Band "Lustfinger" im Interview "Sechzig ist Punk, Bayern ist Celine Dion"

Die Punk-Rock-Band Lustfinger Foto: Bernhard Hornecker

„Lustfinger” spielen am Samstag beim 1860-Fanfest. Nach der Ballade „Löwenmut” haben sie nun einen kracherten Knaller geschrieben. Der Sänger sagt über seine Löwen: „Wir brauchen Kerle”

 

AZ: Servus, Tom Fock, die Löwen spielen am Freitag in Bochum und Sie mit Ihrer Punkband "Lustfinger" am Samstag beim Fanfest an der Grünwalder Straße. Ihr neuer Song „Wir sind die Löwen" klingt fetzig, Sie scheinen guter Dinge zu sein in dieser Saison?

TOM FOCK (Sänger von „Lustfinger”): Das kann man so sagen. Mir ging's um eine Initialzündung, ich will dazu beitragen, dass es mal wieder vorwärtsgeht. Unsere Ballade „Löwenmut" wird seit Jahren gespielt, aber jetzt ist es langsam mal vorbei mit dem Dahinkriechen. Wir wollen endlich mal raus aus dem Loch, wir brauchen was Lautes, was Kraftvolles, was mit dem wir uns alle identifizieren können und den anderen zeigen, wer wir sind. Deshalb die Zeile: „Wir sind die Löwen". So sehen das viele.

Wen meinen Sie?

Ich habe es zum Beispiel dem Stadionsprecher Stefan Schneider vorgestellt, der meint: „Irre, das wird der Song für die neue Saison." Wir waren uns einig, dass wir damit einen echten Knaller für Sechzig gefunden haben.

Bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft vor dem Fest nicht in Bochum verliert.

Das wäre schöner Mist. Dann kommen gleich weniger. Mit 5000 Leuten ist schon zu rechnen, es waren sogar mal 12000 da. Also ich bin mir sicher, es gibt ein 2:1 für uns und am nächsten Tag wird gefeiert.

Sie singen, 1860 sei Ihr Lebens-Elixier. Ein Aufstieg diese Saison käme einer Erlösung nach vielen Jahren zweite Liga gleich, nicht wahr?

Es wird Zeit, ja. Ich vermisse die großen Spiele schon lange. Wenn ich an früher denke, an die Aufstiege, nach so was lechzt man doch. Zum Beispiel 1978, die Relegation gegen Bielefeld. Nach dem 0:4 bei denen war schon alles vorbei, dann war ich in der Kirche, habe eine Kerze angezündet und gebetet. Wir haben 4:0 gewonnen, dann das Entscheidungsspiel in Frankfurt 2:0. Ich glaube, das war emotional das Wahnsinnigste, was ich je erlebt habe.

Letztes Jahr sang die Band „Rockaholixs" zur Wiesn-Zeit über Investor Hasan Ismaik. Der Song ging so: „Mia ham an Scheich, der ist so reich, uns ist alles gleich". Sie halten sich aus dem Thema raus?

Ich hatte bei unserem Song auch eine Zeile eingeplant, die hätte auf "... unser Scheich ist auch dabei" geendet. Aber die war mir dann zu doof, ich habe sie rausgenommen. Ich finde sein Engagement gut, seine Hilfe war notwendig. Das Doofe ist nur, dass wir bald aufsteigen müssen. Sonst ist er wieder weg, und dann: Gute Nacht! Schade nur, dass er nicht mehr Geld für den Kader investiert hat.

Sechs Zugänge sind doch gekommen. Zwei von denen, Blanco und Makos, sind wie Sie mit Tattoos übersäht. Die gefallen Ihnen sicher?

Ich finde es okay, meine Mutter fände es schrecklich. Die regt sich auch über meine auf. Aber Tattoos werden heute anders gesehen. Früher galt man als asozial oder wurde gleich als „Knacki" abgestempelt. Heute ist es Mode. Manche Leute denken, wer ein Tattoo hat, ist ein harter Kerl. Aber so ist es nicht. Wir sind Sechzig, wir brauchen Kerle.

Als Sänger einer Punk-Rock-Band lässt sich so was aber auch leichter sagen.

Ich finde, wir passen super zusammen. Sechzig ist Arbeiterklasse, Mittelschicht, Subkultur. Das ist Punk. Wir könnten uns mit unseren Tattoos nicht hinstellen und Bayern-Lieder spielen. Bayern ist viel zu seriös, Bayern ist Celine Dion. So was brauchen wir nicht. Wir sind andere Typen, leider gibt es im Fußball kaum noch echte Kerle, die laut werden und sagen, was Sache ist.

Wen hätten Sie sich denn für Sechzig gewünscht?

Einen echten Spielmacher, einen, der mal das Heft in die Hand nimmt. Einen Denker und Lenker, also einen wie Schorsch Metzger, Gerald Vanenburg, Magic Kneißl oder aber Thomas Häßler. Seitdem wir Häßler nicht mehr haben, ging spielerisch kaum noch was. Er hatte Auge, war technisch super, er war nicht umsonst Weltmeister. Schade, dass man so einen nicht im Verein einbinden konnte. An ihm hätten sich die Jungen hochziehen können, er war der perfekte Leitwolf. Ich habe ihn liebend gerne spielen sehen.

 

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