Ballettwoche Virtuoses Schachmatt im getanzten Museum

"Take Five" mit Kristen McGarrity, Anniek Soobroy and Arancha Baselga. Foto: Bill Cooper

Das Royal Birmingham Ballet serviert im Nationalheater historische Mitbringsel

 

Auf einem Schachbrett stehen sich rote und schwarze Figuren gegenüber. Sie verkörpern Liebe und Tod. Die Springer tragen ein Pferdchen auf dem Kopf. Den Türmen sind eckige Masken übergestülpt. Die schwarze Dame stolziert eitel durch den Raum. Sie weiß, dass sie unbesiegbar ist. Am Ende macht sie mit dem roten König kurzen Prozess. Sie sticht ihn nieder. Die Musik von Arthur Bliss, lautstark musiziert von der eigens mitgebrachten Royal Ballet Sinfonia unter Philip Ellis, bäumt sich auf und fällt in sich zusammen. Schachmatt!

Ninon de Valois schuf ihre Choreografie „Checkmate” vor 75 Jahren, eine Allegorie, gegliedert in eine Reihe von Episoden, deren Qualität schwankt. Das Royal Birmingham Ballet, zum ersten Mal zu Gast in München, fühlt sich diesem historischen Tanztheater verpflichtet. Wohl auch, weil das Stück einst vom Londoner Sadler's Wells Ballet uraufgeführt wurde, aus dem die Compagnie später hervorging.

Ein reichlich museales Entrée: Einerseits beeindruckte die präzise Ensemblekultur, andererseits wirkt das Bewegungsvokabular mittlerweile doch ziemlich albern.
Frederick Ashtons „Sommernachtstraum” (The Dream) von 1964 ist ebenfalls in die Jahre gekommen. Doch wie hier ohne Umschweife eine Geschichte erzählt wird, voller Charme und Poesie, das wischte alle Einwände hinweg – trotz Kinderchor und neckischen Elfen, einem Esel, der auf der Spitze tanzt, kitschigem Kostüm-Glamour und einer von John Lanchbery geschmacklos zertrümmerten Mendelssohn-Auswahl.

Um nicht völlig in Nostalgie zu ertrinken, steuerte Birmingham-Chef David Bintley seine Version einiger Jazz-Hits von Dave Brubeck bei („Take Five”). Was am ersten Abend noch etwas bieder wirkte, gewann am zweiten durch einige Umbesetzungen deutlich an Glanz, etwa durch das hinreißende Paar Céline Gittens und Tyrone Singleton. Viele seiner choreografischen Einfälle hat Bintley hier geradezu versteckt. Sie zu entdecken, machte einen Heidenspaß. 

 

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