Basketball-EM: Interview mit dem Meistertrainer Wie wird man Europameister, Herr Pesic?

Svetislav Pesic (links) und die EM-Sieger in München. Foto: Rauchensteiner

Der Serbe führte Deutschlands Basketballer 1993 zum Titel. Hier spricht er über den Weg zum Erfolg, Dirk Nowitzki und die DBB-Chancen

 

AZ: Herr Pesic, wie wird man eigentlich Basketball-Europameister?


SVETISLAV PESIC: Mit Kontinuität. Ohne Kontinuität gibt es keinen Erfolg. Ein Jahr vor der EM haben wir in der Qualfikation für die Olympischen Spiele 1992 in Barcelona viele große Nationen geschlagen. Kroatien und Griechenland zum Beispiel. Und bei Olympia haben wir Spanien besiegt. Das hat uns eine Menge Selbstvertrauen gegeben.

Trotzdem kam der EM-Sieg eher überraschend, mit einem 71:70-Sieg im Finale gegen Russland.


Für viele mag das ein Wunder gewesen sein. Für uns nicht. Wir hatten eine sehr gute Mannschaft und mussten uns vor niemandem verstecken.

Wer waren die entscheidenden Personen?


Der Trainer! Der Trainer muss immer der Anführer sein (lacht). Aber wichtig waren auch Henning Harnisch mit seiner internationalen Erfahrung, oder Christian Welp, der die entscheidenden Punkte im Finale gemacht hat. Wir hatten keinen Star wie Dirk Nowitzki oder auch Chris Kaman. Aber jeder Spieler hatte eine wichtige Rolle.

Was trauen Sie der jetzigen deutschen Mannschaft zu?


Man muss schon sagen, dass sie eine echte Hammergruppe erwischt haben, die schwerste von allen. Israel, Italien, Frankreich, Serbien – da gibt es keine Garantie für nichts. Man muss von Runde zu Runde weitersehen.


Sie sind gebürtiger Serbe, haben aber über Jahrzehnte in Deutschland gearbeitet. Wem drücken Sie im Spiel gegeneinander am 4. September die Daumen?


Als Trainer bekommt man einen anderen Blick für die Spiele, da ist man nicht mehr so sehr Fan. Wenn Novak Djokovic gegen Boris Becker Tennis spielen würde, dann würde ich auf jeden Fall zu Djokovic halten. Aber was Basketball betrifft: Hoffen wir einfach, das Spiel ist nicht entscheidend und beide Mannschaften kommen weiter. Dann muss ich mich nicht entscheiden. Ich bin Serbe, aber fühle mich auch als Teil des deutschen Basketballs.


Der Schwiegersohn spielt schließlich auch mit...


Ja, ich freue mich, dass Jan (Jagla, ist mit Pesics Tochter Ivana verheiratet, d. Red.) dabei ist. Er hilft dem Team.

Welche Mannschaft ist Ihr Favorit für den EM-Sieg?


Spanien. Wenn ich mich auf eine Mannschaft festlegen muss, dann auf jeden Fall Spanien. Und Litauen würde ich nicht unterschätzen – eine erfahrene Mannschaft und sie haben den Heimvorteil.


Welche Spieler muss man neben Nowitzki und Kaman besonders im Auge haben?


Tony Parker aus Frankreich, er und kann Spiele alleine entscheiden. Spanien hat die Brüder Marc und Pau Gasol..

Wer käme hier bei Deutschland in Frage?


Robin Benzing und Tibor Pleiß. Die beiden sind die Stars von morgen und Zukunft des deutschen Basketballs.

Schauen Sie in der kommenden Saison eigentlich auch mal beim FC Bayern mit ihrem Sohn Marko vorbei?


Ich werde München auf jeden Fall besuchen!

 

0 Kommentare