Bayern Der Notruf per Handy kam zu spät: Von Lawine in den Tod gerissen

Bei einem Lawinenunglück sind in der Schweiz drei Tourengeher aus Bayern gestorben. Foto: dpa

INNSBRUCK - Ein Pärchen aus Hausham wird verschüttet. Sie sind erfahrene Tourengeher, gut ausgerüstet. Aber es dauert Stunden, bis Nikolaus H. seine Hand bewegen kann – für seine Freundin kam die Rettung zu spät.

 

Nikolaus H. kennt sich aus mit Bergen. Am Jubiläumsgrad ist der Haushamer geklettert, am Watzmann auch. Wandern, Skifahren, Mountainbiken, Reisen – alles Hobbies des aktiven Mannes.

Am Donnerstag zieht er mit seiner Elke F. (27) los in die Berge. „Verliebt“ nennt der glückliche Nikolaus seinen Beziehungsstatus im Internet, „meins, meins“ hat er stolz ein Foto von sich und seiner Freundin genannt. Was er im Leben erreichen will, schreibt Nikolaus: „Haus, Kinder“. Und: „Alles im Leben hat einen Sinn.“

Am Sonntagsköpfl gehen Nikolaus H. und seine Elke eine Skitour, keine besonders schwierige. Und nach diesem Tag wird Nikolaus H. die Berge wohl nie wieder wie früher betrachten können. Denn das Paar tritt dort eine Lawine los.

„Sie hatten Pech, die Schneeverhältnisse sind gerade schwierig“, sagt Flugretter Michael Knauer. Nikolaus H. und Elke F. werden unter den Schneemassen begraben. „Verwunderlich, dass das niemand gemerkt hat, nicht weit weg ist ein Skigebiet.“

Das Paar ist perfekt ausgerüstet. „Lawinenpiepser und eine Schaufel – sie hatten alles dabei“, sagt Knauer. Aber nur Nikolaus’ Kopf ragt aus der Lawine, er steckt wie einbetoniert im Schnee. Und Elke F. liegt, nicht weit weg von ihm, unter den Massen begraben.

Ein nervenzerreissender Kampf beginnt. Fünf Stunden braucht der Haushamer, um eine Hand frei zu bekommen und an sein Handy zu reichen. Um ihn ist es dunkel geworden. Sofort ruft er Hilfe.

Vage kann er seinen Aufenthaltsort beschreiben. „Wir haben ein Team zur Bodenbergung losgeschickt und einen Hubschrauber“, sagt Knauer. Er selbst sitzt im Hubschrauber. Nikolaus H. telefoniert mit der Leitstelle, die per Funk mit dem Heli verbunden ist. Irgendwann erfasst der suchende Scheinwerfer Nikolaus’ Kopf.

Aber der Hubschrauber, der die Verschütteten bei Dunkelheit ausmacht, kommt zu spät für Elke F. Nikolaus H. wird mit Unterkühlungen in eine Klinik gebracht, dann gräbt das Bergungsteam die Leiche seiner Freundin aus. „Eine dramatische und traumatische Geschichte“, sagt Michael Knauer.

Elke F. und Nikolaus H. sind nicht die Einzigen, die in den letzten Tagen verschüttet wurden. Allein am Donnerstag starben in Österreich fünf Menschen in abgerutschten Schneemassen. Ein 22-jähriger Snowboarder aus Deutschland wurde im Kleinwalsertal von einer Lawine mitgerissen und starb. Laura Kaufmann

 

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