Was die Vernetzung und die Sprachsteuerung angeht, setzt aktuell der kleinste, brandneue Mercedes die Maßstäbe. Das hat sich beim AZ-Praxistest gezeigt.

München - Optisch ein bisschen sportlicher und trotzdem alltagstauglicher, von Design her aus einem geluntgenen Guss – seit Kurzem tritt die dritte Generation der A-Klasse zum Dauer-Wettbewerb mit 1er BMW und dem A3 von Audi an. Die AZ hat ausprobiert, was der Kompakte mit Stern drauf hat. Kurz-Fazit vorab: Zumindest in einem Bereich schlägt der Stuttgarter aktuell seine Marktbegleiter um Längen.

Aber fangen wir mit der Basis an: Der Neue ist länger, etwas breiter und einen Zentimeter niedriger als Generation zwei, trotzdem konnten die hinteren Türen etwas vergrößert werden, das ermöglicht einen einfacheren Einstieg und mehr Kopffreiheit – sehr angenehm, beim Vorgänger fühlte man sich doch recht beengt. Um exakt um 29 auf 370 Liter ist das Heckabteil gewachsen, dank der ebenfalls größeren Kofferraumklappe ist es auch angenehmer zu beladen. Anders ausgedrückt: Die Hauptkritikpunkte an seinem Kompakten hat Mercedes sowohl registriert, als auch darauf reagiert. Und sie abgestellt.

Mercedes-Benz User Experience: Hey Mercedes, Danke!

Der AZ-Testwagen war mit dem neuen Zweiliter-Benziner mit 224 PS und dem zwingend damit verbundenen 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe ausgestattet. 6,2 Sekunden für den Standard-Sprint, 250 km/h Spitze – das passt. Im Alltagsbetrieb gibt dieser A 250 den smarten Soft-Sportler, wobei sich der Charakter dank des Fahrprogramm-Schalters zwischen Eco und Sport variieren lässt. Angesichts der vielen Pferdchen wundert's nicht wirklich, dass sich der kleine Benz auf Wunsch sehr zügig bewegen lässt und dass Mercedes ihm ein adäquates, ziemlich aufwendiges Fahrwerk spendiert hat. Im Alltagsbetrieb reicht Eco übrigens völlig aus, die Stufe Comfort sorgt für eine einen Tick sanftere Federung. Und Sport erfordert im städtischen Stop-and-Go einen sensiblen Gasfuß – sonst geht die Fuhre immer zu flott los. Wer mag, kann in Stufe Individual sämtliche Parameter wie Motor, Fahrwerk oder Lenkung nach Wunsch einstellen. Im AZ-Test ergab das beispielsweise für den Motor Eco und für die Lenkung Sport, um Straffheit und maximale Rückmeldung zu bekommen.

Beim Thema Verbrauch kommen wir jetzt schon zu dem Kapitel, bei der die A-Klasse aktuell die Maßstäbe setzt. Nämlich zur Vernetzung und zum Infotainment. MBUX, Mercedes-Benz User Experience heißt das System, hinter dem sich eine Sprachsteuerung versteckt, die nicht mal von der in der S-Klasse getoppt wird. Der Schlüssel dazu ist ein kurzes "Hey Mercedes". Wenn sich die nette Damenstimme dann mit der Frage nach dem jeweiligen Wunsch gemeldet hat, reicht ein: "Wie hoch ist der Verbrauch?" Schon kommt die Ansage: "Seit Beginn der Fahrt verbrauchen Sie 8,1 Liter, der Verbrauch seit dem letzten Reset beträgt 8,6 Liter." Hey Mercedes: Danke!


Die Anzeigen im Display hinterm Lenkrad lasen sich ganz nach Wunsch programmieren.

MBUX kann natürlich nicht nur Verbrauch, das System stellt gerne auch die Temperatur, den gewünschten Radiosender oder die Sitzheizung ein, öffnet oder schließt das Rollo des Glasschiebedachs, berichtet über das Wetter in der Nähe oder am künftigen Urlaubsort ("In San Francisco hat es derzeit 18 Grad") und programmiert in Sekundenschnelle das Navi-Ziel. Was die digitale Stimme kann und nicht kann, erkundet man Frage um Frage. Die Motorisierung des Testwagens hat sie beispielsweise nicht drauf. Dafür weiß sie viel über Tankstellen oder Gasthäuser in der Nähe. Und das Beste daran: Der Fahrer kann sich ganz aufs Fahren konzentrieren und wird nicht durch die Suche in Menüs und Untermenüs abgelenkt. Und ganz ehrlich: Unterhaltsam ist der Austausch mit dem Sprachcomputer auch noch. Beifahrer sind jedenfalls regelmäßig total begeistert.

Das trifft auch auf die Anzeige der Navigation zu. Der Fahrer sieht im Head-up-Display, wo's langgeht. Und auch im rechten der zwei direkt nebeneinander stehenden, je 10,25-Zoll großen Displays. Dort wird vor jeder Abzweigung oder jedem Kreisverkehr zusätzlich das Live-Bild der Frontkamera eingeblendet, versehen mit Pfeilen, die ganz genau die Route vorgeben. Sich zu verfahren wird da beinahe schon unmöglich.

Das Ambiente in der getesteten A-Klasse in der sportlichen AMG-Line und in der üppigst ausgestatteten First Edition ist auf gelungene Weise sportlich-luxuriös. Alu, Leder, Artico-Mikrofaser, feines Holz – alles passt ideal zusammen und nur die Größe und die Zahl der riesigen Belüftungsöffnungen im Armaturenbrett ist so ein bisschen an der Grenze des optisch Verträglichen. Die vielen Möglichkeiten der Einstellung und Steuerung per Touchpad auf dem Mitteltunnel oder per sensitivem Knopf am Lenkrad treten angesichts der MBUX-Fähigkeiten ziemlich in den Hintergrund. Die Ausstattung mit Staufächern und sonstigen Ablagemöglichkeiten ist praxisorientiert. Die Vielzahl der teils serienmäßigen und teils optionalen Assistenzsysteme wiederum kommt direkt aus den großen Benz-Modellen. Der aktive Tempomat etwa, der sich beispielhaft einfach aktivieren lässt und der auch erlaubt, dass der Fahrer kurzfristig die Hände von Lenkrad nimmt. Eine Erfahrung, die im Test auf einer durch Bauarbeiten jeglicher Markierungen beraubten Straße aber zügig wieder abgebrochen wurde. Dann lieber weiter selbst lenken und aufs voll autonome Auto warten.

Mercedes A-Klasse. Preis beginnt ab 36.463 Euro

Ein letztes Thema nach einer zweiwöchigen, intensiven Praxis-Auseinandersetzung mit der brandneuen A-Klasse: die Preise. Den A 250 gibt es ab 36.463 Euro. Die Nettigkeiten der Edition 1 schlagen mit gut 7.000 Euro zu Buche, auch die schicke AMG Line gibt es erwartungsgemäß nicht gratis. Und dann könnte der künftige A-Klasse-Besitzer noch die Lackierung in Designo Mountaingrau Magno (rund 2.200 Euro) ankreuzen, oder noch ein paar Tausend Euro für das Business- und das Navigationspaket ausgeben. Es ist also erwartungsgemäß kein billiges Vergnügen, den Kompakten zu fahren. Aber immer wieder eine vergnügliche Angelegenheit.