Bayern 40 Grad Fieber – Doch der Notruf tut nichts

Ein kleiner, großer Kämpfer: Nicolas (1) kam 16 Wochen zu früh zur Welt. Am 30. Dezember musste er wieder ins Krankenhaus. Foto: privat

Frühchen Nicolas hat einen Fieberschock, doch die Leitstelle schickt keinen Notarzt. Haben Sie es denn schon mit Wadenwickeln versucht?, soll der Mann gesagt haben. Er verweist die Mutter auf den Bereitschaftsdienst.

 

ETTRINGEN/FÜRSTENFELDBRUCK Biljana Kraus ist noch immer aufgewühlt, wenn sie über den 30. Dezember spricht. Gegen Abend bekommt ihr Sohn Nicolas hohes Fieber. Er ist ein Frühchen, gerade ein Jahr alt geworden. Die 40-Jährige macht sich furchtbare Sorgen und wählt die Notrufnummer – sie landet in der Rettungsleitstelle Fürstenfeldbruck. „Der Mitarbeiter hat völlig falsch reagiert und mich einfach nicht ernst genommen.“

16 Wochen zu früh kommt Nicolas im Dezember 2008 zur Welt. Auch als er endlich aus dem Krankenhaus entlassen wird, muss er zuhause weiter beatmet werden. Die künstliche Luft braucht er seit drei Monaten nicht mehr. Doch dass seine Mutter noch eine Ration Sauerstoff daheim hatte, hat dem Kleinen wahrscheinlich das Leben gerettet.

„Nicolas hatte über 40 Grad Fieber. Vor lauter Aufregung habe ich die Notrufnummer 19222 mit Vorwahl Landsberg gewählt.“ Kraus landet in Fürstenfeldbruck, zuständig wäre eigentlich Augsburg. Dem Mitarbeiter der Rettungsleitstelle schildert sie, dass ihr Sohn sofort ins Krankenhaus muss. Doch damit stößt sie auf taube Ohren. Haben Sie es denn schon mit Wadenwickeln versucht?, soll der Mann gesagt haben. Er verweist die Mutter auf den Bereitschaftsdienst.

„Dann wurde mein Sohn plötzlich ganz blau. Und so hätte ich mit ihm selbst zum Arzt fahren sollen?“ Biljana Kraus versorgt Nicolas mit Sauerstoff. Wie das geht, hat sie zum Glück beim Kurs für Mütter von Frühgeborenen gelernt. Danach wählt Kraus wieder die Notrufnummer. Diesmal wird sie deutlicher. „Erst dann wurde endlich ein Notarzt geschickt, obwohl das schon nach dem ersten Anruf hätte passieren müssen.“

Als der Notarzt eintrifft, hat Nicolas bereits 41,2 Grad Fieber. „Die Rettungssanitäter sagten, dass er ohne den Sauerstoff vielleicht nicht überlebt hätte.“ Im Krankenhaus die Diagnose: Fieberschock und Krampf mit Sauerstoffmangel. Zwei Tage muss der Kleine in der Klinik bleiben. Ihm geht es wieder besser. „Ich bin mit der Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen, weil so etwas nicht passieren darf“, sagt Kraus.

Im Büro der Rettungsleitstelle Fürstenfeldbruck war gestern wegen des Feiertages niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. dur

 

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