein Kredit von 60000 Euro. Nur ein paar Bücher, ein Schal und ein von Kinderhand gemaltes Bild sind ihnen geblieben. Mehr konnte nicht aus den Trümmern ihrer Existenz geborgen werden.

R. Keck

So können Sie helfen

Die Stadt Traunreut hat Spendenkonten für die Hinterbliebenen von Stein an der Traun eingerichtet. Der Spendenzweck lautet: „Spendenhilfe Stein“


Konto 100 016 195, BLZ 701 691 95, Raiffeisenbank Trostberg-Traunreut

Konto 205 831 296, BLZ 710 900 00, Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost eG

Konto 40 131 161, BLZ 710 520 50 bei der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg

Kontonummer 373 118 010, BLZ 710 221 82 bei der HypoVereinsbank Traunreut

Auch die Bürgerstiftung Traunsteiner Land beteiligt sich an der Hilfs-Aktion: Konto 1 077 775, BLZ 710 900 00, Stichwort: „Stein“

 

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