Bär lebt heute auf einem Gnadenhof Symbolfigur für Tierschutz: Hoffen auf Bens Erbe

Autorenprofil Ruth Schormann
Der Halter verzichtet auf Ben. Foto: Animals United

Vor einem Jahr haben Tierschützer den Bären aus dem Zirkus geholt. Nun hat der bisherige Halter zugestimmt, auf das Wildtier zu verzichten, das eine Symbolfigur für Tierschutz werden könnte.

Viktor Gebhart ist am Dienstag das Herz aufgegangen. Er hat Ben besucht, einen der letzten Zirkusbären in Deutschland, den er zusammen mit seinen Kollegen vom Tierschutzverein Animals United, Veterinäramt und Polizei vor einem Jahr aus dem Zirkus im niederbayerischen Plattling befreit hat (AZ berichtete), wo er in einem dunklen Zirkuswagen gehalten wurde. Heute lebt der Braunbär im Bärenpark Bad Füssing, einem Gnadenhof.

"Bei unserem Besuch hat er Früchte gegessen und sich seines Lebens erfreut. Wir hoffen, dass er endlich, nach 22 Jahren, einfach mal Bär sein darf – auch in Zukunft", sagt Animals United-Geschäftsführer Viktor Gebhart.

Die Beschlagnahmung des Bären läuft im Eilverfahren

Denn vor Bens endgültigem Ruhestand im Bärenpark, wo er laut Aussage der Tierschützer erstmals seinen Winterschlaf halten und in einem Tümpel baden kann, stand noch eine letzte Hürde. Am 4. April sollte es nochmals eine Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Regensburg geben. Denn der Zirkus, dem Ben in einer dramatischen Rettungsaktion im vergangenen Jahr weggenommen wurde, hatte nach der Beschlagnahmung im Eilverfahren ein Recht auf ein Hauptverfahren.

Den Transportwagen bekommt der Zirkus nun zurück – Ben nicht

Doch am Mittwoch teilte das Verwaltungsgericht mit, der bisherige Halter habe auf alle Rechte an dem Tier verzichtet. Braunbär Ben darf also seinen Lebensabend auf dem Gnadenhof verbringen. Dort steht auch der Zirkuswagen, in dem das Wildtier gehalten wurde. Diesen soll der Kläger nun zurück bekommen, heißt es in der Mitteilung des Gerichts.

"Wir feiern mit Tierfreunden deutschlandweit, dass Ben nun endlich für immer zur Ruhe kommen darf und der Zirkus ihn nach über 22 Jahren Gefangenschaft endlich ziehen lässt", sagte Gebhart dazu.

Der Fall um Ben hat ganz Deutschland bewegt und der Braunbär ist zu einer Symbolfigur für alle Wildtiere im Zirkus geworden.Nun hofft Gebhart, dass es "Bens Erbe sein wird, dass endlich ein Wildtierverbot für deutsche Zirkusse kommt". Dreimal hat der Bundesrat dem Bundestag das schon vorgeschlagen, doch "einzelne Lobbyisten wie Volker Kauder von der CDU/CSU stellen sich quer", sagt Gebhart.

Dennoch könnte der Fall Ben schon etwas bewirkt haben auf dem langen Weg zum Wildtierverbot: Vier Tage nach der Befreiung des Bären im März 2016 hat der Bundesrat wieder eine Empfehlung abgegeben, die laut Gebhart einen neuen Passus enthielt: "Jeder Zirkus mit Tieren muss ein festes Winterquartier vorweisen können".

Neue Bedingung für Tierhaltung wäre ein festes Winterquartier

Ein Quartier, in dem Bären ihren artimmanenten Winterschlaf halten können und nicht, wie bei Ben geschehen, ein völlig dunkler Wagen, in dem er unversorgt und isoliert tagelang abgestellt worden war.

"Damit würden 80 Prozent der Zirkusse mit Tieren rausfallen, weil sie solche festen Winterquartiere nicht haben", sagt der Geschäftsführer des Tierschutzvereins. Der Druck auf die Bundesregierung wächst. Denn immer mehr Städte und Gemeinden wollen nicht auf ein bundesweites Gesetz warten. Über 70 Kommunen haben schon selbst Auftritts- und Platzverbote für Zirkusse mit Wildtieren auf ihren Flächen erlassen.

"Der Widerstand wächst", sagt Gebhart erfreut – das ist nicht zuletzt ein Verdienst von Braunbär Ben. Den dürfte das alles mittlerweile wenig kümmern. Er hat neben Fressen und Baden nämlich auch eine neue Liebe gefunden: Bärin Laima.

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