Baustellen, Staus, Unfälle Das Münchner Verkehrschaos aus Sicht der MVG

Verkehrskollaps in München: auch die Busse schleichen mit Foto: Daniel von Loeper

In München kommt regelmäßig der Straßenverkehr zum Erliegen und mit ihnen die Buslinien der MVG. Der Groll der Fahrgäste ist groß, die Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaft arbeiten tagtäglich am Anschlag.

 

München - Hupen, schieben, fluchen - aber vor allem: stehen. Wer sich dieser Tage mit einem Auto auf Münchens Straßen fortbewegen muss, der plant mehr Zeit ein und nimmt am besten auch ein extradickes Fell für die Nerven mit. Die Isarring-Baustelle an der Einmündung der Ifflandstraße lässt täglich den Berufsverkehr kollabieren. Ortskundige Autofahrer oder die mit Navi weichen über den ohnehin stark belasteten Mittleren Ring aus und schon geht's im ganzen Stadtgebiet nur noch im Schneckentempo voran. Lassen Sie dann noch an einer ungünstigen Stelle einen Unfall passieren, wie am vergangenen Freitag kurz vor dem Trappentreutunnel und der Kollaps weitet sich sogar bis auf die umliegenden Autobahnen aus.

Auch die Busse stecken im Stau

Und mittendrin: Die Busse der MVG. Während U- und S-Bahnen weitgehend unabhängig vom Verkehr ihre Fahrpläne einhalten können, sind es vor allem Busse, die zu Spielbällen der Blechlawine werden. Die aktuellen Problemkinder sind die Linien 50, 54, 59, 188 und 189. "Hier müssen Fahrgäste mitunter schon mal 20 oder sogar 30 Minuten auf den nächsten Bus warten", sagt MVG-Sprecher Matthias Korte. 

Klar, das nervt. Aber noch weniger gern als in der Haut der Autofahrer möchte man in der der Busfahrer stecken. Denn sie sind es, die den Unmut der Münchner am unmittelbarsten zu spüren bekommen - und das zu Unrecht, findet Matthias Korte. "Stellen Sie sich mal vor, Sie sitzen jeden Tag acht Stunden lang am Steuer eines zwölf bis 23 Meter langen, tonnenschweren Ungetüms im Stop-And-Go-Verkehr." Wer diesen Gedanken kurz mal wirken lässt, dem bleibt der nächste kluge Spruch im Hals stecken.

Der Hauptgrund für das tägliche Geschiebe: Die Baustelle an der Ifflandstraße

Was tut die MVG gegen das Stauchaos?

Doch es sind nicht nur die Fahrer, die im Staufall gehörig ins Schwitzen kommen. Auch in der Leitstelle Bus und Tram in der MVG-Zentrale in der Emmy-Noether-Straße, wo in engem Austausch mit der U-Bahn-Betriebszentrale der gesamte Tram- und Busverkehr überwacht und gesteuert wird, rauchen Computer und Köpfe.

Hier läuft alles zusammen. Hier bekommen die Fahrer ihre Anweisungen, werden je nach Auslastung veranlasst, früher zu wenden oder zwischen bestimmten Haltestellen zu pendeln, um wenigstens die freien Streckenabschnitte zu bedienen. "Wir haben auch bei einigen betroffenen Linien bereits zusätzliche Busse im Einsatz", erklärt Korte. "So können wir die Pufferzeiten an den jeweiligen Endstationen, wo die Fahrzeuge wenden, verlängern und mit diesem Zeitpolster dann Verspätungen wieder aufholen." Rund um den aktuellen Stau-Hotspot Isarring geht's aber so zäh zu, dass teils selbst Pufferzeiten von bis zu 30 Minuten nicht ausreichen.

Neben der möglichst reibungslosen Beförderung der Fahrgäste muss die Leitstelle zudem einen weiteren Faktor beachten: die Gesundheit ihrer Fahrer. Strenge Lenkzeiten-Regelungen sehen nämlich vor, dass jeder Fahrer nach spätestens vier Stunden eine kurze Pause machen muss. Wenn da gleich mehrere Busse im Stau stehen, kommt schnell mal der Wurm rein.

"Uns ist bewusst, dass wir mit diesen Maßnahmen nicht alle Fahrgäste glücklich machen können. Vor allem, diejenigen, die in stark frequentierten Bereichen auf den Bus warten oder wegen vorzeitiger Wendungen nicht ans gewünschte Ziel gelangen. Da müssen unsere Mitarbeiter von Fall zu Fall den besten Kompromiss finden", sagt Korte entschuldigend.

MVG hofft auf Nachsicht - und informiert zeitnah über Internet und App

Betroffenen Fahrgästen rät die MVG deshalb derzeit, sich zeitig aufzumachen und sich regelmäßig zu informieren. Die Zentrale informiert in Echtzeit über bekannte Störungen auf Twitter, per App (iOS-Version, Android-Version), Lautsprecherdurchsagen und Anzeigen an den Haltestellen.

Besserung ist ja bereits ins Sicht: Die Isarring-Baustelle soll ab 14. Oktober weitgehend abgeschlossen sein. Dann flutscht's im Osten wieder besser und das wirkt sich freilich auch auf die anderen Hauptverkehrsadern aus.

Und vielleicht nehmen Sie es ab sofort ja auch ein wenig gelassener, wenn Sie das nächste Mal auf einen verspäteten Bus warten. Der jeweilige Fahrer würde sich über ein Lächeln beim Einsteigen mit Sicherheit freuen.

 

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