Bayerische Allianzen FC Bayern: Wer noch zu Niko Kovac hält, und wer nicht

Trainer Niko Kovac vor der Abreise des FC Bayern nach Athen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Für die Bayern gilt es bei Olympiakos Piräus, wieder in die Erfolgsspur zu finden. "Wollen Sie uns eine Krise einreden?", poltert Hoeneß. Doch Trainer Kovac hat nicht nur Fürsprecher. Eine Analyse der AZ.

 

München - Wenn einer für Niko Kovac in der aktuellen Situation in die Bresche springt, dann Uli Hoeneß – das war klar. Vor dem Abflug des FC Bayern nach Athen vor dem Champions-League-Spiel am Dienstag bei Olympiakos Piräus (21 Uhr, Sky) holte der Vereinspräsident zu einer Verteidigungsrede für seinen Trainer aus, indem er die Offensive des Meisters kritisierte. Es ginge um "die Einstellung", sagte Hoeneß am Flughafen: "Man muss geil sein auf die Tore." Beim 2:2 in Augsburg hatten die Bayern vor dem Ausgleich in der Nachspielzeit etliche hochkarätige Chancen vergeben.

Uli Hoeneß stärkt Niko Kovac den Rücken

Und so muss man den schlechtesten Saisonstart seit neun Jahren verkraften. Kaum ist der Herbst da, kriselt es wieder beim Meister. Alle Jahre wieder. Das Wort Krise löste bei Hoeneß eine heftige Reaktion aus. "Auf so einen Käse gibt’s keine Antwort", sagte der 67-Jährige zunächst, um dann loszupoltern: "Wir sind einen Punkt hinter dem Ersten. Wollen Sie uns eine Krise einreden? Bis auf die Torausbeute bin ich mit allem zufrieden. Ich würde mir Sorgen machen, wenn wir keine Chancen hätten. Wenn wir wie in Augsburg Tontauben schießen, dann mach ich mir normalerweise keine Sorgen."

Womit nach dem energischen Auftritt klar ist: Hoeneß macht sich a) Sorgen – und liefert b) eine öffentliche Rückendeckung für Kovac. Wobei er Kovac quasi gleich die Aufstellung diktierte. "Die Abwehrproblematik wird sich demnächst erledigen, wenn der Javi Martínez auf der Sechs spielt. Dann kriegen wir sowieso in Zukunft weniger Gegentore."

Und was sagt Kovac dazu? "Der Präsident hat niemanden gefordert. Ich stelle die Mannschaft auf. Ich tausche mich mit Uli oft aus. Der Javi hat es in Augsburg sehr, sehr gut gemacht. Aber auch da haben wir zwei Gegentore kassiert."

Niko Kovac: "Wir spielen nicht schlecht"

Nur einen Punkt beträgt der Rückstand der Bayern als Dritter auf Tabellenführer Gladbach, andererseits liegt man mit lediglich 15 Punkten nur einen Zähler vor dem Neunten Leverkusen. "Ich sehe dieses Theater in der Bundesliga nicht, was da wieder gemacht wird. Wir spielen nicht schlecht, aber wir spielen auch nicht konsequent genug." Man achte auf die Formulierung: nicht schlecht.

Dennoch bleibt Hoeneß, der bei der Entscheidungsfindung im Frühjahr 2018 kontra Thomas Tuchel und pro Kovac war, bei seinem Rückhalt für den Trainer. Immer an Hoeneß’ Seite: Hasan Salihamidzic. Der Sportdirektor, dem eine baldige Beförderung zum Sportvorstand winkt, ist seit eh und je ein Verbündeter von Kovac. Doch dank seiner guten persönlichen Jobaussichten muss er sein Wohl und Wehe im Verein künftig nicht mehr an des Trainers Schicksal knüpfen. Am Montag pflichtete er Hoeneß bei: "Von einer Krise kann ja keine Rede sein!"

Welche Spieler stehen hinter Kovac?

Doch wie viel Unterstützung hat Kovac aus der Mannschaft? Natürlich sind die Neuzugänge Benjamin Pavard, Lucas Hernández und vor allem Philippe Coutinho froh über die Startelf-Garantie, des Trainers. Nach dem wackligen 3:2 bei Bisher-ein-Pünktchen-Aufsteiger Paderborn hatte Joshua Kimmich gesagt: "Wir laufen unserem Anspruch hinterher." Mit der Art, selbst bei Erfolgen, sei "kein Spieler zufrieden". Als Kimmich nach dem Saisonauftakt gegen Hertha (2:2) die für ihn zu späten Auswechslungen in der Kabine kritisierte, gab es eine Aussprache samt Entschuldigung – ohne Geldstrafe.

In seinem zweiten Jahr in München agiert Kovac rigoroser. Nach einem schwachen Auftritt setzte er Spielmacher Thiago bei Tottenham (7:2) auf die Bank – ein Denkzettel, eine Machtdemonstration. Wie im Fall Thomas Müller, dessen Abwanderungsgedanken nach sechs Partien zu Anpfiff auf der Bank verständlich sind. Auch wenn der Stürmer zu den Kovac-Kritikern gehört, macht er seinem Frust öffentlich nur dezent Luft. Innenverteidiger Jérôme Boateng, wie Müller im Grunde nur Notnagel – das jedoch vom Trainer unausgesprochen – schweigt. Doch zwei gescheiterte Wechsel sprechen Bände.

Einer hält sich momentan mit Aussagen zurück: Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, letzte Saison Kovacs größter Kritiker, weil er ihm trotz des Doubles eine Jobgarantie verwehrte. Er habe sich "ein Schweigegelübde" auferlegt, so Rummenigge. Eine gefährliche Stille – für Kovac.

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