Bankeinbruch in Berlin Wer sind die Diebe, die durch den Tunnel kamen?

Links, wo die Männer stehen, geht’s rein in den Tunnel. Der Sandberg rechts ist nur ein kleiner Teil des Erdreichs, das die Tunnel-Bauer ausgegraben haben. Foto: dapd

Auf der Suche nach den Gangstern verfolgt die Polizei viele Spuren. Jetzt könnten selbst die filmischen Nachrufe auf Dirk Bach hilfreich sein

 

BERLIN Monatelang nahm in der Berliner Volksbank im Viertel Steglitz alles seinen gewohnten Lauf: Morgens sperrten die Angestellten die Filiale auf, bedienten Kunden, fuhren abends heim. Ahnungslos, dass sich in dieser Zeit unter ihren Füßen einer der größten Einbruch-Coups in der Geschichte der Stadt anbahnte. Und zwar in Form eines 45 Meter langen und eineinhalb Meter hohen Stollens, der von der benachbarten Tiefgarage schnurstracks auf den Tresorraum zuführte.

Das böse Erwachen kam am zweiten Januarwochenende, als die Tunnel-Bauer ein Loch in die Wand zum Tresorraum schlugen und ein Schließfach nach dem anderen ausräumten. Seitdem rätselt die Polizei, mit wem sie es zu tun hat. Mit Tätern aus der Baubranche? Oder aus Polen, wofür die ausländischen Wasserflaschen am Tatort sprechen?

Keinen Zweifel gibt es daran, dass die Tat von langer Hand geplant war. Im Februar 2012 mietete ein Mann einen Parkplatz in der Tiefgarage neben der Bank. Gut versteckt hinter einem Rolltor startete dort der Stollenbau. Meter für Meter ging’s voran, die Erde wurde zum großen Teil abtransportiert. Für Experten ist klar: Dafür dürften die Täter viele dutzende Fahrten gebraucht haben. Dass sie trotzdem unbemerkt blieben, liegt an der besonderen Lage der Bank: Weil sie alleine steht, blieben Lärm und Vibrationen wohl unbemerkt.

„Das waren keine Anfänger, die mal eine Sandburg buddeln”, musste die Polizei eingestehen. Noch keine Erklärung gibt es dafür, wie es den Gangstern gelang, so zielgerichtet auf den Tresorraum zu stoßen. War es Zufall? Oder hatten die Täter Insiderinformationen?

Dafür würde auch das Vorgehen beim Einbruch in den Tresorraum mit den 1600 Schließfächern sprechen: Obwohl nur die Hälfte davon in Benutzung war, knackten die Täter größtenteils vermietete Fächer. Nach 294 hörten sie auf. Und auch das lässt mindestens zwei Deutungen zu: Entweder sie wurden gestört und mussten abbrechen. Oder die Beute war ausreichend. Endgültig geklärt wird das wohl erst, wenn sich alle Schließfachbesitzer gemeldet haben.

Bleiben die Spuren, die die Täter hinterlassen haben. Denn das Feuer, das sie zum Ende der Aktion legten, zerstörte nicht alles. Stattdessen fand die Polizei Fingerabdrücke und Genmaterial. Ob sie wirklich den Tätern gehören?

Immerhin haben die schon einmal bewiesen, dass sie auch ganz bewusst falsche Fährten legen können: Mit dem falschen Passbild, das diese Woche zu einer Polizei-Panne führte. Ein paar Stunden lang wurde damit diese Woche öffentlich nach einem „Verdächtigen” gesucht. Doch dann kam raus: Abgebildet war ein Uni-Mitarbeiter aus Wuppertal, der vor einigen Jahren das Foto in seinem Internet-Blog veröffentlicht hatte. Von dort müssen es die Täter kopiert und auf einen gefälschten niederländischen Pass geklebt haben, mit dem sie schließlich den Garagenstellplatz mieteten.

Hilfe sollen jetzt auch Journalisten liefern. Als Dirk Bach im Herbst starb, positionierten sich viele Filmteams vor dem Schlossparktheater, das gegenüber der Bank liegt. Könnte auf einem der Filmbänder womöglich das Auto der Tunnelgangster auf dem Weg in die Garage zu sehen sein? Womöglich die Täter selbst?

 

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