Bayer in Los Angeles Falscher „Rockefeller“: Mordstrafmaß erst im August

Wurde zunächst als falscher Rockefeller berühmt und ist nun wegen Mordes angeklagt: Der gebürtige Bayern Christian Karl Gerhartsreiter (52) Foto: dpa

Ein kürzlich als Mörder verurteilter Deutscher, der sich in den USA als „Rockefeller“ ausgab, macht wieder Schlagzeilen. Der Bayer will seine Anwälte feuern. Das Mordstrafmaß soll er im August erfahren.

 

Los Angeles - Aufschub für den falschen deutschen „Rockefeller“, der im April in einem Mordprozess in Kalifornien schuldig gesprochen wurde. Der Richter in Los Angeles habe die Verkündung des Strafmaßes für Christian Karl Gerhartsreiter (52) auf Mitte August vertagt, sagte ein Gerichtssprecherin am Donnerstag.

Ursprünglich sollte der gebürtige Bayer am nächsten Mittwoch (26. Juni) die Höhe seiner Strafe erfahren. Ihm droht eine Haft zwischen 26 Jahren und lebenslang. Ein Geschworenengericht hatte Gerhartsreiter schuldig befunden, vor 28 Jahren den Sohn seiner Vermieterin getötet zu haben.

Der Deutsche lebte in den 80er Jahren unter dem Namen Christopher Chichester in Kalifornien. Später gab er sich auch als „Clark Rockefeller“ aus und nahm weitere falsche Namen und Identitäten an.

Bei einem kurzen Gerichtsauftritt am Donnerstag teilte Gerhartsreiter mit, dass er seine Anwälte entlassen habe. Er wollte sich bei den weiteren Schritten vor Gericht selbst vertreten. Er sagte auch, dass er einen neuen Prozess beantragen wolle. Es gäbe neue Beweise in dem Fall, machte er laut „Los Angeles Times“ geltend.

Das Mordopfer, John Sohus (27), und dessen Frau Linda waren 1985 spurlos verschwunden. Gerhartsreiter lebte damals in einem Gästehaus auf dem Grundstück der Sohus-Familie. Die Leiche des Mannes wurde neun Jahre später bei Bauarbeiten im Garten seines Elternhauses gefunden, sie konnte erst 2008 mit neuen DNA-Methoden identifiziert werden. Von der Frau fehlt bis heute jede Spur. Nach dem Verschwinden des Paares siedelte der Deutsche an die US-Ostküste um, wo er unter verschiedenen Namen lebte, darunter auch „Clark Rockefeller“.

Nach einer gescheiterten Ehe und einem Sorgerechtsstreit war Gerhartsreiter in Boston (Massachusetts) ins Visier der Behörden geraten. Wegen der Entführung seiner damals siebenjährigen Tochter war er 2008 zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Danach folgte die Mordanklage in Kalifornien. Es gab keine direkten Beweise – wie Blutspuren oder Augenzeugen -, die den Deutschen mit dem Verbrechen in Verbindung brachten. In dem Indizienprozess wurde Gerhartsreiter von der Anklage als kaltblütiger Mörder und Betrüger dargestellt.

 

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