Bayern Auf dem Dachauer Volksfest: Die Luft ist (fast) rein

Wir lassen uns das Rauchen doch nicht verbieten“, tönt diese Clique auf der Empore. Bis der Ordnungsdienst kommt. Dann machen sie kleinlaut ihre Kippen aus. Foto: Katharina Alt

DACHAU - Auf der Wiesn darf nicht mehr geraucht werden – beim Dachauer Volksfest gilt das Verbot schon jetzt. Klappt das? Die AZ hat sich umgesehen.

 

Ein Bierzelt ohne Qualm – das ist eine Herausforderung. „Wir sind das Pilotvolksfest. Mal sehen, wie es wird", sagt Günther Domcke, der Pressesprecher der Stadt Dachau. Domcke, kurze Lederhosn, weißes Hemd, schaut sich vor dem Festzelt um und lauscht, was die Raucher so sagen. Er ist darauf bedacht, dass es allen gefällt auf dem „Dachauer Familienfest“. Domcke ballt die Fäuste, hält sie beschwörend vor sich und sagt: „Wir werden es schaffen!“

Seit 1. August gilt das Nichtraucherschutzgesetz. Und das Dachauer Volksfest ist quasi der erste Testfall. Funktioniert’s qualmfrei? Die Antwort lautet: Klare Sicht vom Eingang bis zur Kapelle. Nirgends qualmt es, die Luft ist rein. Fast zumindest. Alles okay also für Günther Domcke? Er will seine Bilanz erst am Dienstag ziehen. „Jetzt muss man erstmal sehen, wie es am Abend zugeht.“

Bisher scheint das Rauchverbot eingehalten zu werden. Dementsprechend entspannt ist Reinhard Hörmann, der Wirt des größten Bierzeltes auf dem Dachauer Volksfest. Völlig problemlos sei der Blechbläserabend verlaufen, für den ersten Festtag erwartet er sich auch keine Zwischenfälle. „Ich hab es mir nicht vorstellen können“, sagt Hörmann, „aber es hat bisher wunderbar geklappt.“ Einige Unbelehrbare hätten sich zwar ihre Zigaretten angezündet, sie aber auf freundliche Aufforderung von Bedienungen und Sicherheitspersonal auch wieder ausgemacht.

„Schrecklich!“, schimpft Brigitte Burghart, lila Dirndl, kurzes Haar und zieht an ihrer Kippe. Sie steht mit ihrer Freundin vor dem Zelt und ärgert sich. „Die Stimmung leidet“, sagt sie, die Freundin stimmt ihr zu: „Immer wieder musst rausgehen - das nervt.“

Ein paar Meter weiter steht eine andere Raucherin. Sie kann die Aufregung nicht verstehen. „Man kann ja, wenn man eh aufs Klo muss, eine rauchen“, sagt sie. Die Luft im Zelt sei dafür so angenehm.

Die vier jungen Damen, die gerade auf den Haupteingang zusteuern, sind da ganz anderer Meinung. Sie finden, die Luft sei sogar schlechter. „Es stinkt mehr!“, sagt eine. „Nach Schweiß!“ Zu riechen ist davon aber nichts. Vielleicht auch deshalb, weil an manchen Stellen die Plastikplanen des Zeltes nach oben gekrempelt sind.

Ein paar Raucher lassen es drauf ankommen. Auf der Empore rauchen Frank Schmidt und seine Kollegen ihre Zigaretten, als gäbe es kein Verbot. Er sagt: „Wir lassen uns das Rauchen nicht verbieten!“

Am Nebentisch bringt der Ober zwei frische Maß. Dass seine Kunden rauchen, scheint ihn nicht zu stören. So hat sich auf der Empore ein kleiner Raucherklub gebildet.

Lang währt die Freude nicht. Von unten hat Stefan Kosuch vom Sicherheitsdienst die Rauchschwaden entdeckt und rumpelt mit seinem wuchtigen Körper die Treppen hoch. „Kippen aus!“, sagt er freundlich, aber bestimmt. Eine junge Blondine widersetzt sich kurz, doch ein strenger Blick von Kosuch genügt, und auch sie drückt die Zigarette im Aschenbecher aus, der gar nicht am Tisch stehen dürfte. „Den hat uns vorher die Bedienung gebracht“, erzählt einer lachend.

Das Verbot gilt, (fast) alle halten sich daran, aber so richtig streng wird es noch nicht durchgesetzt. Am meisten fürchtet sich Sicherheitsmann Kosuch denn auch vor den Nichtrauchern. „Das Problem sind eher die Nichtraucher, die sich als Hilfspolizisten aufführen.“ Da komme es leicht zu Ärger. Trotzdem bleibt er entspannt. „Schlägereien wird es deshalb keine geben.“

Einig sind sich Befürworter und Gegner des Verbots zumindest in einem Punkt: Das gemütliche kleine Dachauer Volksfest ist das eine, die Wiesn wird das andere. Sicherheitsmann Kosuch sagt: „Da wird man sehen.“ Und Festwirt Reinhard Hörmann empfiehlt: „Die Wiesnwirte können gerne mal vorbeikommen.“ Von wegen „Chaos vor dem Zelt“. In Dachau ist davon nichts zu spüren. Johan Kornder

 

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