Bayern Ettal setzt einen externen Ermittler ein

Das Kloster Ettal bei Oberammergau Foto: dpa

ETTAL - Der Skandal weitet sich aus: Ein Bruder soll sich an mehreren Kindern vergangen haben - wie viele Opfer es gab, ist noch unklar. Die Eltern sprechen der Schule trotzdem ihr Vertrauen aus.

 

Nach den Missbrauchsvorwürfen am Klostergymnasium Ettal hat die Staatsanwaltschaft München gegen mehrere Kloster-Angehörige Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ein Mönch steht im Verdacht, sich an mehreren Kindern vergangen zu haben. Die Erzdiözese Freising und München fordert „unnachgiebige Aufklärung". Deswegen setzt die Abtei jetzt den Rechtsanwalt Thomas Pfister als „unabhängigen externen Sonderermittler“ ein.

Wie viele Missbrauchsfälle und wie viele Opfer es in Ettal insgesamt gibt, ist unklar. „Wir sind ganz am Anfang unserer Ermittlungen“, sagte Oberstaatsanwältin Andrea Titz.

Ein Mönch ist inzwischen verstorben. Er hatte mit Schülern geduscht und geschmust und musste 1969 das Kloster verlassen. Jahre später durfte er zurück. „Die zweite Chance war ein Fehler“, sagt Schulleiter Pater Maurus Kraß. Es wird aber auch ganz konkret gegen einen Klosterangehörigen ermittelt, dessen mutmaßliche Übergriffe auf Kinder noch nicht verjährt sind bestätigte der Leitende Oberstaatsanwalt Eduard Mayer. Bei sexuellem Missbrauch von Kindern tritt die Verjährung erst zehn Jahre nach Volljährigkeit des Opfers ein.

Der Ettaler Abt Barnabas Bögle war gestern zurückgetreten, weil er 2005 einen Missbrauchsverdacht nicht dem Erzbischöflichen Ordinariat in München gemeldet und damit gegen kircheninterne Richtlinien verstoßen hatte (AZ berichtete). Bögle räumte ein, der Priester habe Internatsschüler im Gesicht, am Oberkörper sowie an Armen und Beinen gestreichelt. Er habe sie auch auf seinem Schoß sitzen lassen. Der Mitbruder habe ihn damals davon überzeugt, dass es sich „nur“ um eine „Nichtbeachtung der notwendigen Distanz“ gehandelt habe. Offenbar lag aber auch ein psychologisches Gutachten vor, das dem Pater pädophile Neigungen bescheinigt. Bögle räumte ein, dass er das aus heutiger Sicht „falsch eingeschätzt" habe. Der Mönch sei wegen des Falls versetzt worden.

Elternbeirätin Elisabeth Dorrenberg sprach von „schrecklichen Einzelfällen“, betonte aber, dass man der Schule weiterhin vertraue. Insbesondere dem zurückgetretenen Abt Bögle stärkte der Elternbeirat den Rücken. Mit ihm verlören Schüler, Eltern und Lehrer die wichtigste Vertrauensperson. Der Elternbeirat will den Münchner Erzbischof Reinhard Marx bitten, das Rücktrittsgesuch abzulehnen.

Monsignore Siegfried Kneißl, der vom Bischof mit der Prüfung der Vorwürfe betraut wurde, sagte, Schüler hätten die Vorwürfe gegen den Mönch bestätigt. Im Zuge der Berichte über Missbrauchsfälle in den 50er, 70er und 80er Jahren hätten ihn neun Ex-Schüler sowie eine Mutter kontaktiert. Ferner hätten fünf Schüler aus der achten Klasse und zwei Jugendliche aus der Oberstufe sowie drei Lehrer Angaben gemacht.

Der Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising, Prälat Peter Beer, forderte, die Abtei müsse nun feststellen, wie viele Missbrauchsfälle bekannt seien, um welche Art der Verfehlungen es sich konkret gehandelt habe. Zudem müsse geklärt werden, wie mit Verdächtigen und Tätern verfahren worden sei und ob diese anschließend konsequent von Kindern und Jugendlichen ferngehalten worden seien. Ein Verschleiern und Vertuschen wäre nicht hinnehmbar, mahnte der Generalvikar.

Das Erzbistum fordere vom Kloster „volle Transparenz“. Beim sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen könne es keine Toleranz geben. Beer: „Es ist mir bewusst, dass die Aufarbeitung solcher Anschuldigungen ein schmerzhafter Prozess ist. Aber es gibt keine Alternative.“

Ralph Hub

 

0 Kommentare