AZ-Test Volvo XC90 T8 Großer Schwede mit zwei Herzen

Der Volvo XC90 ist ein schickes, großes SUV voller technischer Finessen und als T8 mit kombinierten Benzin- und Elektroantrieb. Foto: Rudolf Huber

Im Alltag unterwegs mit dem großen Volvo-SUV XC90 mit Plug-in-Antrieb, bei dem 407 PS auf Wunsch für ordentlichen Schwung sorgen.

 

München - Mit ihrem großen SUV haben die Schweden einen Volltreffer gelandet: Der Volvo XC90 passt mit seinem schicken Design, seinen Sicherheits-Zutaten und seinem Antriebskonzept voll in die Zeit. Vor allem in der Version T8 als so genannter Plug-in-Hybrid: Vorne ein doppelt aufgeladener Zweiliter-Benziner, auf der Hinterachse ein Elektromotor, im Wagenboden Akkus – so wird der neue Schwede zum Vorzeige-Ökomobil.

Zumindest erst einmal theoretisch. Denn das komplizierte Rechenverfahren zur Ermittlung des Normverbrauchs ergibt aus der Kombination von B- und E-Antrieb einen fabelhaften Wert von nur 2,1 Liter. Und das für ein 2,3 Tonnen schweres Fahrzeug!

Nun gut, es gibt die Theorie, und dann gibt es die Praxis.

In Zweiterer ist der Wunderverbrauch natürlich nicht zu schaffen. Das geht schon mal bei der elektrischen Reichweite los, die Volvo mit knapp über 40 Kilometer angibt. Im AZ-Test waren es nur gut 20 Kilometer, weil es noch recht kalt war und wir jede Menge Stromverbraucher von der Heizung bis zur Sitz- und Lenkradheizung aktiviert hatten. Das zehrt am Akku. Außerdem wurde der Test-T8 nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit an Stromzapfstellen angehängt, also das mögliche Potenzial des E-Antriebs nicht wirklich genutzt. Ganz klar, dass sich das auf den Durchschnitts-Benzinverbrauch auswirkt. Rund elf Liter Super kamen letztlich zusammen, weil halt es auch so richtig Spaß macht, das Potenzial des 320 PS starken Benziners auszureizen.

Ein Sportwagen ist der kühl-elegant geformte XC90 natürlich nicht, aber mit dem zusätzlichen Elektro-Anschub bei aktivierter „Power“-Einstellung legen die immerhin 407 PS sehr ordentlich los. In nur 5,6 Sekunden geht es von 0 auf 100 Sachen und dann weiter bis zu 230 km/h. Das Zusammenspiel der beiden Antriebe erfolgt in der Grundeinstellung namens „Hybrid“ vollautomatisch – beim Anfahren etwa geht es mit dem Stromer an der Hinterachse los, bei höheren Tempo schaltet sich fast unmerklich der Benziner zu. Außerdem kann zum Beispiel auf reinen Stromantrieb oder auf reinen Benzinantrieb geschaltet werden, etwa um Strom für die letzten elektrischen Kilometer zu sparen. Die Achtgang-Automatik schaltet fein, es gibt Kraft auf alle vier Räder, die optionale Luftfederung sorgt für Komfort und Stabilität – und schon geht es munter auch durch enge Kurven.

Hier gibt es ein Video zum Volvo XC90-Test

Platz und Luxus bietet die getestete Version R-Line in Hülle und Fülle. Bis zu sieben Menschen haben Platz, sie können vorne sehr anständig, ganz hinten immer noch anständig untergebracht werden. Oder der XC90 macht auf Kleinlaster und transportiert Gepäck bis zu einem Volumen von 1816 Liter – das ist reichlich. Die Materialien, die (wenigen) Schalter und Hebel im großen Volvo sind aus appetitlichem Material und gut anzuschauen. Über den großen Touchscreen am Armaturenbrett wird quasi das ganze Auto gesteuert, das ist nach einer kurzen Einführungsrunde zumindest für alle die kinderleicht, die bereits Tablet-Erfahrungen haben. Sicherheit ist ein ganz großes Thema, serienmäßig und optional bietet Volvo alles auf, was derzeit zu haben ist. Das reicht vom Tote-Winkel-Warner bis zum Kreuzungs-Aufpasser und zum Wächter über kreuzende Fußgänger und Radler, schließt den Abstandsradar mit teilautonomem Kolonnenfahren ebenso ein wie die Volvo-Entwicklung des Sicherheits-Pakets, das beim unfreiwilligen Verlassen der Fahrbahn automatisch und in Millisekunden aktiviert wird. Die Vernetzung mit dem Smartphone oder iPhone ist kinderleicht zu bewerkstelligen.

Luxus pur herrschte im AZ-Testwagen, die sowieso schon ziemlich noble Ausstattung der R-Line wurde durch eine Fülle aufpreispflichtiger Extras von der Matt-Folierung über eine gewaltige Soundanlage oder die Standheizung ergänzt. Nicht ohne Auswirkungen auf den Preis, wie man sich denken kann. Die Version R-Line kostet mindestens 79 660 Euro. Und die Extras im Testfahrzeug trieben den Endpreis letztlich auf mehr als 105 000 Euro hoch. Dafür gibt es dann aber auch ziemlich viel Auto und faszinierende Technik – vom eindrucksvollen optischen Auftritt des Schweden ganz zu schweigen.

 

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