Baustelle in Harlaching "Der Fußboden vibriert, der Kühlschrank summt"

An der Ecke Naupliastraße, gleich gegenüber der beiden Supermärkte, entsteht ein schickes neues Gebäude. Und dafür drischt ein monströser Bohrer riesige Stahlträger in die Erde. Foto: mak

Ohrenbetäubender Lärm morgens um halb acht: Ein grünes Monstrum in der St.-Magnus-Straße lässt die Erde vibrieren. An der Ecke Naupliastraße entsteht ein schickes neues Gebäude.

 

Harlaching - Es fühlt sich an, als ob das Haus in eine Rüttelanlage geschoben worden wäre. Der Fußboden vibriert, die Kühlschranktür gibt summende Geräusche von sich. „Erst dachten wir, es gäbe vielleicht ein Erdbeben“, sagt der Harlachinger Arthur M., und muss dabei lachen. Nein, so schlimm war es nun nicht. „Aber ein bisschen komisch schon.“

Die Erde zum Beben, wenngleich nur in zwei, drei Straßen im Münchner Süden, bringt in diesen Tagen ein grünes Monstrum in der St.-Magnus-Straße. An der Ecke Naupliastraße, gleich gegenüber der beiden Supermärkte, entsteht ein schickes neues Gebäude.

Und dafür drischt ein monströser Bohrer riesige Stahlträger in die Erde. Mit ohrenbetäubendem Lärm, vor allem aber mit Auswirkungen auf die Umgebung: Die Erde vibriert, die Häuser tun es auch. Und das morgens um halb acht.

Der Bauträger „Bauwerk Capital“ zieht dort ein typisches Harlachinger Neubauprojekt hoch. Auf einem großen Grundstück an der St. Magnus-Straße, auf dem einst ein kleines Häuschen aus den 30er-Jahren und ein großer Garten standen, entsteht nun ein riesiger Klotz in zeitgemäßer Vierkant-Architektur.

Die Harlachinger kennen dieses Modell zu Genüge. In jeder zweiten Straße müssen charmante alte Häuser mit steilen Giebeln solchen Rendite-optimierten Flachbauten weichen.

Auf der Bautafel und auf der Webseite des Bauträgers wird das Haus freilich als luxuriöse Penthouse-Schönheit gepriesen – mit „hochwertiger Ausstattung und kontrollierter Wohnraumlüftung“, wie es in schönster Immobilien-Prosa heißt.

Das hat seinen Preis. Eine 4-Zimmer-Wohnung kostet genau 892 050 Euro. Arthur M. ist gespannt, wie lange das morgendliche Vibrieren noch weitergeht. „Ist ja eigentlich okay, dann brauche ich keinen Wecker zu stellen.“

 

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