Bayerisches Staatsschauspiel München soll zur Theaterinsel werden

Der Wechsel bedeutet eine Wende: Martin Kusej (li.), neuer Intendant am Residenztheater, und der scheidende Dieter Dorn. Foto: dpa

Für Lacher sorgte ein Versprecher: Martin Kušej nannte sein erstes Spielzeitheft ein „Spielzeugheft”. Doch darin wird ordentlich geklotzt, und nicht mit Spielzeug-Klötzchen. So einen Premieren-Marathon hat München kaum je erlebt: 27 Produktionen will der neue Chef des Bayerischen Staatsschauspiels bis zum Sommer 2012 stemmen, davon fünf in eigener Regie. Allein im Oktober kommen acht Inszenierungen heraus.

 

Doch ein Problem, das Kušejs Planung ins Wanken bringen könnte, hat er auch schon: den Marstall. Der weist Risse am Dachfirst auf, die Baubehörde hat wegen Einsturzgefahr bereits die Schließung angedroht. Kušej hofft auf eine schnelle Entscheidung des Freistaats, was mit dem Klenze-Bau passieren soll. „Wir brauchen die Räume unbedingt”, sagt er, als Spielort und für die dort untergebrachten Werkstätten.

Es gibt sogar einen Marstall-Plan: Unter diesem Namen sollen im Sommer 2012 schnelle, aktuelle und lustige Inszenierungen ein Forum finden. Im Februar wird das Performance-Kollektiv Showcase Beat Le Mot vier Wochen lang rund um die Uhr den Marstall bespielen, mit Gästen, Remmidemmi und ihrem neuen Stück „The Happy Ending of Franz Kafka’s Castle”. Von Alexander Kluge gibt es eine Uraufführung sowie eine Veranstaltungsreihe mit und über ihn. An Rainer Werner Fassbinder erinnert zum 30. Todestag ein Festival mit hauseigenen Aufführungen und Gastspielen aus Prag, Turin und Barcelona. Und bei Helmut Kraussers „Eyjafjallajökull-Tam-Tam” ist das gesamte Ensemble dabei – live in wechselnder Besetzung und auf Video.

Im Cuvilliéstheater will Kušej ausschließlich zeitgenössische Dramatik zeigen, auch eine Uraufführung von Franz Xaver Kroetz . Drei junge Mütter – die Autorin Kathrin Röggla, die Musikerin Gustav und die Regisseurin Tina Lanik – haben das Singspiel „Kinderkriegen” entwickelt. Roland Schimmelpfennig ist als Autor (mit „Peggy Pickit”) und Regisseur vertreten. Er inszeniert „Persona” von Ingmar Bergman als Koproduktion mit dem Habima-Theater in Tel Aviv. Juliane Köhler und eine israelische Schauspielerin werden in München und Israel jeweils den stummen und den sprechenden Part wechseln.

Klotzen kann der Intendant auch mit großen Namen im Residenztheater. Michael Thal-heimer inszeniert den „Sommernachtstraum”, Calixto Bieito den „Kirschgarten”, Altmeister Wilfried Minks ein Stück von Neil LaBute. Albert Ostermaiers „Halali” über Franz Josef Strauß wird uraufgeführt, der Italiener Pippo Delbono bearbeitet „Arturo Ui”, der Rumäne Dušan David Parizek inszeniert „Die Götter weinen” von Dennis Kelly. Frank Castorf wagt sich mit „Kasimir und Karoline” erstmals an ein Horváth-Stück.

Kindern und Jugendlichen bietet „Das junge Resi” Aufführungen und Theaterlabors, Sein Ensemble mit 50 neuen Schauspielern nennt Kušej „das Herzstück des Theaters”. Mit ihm will er Resi, Cuvilliés und Marstall weltweit als Theaterinsel bekannt machen. Die neue Internet-Adresse www.residenztheater.de ist schon online.

 

1 Kommentar