Bayerisches Staatsschausspiel Was geschah anno 1535?

Die Performer von Showcase Beat Le Mot entern den Marstall des Staatsschauspiels (v. l. Nikola Duric, Veit Sprenger, Dariusz Kostyra, Thorsten Eibeler). Foto: Sandra Steh

Die Hamburger Gruppe „Showcase Beat Le Mot” bespielt den Marstall mit einer Performance, die lose an die prophetischen Wiedertäufer in Münster zur Reformationszeit erinnert

 

Die Wiedertäufer hatten eine soziale Utopie: Gleicher Besitz für alle, freie Liebe, Vielehe, Massenorgien, Drogen – man denkt an Hippiekommunen. Nur war’s im Umbruch vom Mittelalter zur Neuzeit zu früh dafür. 1532 gründeten die Radikalreformer in Münster ihren eigenen Staat, der 1535 ein blutiges Ende fand. All das kann man beim Titel „1534” assoziieren, sollte aber wenig davon bei der Aufführung erwarten. Die Hamburger Performance-Gruppe Showcase Beat Le Mot bespielt derzeit auf Einladung von Resi-Intendant Martin Kušej einen Monat lang den Marstall mit zwei Eigenproduktionen, Gastspielen befreundeter Truppen und am Ende einer Uraufführung.

Wie der Name sagt, schlagen Showcase Beat Le Mot gerne das Wort, aber es ist im Performance-Kontext eher unwichtig. Genauso wie Schauspielerei – die vermeidet das Männerquartett um jeden Preis. Hier wird nichts dargestellt, sondern einfach postdramatisch ausgestellt.

Deshalb passiert zu Beginn von „1534” erstmal lange nichts. Die Akteure richten in aller Ruhe die Bühne ein – und da hat man viel zu sehen, auch wenn es dann fast keine Funktion hat. Aus einem Treibhaus zucken rote Neonblitze, in einem Glaskubus wuchert wolkiger Seifenschaum, Weihrauch duftet, große Sanduhren rieseln. Ein Zuber zum Weinkeltern, eine Töpferscheibe, eine Flagellationsmaschine. Alles wird eingesuppt von einem synthetischen Pseudo-Mittelalter-Soundteppich aus Drehleier, Schalmey und sozialkritischen Live-Chorälen. Irgendwann outen sich die Herren als Propheten – „arm, faul und ohne Einfluss” –, die in Münster ihr Glück suchen. Zwischen Anarchie und Herrschaftsanspruch blitzen Dialektik auf, Ironie, bewusste Lächerlichkeit und fantastische Absurdität. Doch vor allem die Szenerie macht 90 lange Minuten denn doch unterhaltsam.

Marstall, Samstag 20 Uhr, Tel. 2185 1940

 

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