AZ-Top-Ten der deutschen Motorsportler "Genie" Walter Röhrl vor Schumacher

Wer ist der beste deutsche Motorsportler? Die AZ hat die Top Ten aufgelistet. Mit dabei: Heinz-Harald Frentzen, Toni Mang, Bernd Schneider und auch Walter Röhr. Klicken sie sich durch... Foto: dpa/Rauchensteiner AK

Die Top 10 des deutschen Motorsports: AZ-Autor Ralf Loweg kürt die besten Fahrer des Landes – Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel ist für ihn jetzt schon jetzt auf Rang vier.

 

München - Der „Lange“ ist immer noch der Größte. Da haben auch die Formel-1-Stars Sebastian Vettel und Michael Schumacher keine Chance.

Im AZ-Ranking der besten deutschen Motorsportler aller Zeiten kommt die Nummer eins aus Bayern! Für uns steht der zweimalige Rallye-Weltmeister Walter Röhrl aus Regensburg auf der Pole Position. „Es gab und gibt keinen genialeren deutschen Rennfahrer. Walter ist die klare Nummer eins“, sagt auch der ehemalige Formel-1-Pilot und heutige RTL-Experte Christian Danner der AZ. Wieso Röhrl, der seine Karriere einst als Fahrer und Chauffeur im Bischöflichen Ordinariat in Regensburg begann, für AZ-Autor und Motorsport-Experten Ralf Loweg die Nummer 1 ist – noch vor Formel-1-Rekordweltmeister Schumacher und dessen Erben Vettel:

Platz 1: Walter Röhrl: Da wird sogar Schumi blass vor Neid. „Rallye-Fahrer sind Künstler. Wie die ihr Auto beherrschen, das ist unglaublich", sagt der Rekordweltmeister. Röhrl ist bis heute der einzige deutsche Rallye-Weltmeister. Der heute 66-Jährige holte 1980 (mit Fiat) und 1982 (Opel) den WM-Titel. Er gewann 14 WM-Läufe, darunter viermal die legendäre Rallye Monte Carlo. „Walter war ein Genie. Sein Level an Perfektion ist unerreicht“, sagt Danner.

Platz 2: Michael Schumacher: Sieben WM-Titel und 91 Grand-Prix-Siege. Dazu etwa 600 Millionen Euro Vermögen. Ganz klar: Michael Schumacher hat ganz neue Maßstäbe in der Formel 1 gesetzt. Doch wenn Vettel so weitermacht, läuft er Schumi wohl bald den Rang ab. Eines kann Vettel seinem einstigen Idol und heutigen Kumpel aber nicht nehmen: Schumacher war es, der den Motorsport in Deutschland neu erfunden hat. Dafür gibt es zumindest den Ehren-Oscar.

Platz 3: Toni Mang: Er beherrschte und prägte den Zweirad-Zirkus fast ein Jahrzehnt lang. Insgesamt holte Mang zwischen 1975 und 1988 fünf WM-Titel, 1981 wurde er sogar Doppel-Weltmeister (250 und 350 ccm). Der Urbayer, gebürtig in Inning am Ammersee, gewann insgesamt 42 Grand Prix. Und das alles in einer Zeit, in der Todesstürze fast schon Alltag waren. Was die wenigsten wissen: Vor seiner Zeit als Rennfahrer war Mang ein Kinderstar beim Fernsehen. Er stand in vier Märchen-Filmen vor der Kamera, darunter bei den Bremer Stadtmusikanten. Heute unterstützt der 64-Jährige den Motorrad-Nachwuchs.

Platz 4: Sebastian Vettel: Für viele Experten ist er vom fahrerischen Können schon jetzt besser als sein einstiges Vorbild Schumacher. Vier WM-Titel, 39 Siege und 45 Pole Positions. Schumis Rekorde für die Ewigkeit wackeln. Der Seb ist erst 26 und könnte noch zehn Jahre Rennen fahren. Auch privat schwebt Superseb auf Wolke sieben. In der Winterpause wird er erstmals Vater. Freundin Hanna ist im neunten Monat schwanger. Alles Gute!

