Bayern Explosion in Germering: Es war Mord

Die Ermittler stellten am Unglücksort drei Gasflaschen sicher. Foto: dapd

GERMERING - Nach der Explosion in Germering ermittelt die Kripo wegen eines Tötungsdelikts – alles deutet darauf hin, dass Herrmann L. (88) seine Frau (84), ihr Haus und sich selbst mit Absicht in die Luft sprengte.

 

Die Männer, die in der Nacht zum Donnerstag stundenlang in der Frühlingstraße in Germering bis zur Erschöpfung schufteten, hegten sehr schnell den furchtbaren Verdacht. Während sie mit bloßen Händen nach dem vermissten Ehepaar gruben, eine Menschenkette bildeten und den stinkenden Schutt Brocken für Brocken abtrugen, dachten sich nicht wenige: „Eine Explosion diesen Ausmaßes – da hat doch einer nachgeholfen!“ Dann fanden die Männer auch noch mehrere Gasflaschen unter den Trümmern, darunter eine mit einem Fassungsvermögen von elf Kilo. Und schließlich stank es stark nach Benzin, als sie sich dem näherten, was vom Keller übrig geblieben war und wo die verkohlte Leiche von Herrmann L. († 88) lag.

Seit Freitag ermittelt die Kripo nun ganz offiziell wegen Mordes und eines Selbsttötungsdelikts. Herrmann L.(88), der 60 Jahre lang mit seiner Frau Margarete unter einem Dach gelebt hatte, soll das Gebäude absichtlich in die Luft gejagt haben. Dass eine dritte Person beteiligt war, schließt die Polizei aus.

Inzwischen gibt es immer mehr Hinweise: Nach Aussage mehrerer Zeugen war Herrmann L. zuletzt schwer krank. Er soll zu mehreren Personen gesagt haben, dass er nicht mehr leben wolle. Offensichtlich wollte er das Haus seiner Frau nicht überlassen. Dabei hatte sie das Häuschen von ihrem Vater geerbt. Der Maurermeister hatte es in den 1950er Jahren mit eigenen Händen für die Tochter gebaut.

Margarete L., die bis zur Rente als Geschäftsführerin in einem Münchner Lederwarenladen arbeitete, wurde in dem Haus nicht glücklich. Ihre Ehe mit dem Kfz-Mechaniker Herrmann L. galt als völlig zerrüttet. „Die beiden hatten seit 20 Jahren eine Krise. Er hat von ihr immer als ,die da’ gesprochen“, sagte eine Nachbarin der AZ. „Sie wohnte unten, er oben. Gesprochen haben die nie miteinander.“

Laut Obduktionsergebnis starb die 84-jährige Frau aufgrund der unmittelbaren Explosionsfolgen. Die Polizei geht davon aus, dass sie sich „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ in ihrer Wohnung im Erdgeschoss des Hauses aufgehalten hatte. Der Ehemann war zum Zeitpunkt der Explosion offenbar im Keller – wo auch die Gasflaschen gefunden wurden.

Die Leiche von Margarete L. wurde schließlich auch im Keller gefunden. Die Wucht der Explosion hatte sie ein Stockwerk tiefer gepresst – zu ihrem Ehemann und mutmaßlichen Mörder.

Nina Job

 

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