Band spricht über Terror-Anschlag Eagles of Death Metal: "Sehr viele haben sich vor andere gestellt"

Menschen trauern am Bataclan um die insgesamt 89 Todesopfer. Foto: dpa

Die Musik-Fans im Bataclan wollten ihre Freunde vor den Terroristen schützen. Das erzählt die Band Eagles of Death Metal in ihrem ersten Interview nach dem Anschlag – unter Tränen.

 

Paris - Sie sind harte Kerle, Rocker durch und durch: die Eagles of Death Metal. Frontmann Jesse Hughes ist Waffennarr, er soll sogar Maschinengewehre bei sich zuhause liegen haben. In einem früheren Interview sagte er einmal recht leicht dahin: „Wenn du Frieden willst, musst du dich auf den Krieg vorbereiten.“ Scheinbar furchtlose Worte. Man mag denken, ihn und seinen Band-Kollegen Joshua Homme haut nichts um.

Doch der Anschlag auf die Bataclan-Konzerthalle in Paris hat die beiden US-Musiker umgehauen, hat sie sichtlich gebrochen. Und zwar so sehr, dass sie vor laufenden Kameras mit den Tränen kämpfen, die Stimme von Jesse Hughes zittert, sie bricht immer wieder.

Der Band gelingt die Flucht durch den Hinterausgang

Zum ersten Mal haben Jesse Hughes (43) und Joshua Homme (42) nun über die Terror-Nacht in Paris gesprochen. „Vice“-Gründer Shane Smith hat sich diese Woche mit Hughes und Homme zusammengesetzt und „über die gesprochen, die sie verloren haben, und darüber, was in dieser Nacht geschehen ist, und haben versucht herauszufinden, was sie – und wir – als Nächstes machen können“, so kündigt das „Vice“-Magazin das exklusive Gespräch mit den beiden Musikern an.

In voller Länge soll das Video-Interview in dieser Woche veröffentlicht werden, ein kleiner Ausschnitt von 55 Sekunden ist aber schon herausgegeben worden. 55 Sekunden, die die ganze Todesangst, den Horror, eindringlich beschreiben.

Jesse Hughes Blick ist in dem Video abwesend, er hält seinen Kopf weitgehend gesenkt, während er erzählt, wie die Fans der Band von den Islamisten brutal hingemetzelt wurden. Der Rocker kämpft mit seiner Fassung. Sein Kollege Homme sitzt daneben, geradezu erstarrt.

Die Eagles of Death Metal spielen am Freitag, 13. November, gerade den sechsten Song ihres Konzerts in Paris. Die Halle ist ausverkauft, sie werden von den Fans gefeiert. Dann fallen plötzlich Schüsse. Die Band wirft sich auf den Boden, flieht dann durch die Hintertür von der Bühne. Während die Musiker sich in Sicherheit bringen können, gelingt das vielen ihrer Fans, ihrer Freunde und Mitarbeiter nicht.

Ein Kind überlebt, weil es sich unter einer Lederjacke versteckt

„Die Leute haben sich totgestellt und hatten Todesangst“, beschreibt Hughes den Abend. 89 Menschen werden im Bataclan getötet. „Ein Hauptgrund dafür, dass so viele Menschen getötet wurden, ist die Tatsache, dass sie ihre Freunde nicht zurücklassen wollten und sehr viele Menschen haben sich vor andere gestellt, um sie zu schützen.“ Hughes weint bei diesen Worten beinahe.

Die Fans suchen laut Hughes auch Zuflucht im Backstage-Bereich der Eagles of Death Metal. „Mehrere Menschen versteckten sich in unserer Umkleide, aber die Mörder verschafften sich Zutritt und töteten alle, abgesehen von einem Kind – das sich unter meiner Lederjacke versteckte“, so der Frontmann. Unter den 89 Toten ist auch ein Mitarbeiter der Band, Nick Alexander. Der 36-Jährige aus Großbritannien verkauft Fan-Artikel, steht ganz vorne am Merchandise-Stand, als die Terroristen die Halle stürmen. Auch drei Mitglieder des Platten-Labels werden erschossen.

Die Fans der Band trifft es sehr, ihre Idole so fassungslos zu sehen. Auf der Facebook-Seite der Band schreibt ein Nutzer: „Eagles of Death Metal werden nie mehr die Gleichen sein. Der arme Jesse sieht wie ein Wrack aus.“ Eine andere Frau kommentiert: „Nehmt euch die Zeit, die ihr braucht, um zu trauern und die Wunden heilen zu lassen. Wir werden auf euch warten, bis ihr wieder rocken könnt.“ Viele Fans wollen zudem den Duran Duran-Coversong „Save A Prayer“ der US-Rockband in die Charts bringen. Auf der Facebook-Seite „Eagles of Death Metal for No. 1“ rufen sie dazu auf, das Lied massenhaft herunterzuladen.

Die Band hat nach den Anschlägen bis auf Weiteres alle Termine ihrer Tour abgesagt. Sie hätte wenige Tage nach dem Paris-Konzert auch in München im Kesselhaus spielen sollen.

 

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