Playoff-Aus der Münchner Bayern-Basketballer: Zutiefst erschüttert

Enttäuscht nach der Niederlage und dem 0:3-Halbfinal-Aus gegen Bamberg: Bayerns Kapitän Taylor. Foto: imago

Das Halbfinal-Aus und die Demütigung der Bayern-Basketballer werfen Fragen auf. „Bamberg hatte mehr Qualität“, sagt Pesic.

 

München - In Bamberg zu verlieren, das ist keine Schande. Schließlich sind die Brose Baskets in der gesamten Saison und nun schon seit 22 Heimspielen ungeschlagen. Das 65:96, das die Basketballer des FC Bayern dort am Sonntagabend kassierten, war allerdings mehr als nur eine Niederlage. Die Bayern erlebten in Bamberg ein Beben, dass sie zutiefst in ihrem Selbstverständnis erschütterte. Denn das dritte Duell der Halbfinalserie wurde gleich zur doppelten Demütigung, der FCBB auch noch mit 0:3 aus den Playoffs gesweept, also einfach weggefegt.

„Bamberg hatte mehr Frische, mehr Qualität und auch mehr Selbstbewusstsein“, musste Bayern-Coach Svetislav Pesic eingestehen: „Zu Beginn der Partie waren wir leider nicht bereit, eine Antwort zu geben.“ Stattdessen warf der Auftritt seiner Mannschaft wohl auch bei Pesic unzählige Fragen auf. Die nach der Wettbewerbsfähigkeit zum Beispiel. „Wir hätten gegen Bamberg nur mit mehr Qualität und mehr Spielern gewinnen können“, sagte Pesic und erinnerte an eine „sehr anstrengende und schwere Saison“. „Jetzt waren wir an dem Punkt, an dem wir physisch nicht mehr dagegenhalten konnten. Die Spieler haben gewollt, aber sie konnten nicht mehr geben“, sagte der 66-Jährige. Er erkannte durchaus an, „gegen einen im Moment klar besseren Gegner verloren“ zu haben, aber „ohne unsere Personalprobleme“ hätte die Serie nach seinem Dafürhalten „sicherlich eine andere Entwicklung genommen“.

FCBB kein Gegner für Bamberg

Pesic hatte erstmals in dieser Serie wieder auf den zuvor an der Wade verletzten Deon Thompson zurückgreifen können, auf Dusko Savanovic aber weiter verzichten müssen. Sein Team war aber nicht in der Lage, dessen Ausfall oder die wechselhaften Leistungen der teilweise angeschlagenen Spieler zu kompensieren – und erst recht nicht, Bamberg auf Augenhöhe zu begegnen. Diese Umstände lassen an der richtigen Kaderzusammenstellung zweifeln. Erschwerend hinzu kommt, dass (zu) viele Bayern-Spieler ihre Formsuche und -schwankungen mit in die Playoffs genommen haben. Etwa Bayerns einstiger Dauertopscorer Nihad Djedovic, Center John Bryant oder auch Point Guard Alex Renfroe. Die Winter-Neuzugänge Justin Cobbs und Vitalis Chikoko bleiben den Beweis ihrer FC-Bayern-Tauglichkeit weiterhin schuldig.

„Niemand will die Saison so beenden“, hatte Kapitän Bryce Taylor noch vor der Partie versichert. Auch Sportchef Marko Pesic gefordert, „mit der Mentalität anzutreten, gewinnen zu wollen“. Die Bayern glaubten aber wohl zu keiner Sekunde an einen Erfolg. Nach wenigen Minuten und einem 10:0-Lauf der Bamberger lag der FCBB mit 3:14 zurück, zur Halbzeit (20:49) war das Spiel praktisch entschieden. Die Verunsicherung ließ sich auch an den bis dahin lediglich sieben verwandelten Freiwürfen (bei 18 Versuchen) und den acht Ballverlusten ablesen. Coach Pesic hatte da längst Nachwuchsspieler Karim Jallow aufs Feld geschickt und damit offenbar ebenfalls aufgegeben.

Bambergs Machtdemonstration gegen den Vizemeister

Ganz anders die Bamberger. Der amtierende Champion machte aus dem Duell mit dem Vizemeister eine Machtdemonstration. Nicht mit Hilfe seiner Einzelkönner, sondern mit Teambasketball. „Wir waren heute bereit, unseren Basketball zu spielen, und jeder hat für das Team gespielt“, sagte Coach Andrea Trinchieri. Keiner seiner Spieler machte dieses Mal 28 Punkte, wie es der zum wertvollsten Spieler der Saison gewählte Brad Wanamaker in Spiel zwei getan hatte. Dafür erzielten gleich neun Akteure zwischen acht und zwölf Punkte. „Wir müssen unsere Lehren aus dieser Saison ziehen“, sagte Pesic noch. Welche? Dafür lieferte ihm das Bamberg-Beben besten Anschauungsunterricht.

 

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