Bayerische Staatsoper Omer Meir Wellber über "Oper für alle"

Omer Meir Wellber. Foto: Felix Broede

„Oper für alle“: Omer Meir Wellber dirigiert das Konzert des Staatsorchesters auf dem Max-Joseph-Platz

 

Die Opernfestspiele werden am heutigen Samstag mit einem Gratis-Konzert vor dem Nationaltheater eröffnet. Das Jugendorchester Attacca spielt erst Dmitri Schostakowitschs „Festliche Ouvertüre“. Dann folgt ein russisches Programm mit dem Bayerischen Staatsorchester unter Omer Meir Wellber: Auf Prokofjews „Symphonie classique“ folgen Opernarien mit der Sopranistin Ekaterina Siurina. Als Höhe- und Schlusspunkt gibt es Tschaikowskys Vierte.

AZ: Herr Wellber, spielt ein Orchester an der frischen Luft anders als im Nationaltheater?
OMER MEIR WELLBER: Wir spielen, wie wir spielen. Manche Musiker denken, man müsse das Espressivo bei einem Open Air übertreiben. Aber das wird auf Dauer langweilig. Nach meiner Erfahrung springt das Publikum in dieser Situation eher auf Leises an.

Warum haben Sie ein dezidiert russisches Programm ausgesucht?
Eine spontane Entscheidung. Russische Musik ist Oper ohne Oper. Mit Tschaikowsky kann man etwas erzählen.

Welche Geschichte erzählt Tschaikowskys Vierte?
Man denkt – und Gott lacht. Die ersten drei Sätze umkreisen die Frage, was man mit seinem Leben anfangen könnte: Kampf im ersten Satz, eine individuelle, persönliche Tragödie im zweiten. Dann das Scherzo mit einem Hauch von Mandolinenorchester und Banda. Man denkt, man überlegt, man entscheidet. Und dann, im letzten Satz, lacht Gott.

Was interessiert Sie an Tschaikowsky? Das Elegante oder das Gefühl?
Eher das Experimentelle. Ich habe eben in Sao Paulo die „Manfred“-Symphonie dirigiert, ein Stück nach einem Poem von Lord Byron. Tschaikowsky fühlte sich zu Anti-Helden hingezogen. Berlioz war der Stoff zu finster, und auch Richard Strauss hätte so etwas nie komponiert. Tschaikowsky gilt als Klassizist, weil manches an seiner Musik sehr symmetrisch gebaut ist. Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Dirigieren Sie Prokofjews „Symphonie classique“ als Kontrast oder wegen der Gemeinsamkeiten?
Für eine erste Symphonie ist das Stück wirklich brillant. Das Geniale ist die Kürze. Ein mittelmäßiger Komponist hätte die Themen auf 40 Minuten ausgewalzt. Prokofjew hat erkannt: Ich habe ein fantastisches Material und gute Melodien. Aber für 12 Minuten.

Max-Joseph-Platz, Sa, ab 20 Uhr, Eintritt frei. Glasflaschen, Stühle, Hocker, Kinderwägen und sperrige Gegenstände sind nicht erlaubt, nur Regenschirme. Bitte öffentliche Verkehrsmittel benutzen!
Das Konzert wird auf Facebook live begleitet.

 

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