Lebensretter vom Lerchenauer See "Der Junge war schon ganz blau angelaufen"

, aktualisiert am 06.08.2018 - 16:16 Uhr
Askin A. (49) begann sofort mit der Reanimation. Er rettete dem 16-Jährigen das Leben. Foto: Bernd Wackerbauer

Ein Azubi geht am Sonntag im Lerchenauer See unter. Als er aus dem Wasser gezogen wird, ist er bewusstlos. Das beherzte Eingreifen eines Zeugen rettet ihm das Leben.  

Feldmoching - Azubi Mustafer B. ist ein kräftiger junger Mann. Der 16-Jährige ist groß und muskulös und wirkt älter, als er ist. Seit vier Jahren lebt er mit seiner Mutter und den fünf Geschwistern in München. In seiner Heimat, dem Irak, hat er Schwimmen nicht gelernt. Und auch seitdem nicht in München. Das hat den 16-Jährigen am Sonntagnachmittag fast das Leben gekostet.

Minutenlang suchen Familie und Helfer im Wasser nach Mustafer

Mustafer war mit Verwandten am Lerchenauer See. „Wir wollten grillen“, berichtet sein Cousin. Gegen 16.30 Uhr ging Mustafer ins seichte Wasser des Südufers, um sich dort abzukühlen. Doch der 16-Jährige unterschätzte das steil abfallende Ufer. Er geriet ins tiefe Wasser, verlor den Boden unter den Füßen und ging unter. „Plötzlich war er weg“, schildert sein Cousin die dramatischen Minuten. „Wir sind alle hingerannt, auch viele Helfer und haben überall nach ihm gesucht.“ Etwa vier Minuten sei Mustafer unter Wasser gewesen, schätzt der Cousin. Dann zogen ihn mehrere Helfer gemeinsam an Land.

Heizungsbauer Askin A. (49) war einer von ihnen. Er hatte die Menschenansammlung gesehen und Schreie gehört. Er lief hin, um zu helfen. „Die Stimmung war panisch, alle wollten helfen, aber keiner wusste so recht, wie“, erzählt der Retter. Askin A. half, den 16-Jährigen an Land zu tragen. „Der Junge war schon ganz blau angelaufen.“ Askin A. begann sofort mit der Reanimation – noch bevor die Helfer der Wasserwacht eintrafen.

„Ich habe seine Zunge nach unten gedrückt und mit der Mund-zu-Mund-Beatmung begonnen. Dann habe ich ihm auch auf die Brust gedrückt — so wie ich es in der Fahrschule beim Erste-Hilfe-Kurs gelernt habe.“

Die Reanimation war erfolgreich. Die Helfer der Wasserwacht lösten Askin A. ab, setzten die Erste Hilfe fort. „Da ist er wieder zu sich gekommen, hat sogar gesprochen“, berichtete Retter Askin A.

Mustafers Mutter dankt den Helfern aus tiefstem Herzen

Der 16-Jährige wurde in eine Münchner Klinik gebracht. Dort wacht nun seine Familie bei ihm. „Es darf immer nur einer zu ihm. Aber wir sind alle Tag und Nacht in der Klinik“, berichtet sein Cousin Saleh. Derzeit liegt der 16-Jährige noch auf der Intensivstation. Saleh: „Mustafers Mutter dankt allen aus tiefstem Herzen, die ihrem Sohn geholfen haben. Es war überwältigend für sie zu erleben, wie viele Menschen helfen wollten.“