Platz 5: Hans-Joachim Stuck: Er ist der ewige Gaudi-Bursche und neben Schumi und Vettel der wohl prominenteste deutsche Rennfahrer. Der Strietzel startete in der Formel 1, gewann zweimal die berühmten 24 Stunden von Le Mans (1986 und 1987) und wurde DTM-Champion (1990). Heute zieht der 62-Jährige als Präsident des Deutschen Motor Sport Bundes die Fäden. „Er ist ein leuchtender Stern am deutschen Motorsport-Himmel. Egal, was er gefahren ist – er war überall schnell", erklärt Danner, den vor allem eines freut: „Dass sich der Strietzel zu einer großen Persönlichkeit entwickelt hat.“

Platz 6: Bernd Schneider: Respektvoll nennen sie ihn Mister DTM. Kein Wunder: Mit insgesamt fünf Titeln ist Bernd Schneider der Schumi des Tourenwagensports. Nach seinem Rücktritt 2008 arbeitet er als Botschafter und Testfahrer für Mercedes. Und nebenbei fährt der 49-Jährige noch 24-Stunden-Rennen – und gewinnt: In diesem Jahr in Dubai und auf dem Nürburgring. „Bernd hat aus seinem Talent das Optimale gemacht. Einer der besten Rennfahrer, die Deutschland je hatte“, sagt Danner über den einstigen Rivalen. Nur in der Formel 1 (neun Rennen zwischen 1988 bis 1990) blieb er glück- und erfolglos.

Platz 7: Klaus Ludwig: Er ist der König des Tourenwagensports. Dreimal holte er den DTM-Titel (1988, 1992, 1994). Die 24 Stunden von Le Mans gewann Ludwig dreimal (1979, 1984, 1985). 1998 wurde er auch FIA-GT-Weltmeister. In der Formel 1 startete Ludwig aber nie. Bis 2006 blieb er der DTM als TV-Experte für die ARD verbunden. Heute arbeitet der 64-Jährige mehr an seinem Handicap und ist öfter auf Golfplätzen als auf Rennstrecken zu sehen.

Platz 8: Christian Danner: Er ist einer der bekanntesten und beliebtesten Rennfahrer Deutschlands. Das liegt vor allem an seiner TV-Präsenz. Seit vielen Jahren reist Danner als Formel-1-Experte für RTL von Rennen zu Rennen. Die Meinung des Münchners wird gerne gehört und geschätzt – von den Zuschauern, aber auch von den Rennfahrern und Funktionären. 1985 wurde Danner erster Formel-3000-Europameister. Seine Formel-1-Karriere war weniger erfolgreich. In technisch unterlegenen Autos hatte Danner Ende der Achtziger aber auch keine Chance. Umso erstaunlicher sein vierter Platz im USA-Grand-Prix 1989 in einem Rial.

Platz 9: Egon Müller: Das Enfant terrible auf zwei Rädern. Mit seinen langen blonden Haaren, kessen Sprüchen und seiner Art war er so etwas wie der Rockstar unter den Speedway-Artisten. Und Müller war erfolgreich. In den 33 Jahren seiner Karriere wurde er zur Legende seines Sports. Er holte vier WM-Titel und feierte 785 (!) Rennsiege. Und er war hart im Nehmen: Insgesamt zog sich Müller 69 Knochenbrüche zu. Für seine Verdienste um den Motorsport wurde er 1976 von Bundespräsident Walter Scheel mit dem Silbernen Lorbeerblatt geehrt. Sein letztes Rennen absolvierte Müller 1997. Unter dem Künstlernamen Amadeus Liszt versuchte er sich auch als Sänger.

Platz 10: Heinz-Harald Frentzen: Es gibt nicht wenige, die behaupten, dass Frentzen im Vergleich mit Schumi das größere Talent gewesen sei. Geholfen hat das allerdings nicht. Das lag vor allem daran, dass „HHF“ in entscheidenden Momenten oft die falschen Entscheidungen getroffen hat. Als Frank Williams ihn 1994 für den tödlich verunglückten Ayrton Senna haben wollte, sagte er ab und hielt lieber dem Sauber-Team die Treue. Williams holte Damon Hill und machte aus dem eher zweitklassigen Rennfahrer einen Weltmeister (1996). 1997 wechselte Frentzen dann doch zu Williams – da waren die aber schon auf dem absteigenden Ast. Als Schumi 1997 aus der Wertung genommen wurde, erbte Frentzen aber wenigstens den Vize-Titel. Gewann insgesamt drei Rennen, davon zwei im technisch unterlegenen Jordan.

 

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