AZ zeigt die Baustellen Carlo Ancelotti: Der Baumeister des FC Bayern

Es gibt viel zu tun, packen wir's an: Carlo Ancelotti steht beim FC Bayern vor anstrengenden Wochen. Foto: AZ-Montage/Rauchensteiner/Augenklick

Ein Monat bleibt Bayern-Trainer Carlo Ancelotti bis zum ersten Pflichtspiel - und viel Arbeit: Viele Top-Spieler fehlen lange. Die Neuen muss er integrieren, Hierarchien finden und Sorgenkinder aufpäppeln.

 

München - Welche Erwartungen Carlo Ancelotti an die kommende Spielzeit beim FC Bayern hat? "Ich freue mich auf die neue Saison, weil ich viele Titel gewinnen möchte", sagt der Italiener.

Die erste Möglichkeit bietet der Supercup gegen Dortmund am 5. August, bevor die Bayern dann am 18. August mit dem Ligaauftakt gegen Bayer Leverkusen in die Saison starten. In der Vorbereitung darauf warten einige Baustellen auf den bayerischen Baumeister.

Die AZ sagt, welche...

Vorbereitung ohne viele Stammspieler

Mit Mats Hummels, Thomas Müller, Javi Martínez, Franck Ribéry, Juan Bernat und Kingsley Coman waren nur sechs gestandene Profis beim Trainingsstart dabei. Neuzugang Corentin Tolisso steigt wie Arjen Robben, Robert Lewandowski, David Alaba, Thiago, Rafinha und Douglas Costa am 10. Juli ein. Die Confed-Cup-Gewinner (Niklas Süle, Joshua Kimmich, Sebastian Rudy, Arturo Vidal) und U21-EM-Fahrer (Serge Gnabry und Renato Sanches) werden erst nach der Asienreise der Bayern in München erwartet. Die Tour (16. bis 28. Juli) erschwert die sportliche Vorbereitung. "Das ist ein kleines Problem für jeden Trainer", räumt Präsident Uli Hoeneß ein.

Fehlende Granaten-Transfers

"Vielleicht haben wir noch die Chance, ein oder zwei Spieler zu holen", hofft Ancelotti, nachdem Hoeneß zuvor großspurig Granaten-Transfers in Aussicht gestellt hatte. "Wir werden nie 100 Millionen für Marco Verratti zahlen, ebenso wenig 25 Millionen für ein Jahresgehalt von Alexis Sanchez", stellte der nun aber bei Fox Sports klar. Beim Confed Cup spielte sich der Schalker Leon Goretzka, den die Bayern gerne holen wollen, in den Fokus. "Dass er bei diesem Event einen Rieseneindruck hinterlassen hat, das hat jeder gesehen, der Ahnung vom Fußball hat", sagte Hoeneß.

Integration der Neuzugänge

"Tolisso hat das Profil, wie Alonso zu spielen und ihn zu ersetzen", sagt Ancelotti über den Rekordtransfer (41,5 Millionen Euro), lobt aber auch einen anderen Neuzugang, der ablösefrei kam: "Ich muss auch sagen, dass Rudy taktisch sehr gut ist. Wir haben auf dieser Position sehr viel Konkurrenz." Ebenfalls aus Hoffenheim kommt Süle (25 Millionen Euro). Ob Serge Gnabry ausgeliehen wird, ist offen. "Er wird bei uns starten. Nach der Vorbereitung werden wir eine Entscheidung treffen", sagt Ancelotti. Eine Rückennummer wurde dem Neuzugang aus Bremen noch nicht zugeteilt.

Die Sorgenkinder

Der größte bayerische Sorgenfall ist der 19-jährige Renato Sanches. Der Portugiese enttäuschte bislang. Was tun also, ausleihen, verkaufen? "Eine schwierige Frage", sagt Hoeneß. "Ich plädiere dafür, es noch ein Jahr mit ihm zu probieren." Kingsley Coman (22) hat ebenfalls eine schwache Saison hinter sich, sorgte nun für Negativschlagzeilen, weil er wegen des Vorwurfs häuslicher Gewalt kurzzeitig festgenommen wurde. "Er wird nicht im Regen stehengelassen", meint Hoeneß. Für Ancelotti gilt es, die jungen Spieler wie Sanches, Coman oder auch Kimmich, den er als Rechtsverteidiger einplant, nun besser in sein Team zu integrieren als in der vergangenen Saison. Auch für Thomas Müller (27), den er in wichtigen Spielen oft draußen ließ, muss Ancelotti einen Platz im System finden.

Neuer Co-Trainer

Mit Willy Sagnol wurde Ancelotti neben Sohn Davide ein neuer Assistent zur Seite gestellt. Er soll den Verlust von Hermann Gerland, der sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums wird, kompensieren. "Ich denke, Sagnol wird dem FC Bayern gut zu Gesicht stehen", hofft Hoeneß. Das neue Trainerteam muss sich nun aber erst finden.

Unruheherde im Kader

Robert Lewandowski beklagte sich nach der verpassten Torjägerkanone über mangelnde Unterstützung. "Er hat sich nie bei mir beschwert", erklärt Ancelotti. Eine echte Alternative für den Stürmer fehlt nach wie vor. Der Brasilianer Costa störte das Betriebsklima mit seinen öffentlichen Wechselgedanken ebenfalls. "Wenn ein Verein kommt und die Summen bezahlt, die Karl-Heinz Rummenigge aufgerufen hat, dann wird er weggehen", sagt Hoeneß.

Neue Hierarchien

Nach den Abschieden von Lahm und Alonso müssen sich neue Führungsstrukturen entwickeln. Dass Manuel Neuer Lahms Nachfolger als Kapitän wird, gilt als sicher. Da Ribéry (34) und Robben (33) langsam aber sicher auf ihr Karriereende zusteuern, werden nun Müller, Hummels und Boateng mehr Verantwortung übernehmen müssen.

Neue Motivation

Mit der fünften Meisterschaft in Folge haben die Bayern einen Rekord aufgestellt, verpassten aber die Titel in Pokal und Champions League. Starten die Münchner nun also den nächsten Angriff auf das Triple? "Ich habe gesagt, auf die Dauer ist ein Titel zu wenig – und nicht im Jahr eins in einem Umbruch", stellt Hoeneß klar. "Dass wir mittelfristig wieder mehr als einen Titel gewinnen wollen, liegt in der Natur der Sache. Wenn wir jetzt deutscher Meister werden, wäre ich schon sehr zufrieden."

Gilt das auch für Baumeister Ancelotti?

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