Basketball-Playoffs Nach bayerischer Protest-Bewegung: Sieg gegen Ludwigsburg

, aktualisiert am 19.05.2016 - 22:37 Uhr
Den Münchnern wurde kurz vor Schluss ein Korb aberkannt - dagegen hatten sie Protest eingelegt. Foto: dpa/az

Am Donnerstag Im Streit um das verlorene vierte Playoffspiel der Bayern-Basketballer gegen Ludwigsburg legt der Klub nun nach. Laut Marko Pesic sei alles korrekt gelaufen. „In erster Linie ein Formfehler der BBL.“

 

Die entscheidenden Spiele der Best-of-five-Serien der Playoffs bieten ja sportlich an sich schon genug Brisanz. Doch das fünfte Viertelfinal-Duell zwischen dem FC Bayern und den Riesen Ludwigsburg hat es aufgrund der Vorgeschichte besonders in sich.

Zunächst ist festzuhalten, dass der FC Bayern das sogenannte Do-or-die-Spiel mit 87:76 (42:41) gewann und sich so auch in der Serie mit 3:2 durchsetzen konnte. Damit kommt es für das Team von Trainer Svetislav Pesic in der Vorschlussrunde zum Duell mit Favorit Brose Baskets Bamberg - es ist die Wiederauflage des Endspiels von 2015. Beste Werfer für die Bayern waren Anton Gavel mit 24 Punkten und Nihad Djedovic (18). Den Ludwigsburgern reichten 23 Zähler des starken Centers Jon Brockman nicht für den Auswärtserfolg.

Für die besondere Brisanz hatte aber vor allem Spiel vier, das Ludwigsburg mit 73:69 gewann, gesorgt. Nachdem den Münchnern wenige Sekunden vor dem Ende dieser Partie zu Unrecht ein Korb aberkannt worden und dabei der Videobeweis „Instant Replay“ regelwidrig verwendet worden waren, hatten die Bayern Protest eingelegt.

Die BBL gab in einer offiziellen Mitteilung sogar sowohl zu, „dass sich der Ball bereits im Korb befunden habe“, als auch, dass „gemäß der Regularien der Einsatz von ‘Instant Replay’“ in einer solchen Szene „nicht vorgesehen“ sei. „Die BBL hat also eingeräumt, dass das Spiel unter einer Regelverletzung des Schiedsrichters zu Ende gespielt wurde“, sagt FCBB-Sportdirektor und -Geschäftsführer Marko Pesic der AZ.

Der Protest der Bayern wurde aber dennoch abgelehnt, aufgrund eines vermeintlichen Formfehlers. Die BBL verstecke sich hinter „einer juristischen Spitzfindigkeit“, sagt Pesic: „Mir war klar, dass die Personen, die die Entscheidung treffen, nicht die Sachentscheidung in den Vordergrund stellen werden, damit es kein Wiederholungsspiel gibt – auch aufgrund von Terminstress.“

Schließlich waren Spiel fünf für gestern Abend und das erste Halbfinalspiel des Siegers für Sonntag bei den Brose Baskets Bamberg bereits terminiert. Nach AZ-Informationen soll die BBL Stunden vor der offiziellen Entscheidung einem der beteiligten Teams gegenüber die Option in den Raum gestellt haben, eine Wiederholung von Spiel vier auszutragen, jedoch erst nach der fünften Partie vom Donnerstag.

Für den FCBB hätte diese angebliche Option allein deshalb nicht in Frage kommen können, weil er so den Heimvorteil im dann entscheidenden Spiel der Serie hätte aufgeben müssen.

BBL-Spielleitung: Protest "unzulässig"

Dass der Protest „unzulässig“ ist, begründete die BBL-Spielleitung nach Rücksprache mit dem Kommissar damit, dass dieser nicht von Chefcoach Svetislav Pesic oder Kapitän Bryce Taylor angemeldet worden sei, sondern zunächst von Assistenztrainer Philipp Köchling. Auf der Rückseite des Spielberichtsbogens ist aber ein von Taylor unterzeichneter Protest vermerkt sowie vom ersten Schiedsrichter per Unterschrift bestätigt; von Köchling ist nicht die Rede.

„Es kann doch nicht die nachträgliche Aussage eines Kommissars Grundlage für die Entscheidung sein, wenn es eine gegenteilige, von ihm selbst verfasste und vom 1. Schiedsrichter abgezeichnete Notiz auf dem offiziellen Spielberichtsbogen gibt, der ja wie eine Urkunde des Spiels anerkannt wird“, sagt Pesic, „und warum weist der technische Kommissar nicht darauf hin, dass etwas streng formal fehlerhaft abgelaufen sein könnte?

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Das wäre gemäß den Vorschriften seine Pflicht und Aufgabe gewesen.“ Im Kampfrichterhandbuch steht bei dessen Aufgaben, dass er bei „Ablauf und Organisation behilflich“ ist: „Es wird von ihm erwartet, dass er die Mannschaften im Falle von Unstimmigkeiten informiert und sie hinsichtlich der einzuschlagenden Verfahrensweise berät.“

In erster Linie habe „die BBL nicht nur einen Fehler begangen“, sagt Pesic: „Nach allem, was vor zwei Jahren passiert ist, werden wir diesmal ganz genau überlegen, wie weit wir juristisch gehen – und zwar unabhängig vom Ausgang von Spiel fünf.“

Im Bayern-Meisterjahr 2014, ebenfalls im vierten Duell des Playoffviertelfinales in Ludwigsburg und nach einem Schiedsrichterfehler, hatte die BBL erstmals überhaupt einen (FCBB-)Sieg annulliert und ein Wiederholungsspiel angesetzt. „Ich habe schon vor zwei Jahren gesagt: ‘Ihr habt die Büchse der Pandora geöffnet und die Schiedsrichter angreifbar gemacht’“, sagt Pesic.

Nach dem Vorfall wurde der Videobeweis eingeführt. „Wir werden das dieses Mal nicht einfach so stehen lassen und lassen uns das nicht mehr gefallen“, stellt Pesic klar: „Das sind wir unseren Spielern schuldig.“ Bayern hat bis Samstag Zeit, gegen den abgewiesenen Protest in Berufung zu gehen.

 

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