Bayerische Staatsoper Roberto Alagna: Mein Leben ist eine Oper - bald auch im Nationaltheater

Roberto Alagna ist Franzose mit sizilianischem Migrationshintergrund - keine schlechte Voraussetzung für einen Tenor. Foto: Jean-Baptiste Millot/DG

Warum Roberto Alagna auf seiner neuen CD mit Arien sein Leben erzählt und wie er sich auf die Münchner Opernfestspiele 2016 und seinen Bayreuther "Lohengrin" vorbereitet

 

Er ist das Stehaufmännchen unter den Tenören. Im Dezember 2006 wurde Roberto Alagna in der Mailänder Scala von der Bühne gebuht. Danach wurde es stiller um ihn. Nun ist seine neue CD „Ma vie est un opera“ erschienen. Im Juni 2016 singt der Franzose mit sizilianischen Wurzeln den Elázar in Fromental Háleys Oper „La juive“ im Nationaltheater, 2018 wird Alagna die Titelrolle in Wagners „Lohengrin“ bei den Bayreuther Festspielen übernehmen.

AZ: Herr Alagna, auf deutsch heißt Ihre CD „Mein Leben ist eine Oper“. War es wirklich so aufregend?

ROBERTO ALAGNA: Ich bin in Frankreich als Sohn italienischer Einwanderer aufgewachsen. Meine Karriere begann als Sänger in Pizzerien und Cabarets. Meine erste Frau Florence Lancien starb viel zu früh an einem Hirntumor. Ich war alleinerziehender Vater. In der ersten Zeit gaben mir die Auftritte eine Sicherheit, die ich im wirklichen Leben nicht hatte. Jetzt bin ich 52 – und ich fühle mich endlich frei.

Was haben die Nummern auf der CD mit Ihrem Leben gemeinsam?

Ich habe mich wie Orpheus in der Oper von Gluck gefühlt, als meine erste Frau gestorben ist. Daher singe ich auf der CD auch die Arie „Ach ich habe sie verloren“ aus „Orphée et Eurydice“. Beim Duett aus Donizettis „Roberto Devereux“ ist meine jetzige Frau dabei, die Sopranistin Aleksandra Kurzak. Roberto, das bin ich selbst – weil ich meine alte Freude am Belcanto-Repertoire wiedergefunden habe. Und so ist jede Arie auf der Platte Teil meines Lebens.

Sie treten derzeit eher als schwerer Held auf – in Verdis „Otello“ oder in „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saëns.

Ich fühle mich im Leben und mit meiner Stimme jünger als früher. Das schwere Repertoire singe ich schon länger. Aber ich trete immer noch in Opern wie „Elisir d’amore“ auf. Es ist nicht gesund für die Stimme, schwere Rollen zu singen und die leichteren aufzugeben. Da wird sie leicht unflexibel.

Warum singen Sie Lenskis Arie aus Tschaikowskys „Eugen Onegin“ auf französisch?

Das ist eine Hommage an Enrico Caruso. Mein Großvater lebte in New York und war mit ihm befreundet. An der Metropolitan Opera hat man die Oper früher auf französisch gesungen. Das passt gut zum lyrischen Charakter der Musik.

Eine Rarität ist auch auf der CD, die Arie „Magische Töne“ aus Karl Goldmarks „Die Königin von Saba“.

Ich fand es reizvoll, neben der Arie aus Charles Gounods „Königin von Saba“ noch ein zweites Stück mit dem gleichen Stoff dazuzunehmen. Außerdem muss ich üben, auf deutsch zu singen – als Vorbereitung auf den Lohengrin in Bayreuth.

Da nehmen Sie sich einiges vor.

Ich habe das Duett mit Elsa schon einmal für einen französischen Film über Wagner aufgenommen. Auf deutsch habe ich ein paar Weihnachtslieder und „Ach so fromm“ aus Flotows „Martha“ gesungen. Aber der „Lohengrin“ ist natürlich etwas anderes. Ich werde gleich nach der Premiere von „La juive“ mit dem Lernen beginnen. Mit der Musik geht das schnell: Ich brauche nur zwei Wochen für eine neue Oper. Und bei der Sprache wird mir Alexandra helfen – sie kennt das deutsche Repertoire gut.

Wie war das, als der Anruf aus Bayreuth kam?

Ich habe dreimal abgesagt. Dann hat Christian Thielemann mit mir gesprochen. Und meine Frau meinte: „Warum lehnst Du das ab? Überlege doch mal, wie lange es her ist, dass ein französischer Tenor in Bayreuth gesungen hat. Du musst es versuchen!“. Dann habe ich zugesagt.

Anna Netrebko wird Ihre Elsa sein.

Ich bin nicht sicher, ob sie singen wird. Aber ich hoffe es.

Davor singen Sie noch den Eleazar in Fromental Halévys „La juive“ im Münchner Nationaltheater. Warum gilt diese Rolle als so schwierig?

Die Arie „Rachel, quand du Seigneur“ habe ich schon lange im Repertoire. Aber für die ganze Rolle braucht es eine gewisse Reife. Caruso war 48, als er den Eleazar in New York gesungen hat. Es ist eine Vaterrolle. Man sollte Kinder haben und eine gewisse Lebenserfahrung, um den religiösen Konflikt der Oper zu verstehen.

Ist die Rolle auch musikalisch heikel?

Adolphe Nourrit, für den Halévy 1835 die Rolle schrieb, war ein Belcantist. Er hat die hohen Noten im Falsett gesungen. Heute nimmt man sie mit voller Stimme, aber es muss trotzdem elegant klingen. Ich finde es schade, dass französische Grand Opéra heute so selten aufgeführt wird. „La juive“ war früher ein Repertoirestück. Robert Braunmüller

Roberto Alagna: „Ma vie est un opéra“, (DG). Halévys „La juve“ eröffnet am 26. Juni 2016 die Münchner Opernfestspiele. Alagnas Gattin Aleksandra Kurzak singt die Prinzessin Eudoxie

 

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